Diplomarbeit: Persönlichkeit und Motivation im Extrem- und Risikosport

Im Rahmen unseres Studiums an der Universität der Bundeswehr München führten wir im Zeitraum vom 01.08.2008 bis zum 10.09.2008 eine Online-Erhebung für unsere Diplomarbeit durch. Die Arbeit gründete auf der Frage, warum Menschen extreme und riskante Sportarten ausüben.

Ergebniszusammenfassung

Folgende Ergebnisse stellen eine gekürzte Auswahl der Untersuchungsergebnisse dar.

Selbstwirksamkeit:
Die Einschätzung der eigenen Kompetenzen, im Leben mit Problemen zurechtzukommen, ist bei Extrem- und Risikosportlern nicht höher ausgeprägt als bei anderen Menschen. Auch die Dauer der Ausübung von Extrem- und Risikosport hat keinen Einfluss auf die allgemeine Selbstwirksamkeit der Sportler.

Angstauseinandersetzung:
Die Annahme, dass Extrem- und Risikosportler sich stärker mit ihren Ängsten auseinandersetzen als Nicht-Extrem-und Risikosportler, konnte bestätigt werden. Es zeigten sich signifikante Unterschiede zur Vergleichsgruppe. Dadurch konnten die Grundannahmen aus den Theorien von Semler und Balint gestützt werden.

Sensation Seeking:
Im Einklang mit Zuckermans Theorie (1974) fanden sich bei den Extrem- und Risikosportlern höhere Sensation Seeking-Werte gegenüber der Vergleichsgruppe (der höchste Wert diesbezüglich zeigte sich bei den Downhill-Bikern, siehe Abbildung 1). Eine naheliegende Begründung liegt in dem individuell unterschiedlich stark ausgeprägten Erregungsniveau von Menschen. Extrem- und Risikosportler benötigen demnach mehr Reize, um ihr Erregungsniveau zu erreichen als andere Menschen.Es wurde zudem bestätigt, dass der Drang nach Sensationslust ab Erreichen des Erwachsenenalters abnimmt. Sensation Seeking ist demzufolge bei älteren Extrem- und Risikosportlern geringer ausgeprägt als bei jüngeren. Zu interpretieren ist dieses Ergebnis insofern, dass der Drang nach Sensationslust vermehrt im jungen und mittleren Erwachsenenalter ausgelebt wird und im höheren Alter weitgehend befriedigt ist.

Leistungsmotivation:
Die Untersuchung zeigte, dass Leistungsmotivation für Extrem- und Risikosportler eine Rolle spielt und diese höher ist als bei Nicht- Extrem- und Risikosportlern. Kompetenzerleben stellt daher einen berechtigten Bestandteil im Erleben von Extrem- und Risikosport dar.

Narzissmus:
Die definierten Merkmale (Anspruchsdenken, Schönheit und Selbstliebe, Bedürfnis nach Aufmerksamkeit) lassen die Schlussfolgerung zu, dass Narzissmus kein Motiv für die Ausübung von Extrem- und Risikosport darstellt.

Glaube an eine gerechte Welt:
Bei Extrem- und Risikosportlern und Nicht- Extrem- und Risikosportlern ist der Glaube an eine gerechte Welt gleichermaßen vorhanden. Unterschiede treten nur marginal auf. Der persönliche Glaube an eine gerechte Welt ist bei beiden mittelstark bis stark ausgeprägt. Dies lässt vermuten, dass die Höhe der Ausprägung des persönlichen Gerechte-Welt-Glaubens nichts mit dem Erleben extremer und risikoreicher Situationen zu tun hat.Betrachtet man dagegen die einzelnen Extrem- und Risikosportarten innerhalb der Untersuchungsgruppe für sich, sind durchaus interessante Differenzen im Mittelwert erkennbar (siehe Abbildung 2). Die Downhill-Biker haben dabei den schwächsten Wert (M = 3,74), der sogar unter dem Mittelwert der Vergleichsgruppe (M = 4,32) liegt.Bemerkenswert daran ist, dass die Downhill-Biker den höchsten Sensation Seeking-Wert der untersuchten Sportarten aufweisen. Der schwache Wert im GWPER lässt sich dadurch begründen, dass die Wahrscheinlichkeit eines tödlichen Ausgangs bei diesem Sport deutlich geringer ist als bei anderen, und sie einen sogenannten “Schutzengelglauben” (Rheinberg, 1996) daher nicht zwingend benötigen.Die Werte der anderen Gruppen zeigen einen stärkeren persönlichen Gerechte-Welt-Glaube auf – vermutlich aufgrund der hochgradigeren letalen Gefahr, die diese Sportarten in sich bergen. Diese besteht beim Basejumping, Free-Solo-Klettern sowie beim Gleitschirm-/Drachenfliegen in der Höhe, die Sportler aufsuchen.