Bouldern boomt. Nicht nur in den Hallen, sondern auch an natürlichen Felsen. Konflikte gibt es dabei immer wieder - je nach Situation vor Ort aus ganz verschiedenen Gründen.

BouldererIn den meisten Gebieten sorgen allerdings gut austarierte Regelungen dafür, dass Bouldern auch in Zukunft möglich bleibt. Voraussetzung ist, dass sich alle Sportler an diese Vereinbarungen und einige generelle Regeln halten. Entsprechende Tipps zum natur- und umweltverträglichen Bouldern gibt ab sofort der "Boulderappell". Diesen haben der Deutsche Alpenverein, die Naturfreunde, die IG Klettern und die Pfälzer Kletterer gemeinsam mit vielen aktiven Boulderern erarbeitet.

Naturschutz und Naturnutz

Sollte man an stark bewachsenen Felsen klettern? Ist es sinnvoll, die Namen von Bouldern anzuschreiben? Wie sollte man es mit dem Bouldern bei Dämmerung halten?

Der Boulderappell umfasst zehn Punkte – einige Tipps sind sehr generell und scheinen selbstverständlich, andere gehen ins Detail. Für Außenstehende mag das beliebig klingen, für Insider zeichnen die zehn Punkte ein anschauliches und nachvollziehbares Bild von der "good practice" des Boulderns.

Der Boulderappell plädiert für ein faires Miteinander am Fels und wirbt dafür, mit der Natur pfleglich umzugehen. Er ist ein Statement der Boulderszene für eine Zukunft des Boulderns, in der begeisterte Sportler drinnen und draußen ihrer Leidenschaft nachgehen können, ohne dass Natur und Umwelt zu kurz kommen.

Appell zum naturverträglichen Bouldern (Boulderappell) der Bergsport- und Kletterverbände in Deutschland

  • Lokale Regelungen und gesetzliche Vorgaben beachten.
  • Magnesia sparsam einsetzen, Tick-Marks und Chalkspuren wieder entfernen. Magnesia -Verbote in Bouldergebieten einhalten.
  • Zum Schutz der Wildtiere die Bouldergebiete vor Einbruch der Dunkelheit verlassen. Kein „Nachtbouldern“ mit Lampen oder Scheinwerfern.
  • Keine gesperrten Wege mit PKW befahren, rücksichtsvoll parken. Wenn möglich mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen oder Fahrgemeinschaften bilden.
  • Rücksichtsvoll mit der Natur und der Umgebung umgehen, Lebensräume von Pflanzen und Tieren bewahren. Kein Feuer schüren, keinen Müll zurücklassen und Lärm vermeiden. Ausrüstung nicht vor Ort lagern.
  • Neue Bouldergebiete mit den Naturschutzbehörden, den Eigentümern und ggf. sonstigen Interessengruppen (z.B. Forst, Jagd) abklären.
  • Stark bewachsene Felsen nicht erschließen, geschützte Felsvegetation erhalten. Kein flächiges Entfernen von Bewuchs. Gehölz nicht ohne Einwilligung des Eigentümers entfernen.
  • Boulder nicht mit Namen beschriften. Einzelne Markierungen müssen dezent angebracht werden und mit den regionalen Absprachen übereinstimmen.
  • Keine Griffe oder Tritte manipulieren oder hinzufügen.
  • Regionale Absprachen zu Veröffentlichungen beachten.

Erarbeitet von der Kommission Klettern und Naturschutz des DAV und den Kletter- und Bergsportverbänden, verabschiedet durch das DAV-Präsidium im Mai 2011.

[Anmerkung vom Webmaster]

Vor fast 13 Jahren gab es schon mal in der Fränkischen Schweiz einen Boulderappell, der von der IG Klettern initiiert wurde.

Hier zum Vergleich der Boulderappell von 1998 für Frankenjura und Fichtelgebirge:

Die zunehmende Popularität des Boulderns im Nördlichen Frankenjura hat in letzter Zeit zu heftiger Kritik v.a. von Jagd- und Forstwirtschaft, aber auch von Grundstückbesitzern und Behörden geführt. Um einer drohenden Fehlentwicklung, sprich behördlichen Reglementierung vorzubeugen, hatte die IG Klettern am 21.11.1998 die führenden Vertreter der Boulderszene zu einem Treffen nach Morschreuth eingeladen.

Nach einer ausgiebigen Diskussion einigten sich die Aktivisten der Szene auf einen Empfehlungskatalog für das Bouldern Im Nördlichen Frankenjura, ähnlich dem bekannten Erstbegeherappell. Es bleibt zu hoffen, daß sich alle Aktiven, auch die die nicht anwesend waren, in Zukunft an die vereinbarten Spielregeln halten. Boulderappell für Frankenjura und Fichtelgebirge

  • Neue Bouldergebiete mit Landratsamt und Privatbesitzer abklären.
  • Keine Erschließung von stark bewachsenen Felsen. Keine Gehölze ohne Einwilligung vom Besitzer entfernen.
  • Eine Stunde vor Dunkelheit in geschlossenen Waldgebieten nicht mehr die Wege verlassen.
  • Keine gesperrten Wege mit PKW befahren, rücksichtsvoll parken.
  • Keine Veröffentlichung von Bouldergebieten.

Unterzeichner

  • Karsten Oehlze
  • Andreas Behr
  • Klaus Baier
  • Milan Sykora
  • Markus Bock
  • Ursula Hofmann
  • Andreas Hofmann
  • Jochen Poppel
  • Martin Joisten
  • Uwe Schönfisch
  • Jürgen Kollert
  • Heiko Queitsch
  • Susi Eichhorn
  • Barbara Schneider
  • Markus Windisch
  • Werner Thon
  • Katrin Hoffmann
  • Peter Randelzhofer
  • Peter Schneider
  • Manfred Eichhorn
  • Philipp Warda