Gedanken von Jörg Andreas zum „Red Bull Steinkönig“ in Sachsen

Jörg Andreas, einer der bekanntesten sächsischen Sportkletterer, hat sich nach der Ankündigung des Red Bull Steinkönig Events die Mühe gemacht seine Gedanken aufzuschreiben und climbing.de zur Verfügung zu stellen.

 
Es gibt natürlich trotzdem Weiterentwicklungen bzw. Ventile, in denen sich der Drang der Jugend entlädt. Das tschechische Elbtal hat sich in den
letzten 10 Jahren zu einem exquisiten Sportklettergebiet entwickelt, dessen Routen dennoch höchst anspruchsvoll sind und einen engagierten Vorstieg
erfordern. Bei der Benutzung von Magnesia wird in diesem Gebiet zwischen modernen Routen und traditionellen Klassikern unterschieden. Im
Elbsandstein selber werden viele neue Routen in den Graden jenseits von 9- mittlerweile on-sight tauglich abgesichert und es gibt harsche
Diskussionen ob des Mangels an riskanten Elementen.
 
Beim Klettern ein Mehr an Risiko einzugehen und Selbstbeschränkung zu üben, sollte meiner Meinung nach Sache eines jeden Einzelnen bleiben und kann
überall auf der Welt betrieben werden – nicht nur im Elbsandstein. Wird jedoch Gefährlichkeit und ein oft nicht abschätzbares Risiko per Doktrin,
d.h. über ein traditionelles Regelwerk den lokalen Kletterern verordnet, dann befinden wir uns nicht mehr in einer freien Ausübung des Sports.
 
Jeder erfahrene Kletterer weiß gut genug wie in den Mehrseillängenrouten der Alpen, die Ansprüche an Risikobereitschaft, Mut und obligatorische
Schwierigkeiten vom Erstbegeher beliebig in die Höhe geschraubt werden können. Andererseits kann dieser die Ansprüche auch minimal halten und sich
nur auf gut gesicherte, klettertechnische Schwierigkeiten konzentrieren. Beides obliegt der rein subjektiven Wahl des Erstbegehers und nicht einem
übergeordneten Regelwerk. Die freie Wahlmöglichkeit der Widerholung obliegt dann wiederum der nächsten Generation.
 
Ich treffe auf meinen Kletterreisen quer durch Europa viele ambitionierte junge Kletterer und lade ein zum Klettern ins Elbsandsteingebirge zu
kommen. Fast niemand der jungen Kletterer hat jedoch Lust darauf sich in ein Klettergebiet zu begeben, wo er in einer ganz speziellen Manier
klettern muss, einen organisierten Überwachungsapparat vorfindet und ein aufgeblähtes Regelwerk lesen muss, das seinesgleichen in der Welt sucht. Es
ist auch nicht schwer zu verstehen, dass junge Leute die sich für einen Sport wie Klettern entscheiden, dies vor allem aufgrund der empfundenen
Freiheit in den Bergen und der ganz praktisch empfundenen Nichtigkeit von Funktionärspersönlichkeiten in ihrem Sport tun.
 
Dem Verständnis füreinander wäre es somit weit förderlicher, ein Kletterevent zu initiieren, dass nicht versucht cooles Firmenimage mit naiv –
heroischen Traditionsbildern zu verknüpfen, sondern ambitionierte junge Kletterer aller Regionen dazu einlädt eigene Ideen zu verwirklichen. Viele
der jungen Kletterer haben vom Elbsandstein ein völlig verschobenes und vorbelastetes Bild und daran wird gerade dieses RedBull „Steinkönig“
Eventmotto nichts ändern.  
 
Wenn riskant als cool verkauft wird und das Elbsandstein als Abenteuerzoo herhält um mal etwas richtig „Skuriles“ zu machen, dann wird das weder der
Firma mit den beflügelnden Drinks noch dem sächsischen Klettern einen Imagegewinn einbringen. Zu Zeiten Güllichs waren die „Stars“ der Szene
wenigstens noch fähig zu unterscheiden, welche werbetechnischen Aktionen sie aus rein finanziellen Gründen unterstützten und hinter welchen Aktionen
sie als Sportler standen. Dies scheint nun leider längst abhanden gekommen zu sein.  
 
Das Gefühl von Freiheit und Selbstbestimmung im Bergsport, wird für auswärtige Kletterer beim Kontakt mit dem aufgeblähten, traditionellen Regelwerk
in der Verbindung mit naiver Imagepflege sicher ganz intuitiv rüberkommen.
 
Allen Aspiranten und Kletterbegeisterten wünsche ich viel Selbstverwirklichung und vor allem einen verletzungsfreien Klettersommer…
 
Cheers,
Jörg Andreas