Der Eröffnungstag des International Mountain Summit (IMS) stand ganz im Zeichen der Alpenvereine.

IMS 2010: Tag der Alpenvereine Unter dem Motto „Recht auf Risiko“ veranstalteten der Alpenverein Südtirol (AVS), der Club Alpino Italiano (CAI), der Deutsche (DAV) und der Oesterreichische Alpenverein (OeAV) Vorträge, Multivisionsshows und Diskussionen.Im Mittelpunkt: Die Frage nach dem Verhältnis von Rechtsprechung, Risiko und Selbstverantwortung. Welche Bedeutung hat Risiko im Bergsport? Wie weit sollten Gesetze in den Bergsport hineinreichen? Und wieviel Selbstverantwortung sollte beim Bergsportler bleiben?

Dass der IMS für die Alpenvereine ein ideales Forum bietet, zeigte sich nicht nur an den vielen verschiedenen Vertretern der internationalen Bergsportszene, die dort als Referenten und Diskutanten zur Verfügung standen, sondern auch am Publikumsinteresse.Zu den Vormittagsreferaten kamen über 100 Zuhörer, am Nachmittag fanden sich etwa 150 Interessierte ein. Die beteiligten sich denn auch sehr aktiv am Geschehen. Unter der souveränen Moderation von Volker Steinbrecher gab es im Anschluss an die Themenblöcke spannende Diskussionen mit viel Zuschauerbeteiligung.

Am Abend kamen rund 300 Zuhörer, darunter so prominente Gäste wie der Südtiroler Landeshauptmann Dr. Luis Durnwalder, der Südtiroler EU-Parlamentarier Herbert Dorfmann und DDr. Karl Zeller, Abgeordneter im italienischen Parlament. In drei kurzen Gesprächsrunden fassten die Moderatoren Volker Steinbrecher und Michael Pause die Vorträge und Diskussionen des Vor- und Nachmittages zusammen.Zwischen den Themen tauchte eine Forderung immer wieder auf, die OeAV-Präsident Dr. Christian Wadsack in seinem Abschlussplädoyer auch noch einmal aufgriff: Der Bergsport braucht nicht noch mehr Gesetze, die Bergwelt muss auch in Zukunft frei zugänglich bleiben!

Die Diskussionen am Vormittag

Einen ersten Hinweis, in welche Richtung die Redebeiträge und Diskussionen des Tages gehen würden, gab Robert Renzler, Generalsekretär des OeAV, in seinem Einführungsreferat mit einem Zitat: „Zu viele Menschen denken an Sicherheiten statt an Chancen. Sie haben mehr Angst vor dem Leben als vor dem Tod.“DAV-Vizepräsidentin Tamara Schlemmer brachte anschließend den gemeinsamen Standpunkt der Alpenvereine auf drei Thesen: Risiko gehört zum Leben und deshalb auch zum Bergsport; Risikokompetenz ist erlernbar; Freiheit und Verantwortung sind für den Bergsport unabdingbar.

Alex Huber brachte die Perspektive eines Extrembergsteigers in die Diskussion ein. In seinem überzeugenden Plädoyer zeigte er auf, wie eng Risiko und Sinngebung im Bergsport beieinander liegen. Prof. Siegbert Warwitz lieferte für Hubers Ausführungen den wissenschaftlichen Hintergrund.Mehr noch argumentierte der Risikoforscher, dass es nicht nur ein generelles Recht auf Risiko gäbe, sondern sogar eine Pflicht zum Wagnis, denn erst durch Wagnisse könne sich der Mensch selbstverwirklichen – im Bergsport genauso wie im „normalen“ Leben.

Risiko als Verkaufsargument

Nach der Mittagspause gab Thomas Eichner einen Einblick, wie Touristiker mit dem Tagesthema umgehen. Die Risiken im Bergsport verpflichteten die Branche dazu, ihre Gäste aufzuklären und gegebenenfalls auszubilden. Hierin liege, so der Tourismuschef von Meran, die Chance, mit den Alpenvereinen noch enger zusammenzuarbeiten. In eine ähnliche Richtung, aber aus einer vollkommen anderen Perspektive, ging Clemens Kratzer in seinem Vortrag.

Der Redakteur beim Bergsportmagazin „Alpin“ gab unterhaltsame Antworten auf die Frage, warum die Medien so gerne über Bergunfälle berichten. Statt Medienschelte auszuteilen, rief er die Alpenvereine zu intensiverer Medienarbeit auf. „Warum lassen wir nicht einen gemeinsamen Alpinpresseclub wieder aufleben?“

Recht und Risiko

In den dritten Themenblock „Bergsport und Recht“ leiteten Wolfgang Wagner vom DAV, Hubert Mayrl vom AVS und Carlo Zanantoni vom CAI ein. Die drei machten keinen Hehl aus ihrem Standpunkt: Mehr Gesetze als die bereits bestehenden darf es im Bergsport nicht geben. Zwei Juristen erläuterten anschließend die aktuellen Rechtslagen. Der österreichische Alpinjurist Dr. Andreas Ermacora tat dies für Österreich und Deutschland.

Sein Credo: Die Gesetze sind ausreichend, die Justiz geht mit Augenmaß vor. Ganz anders sei die Lage in Italien, so DDr. Karl Zeller, Abgeordneter im italienischen Parlament. Dort würde den Bergsportlern kaum Eigenveranwortung zugebilligt werden.Der Erste Vorsitzende des AVS, Georg Simeoni, schloss direkt daran an, als er in seiner Bilanz der bisherigen Redebeiträge die Forderungen der Alpenvereine wiederholte und Freiheit und Eigenverantwortung im Bergsport betonte.

Der Abend

In der Begrüßung machte Georg Simeoni noch einmal auf die Forderungen der Alpenvereine aufmerksam, die Eigenverantwortung der Bergsportler zu stärken und den freien Zugang zu den Bergen zu bewahren. Zur Einstimmung in den Abend trug anschließend der TV-Journalist Michael Pause einige Gedanken zum Thema Risiko im Bergsport vor, die die Alpenvereine gemeinsam entwickelt hatten. Begleitet wurden seine Ausführungen von emotionalen Bild- und Videosequenzen.

In drei Gesprächsrunden schafften es die Moderatoren Steinbrecher und Pause dann, die Themen des Vor- und Nachmittags nicht nur zu wiederholen, sondern zuzuspitzen. Das Resultat: Nach einhelliger Meinung der Diskutanten haben die Alpenvereine eine wichtige Rolle dabei, Bergsportler aufzukären und auszubilden. Denn der beste, vernünftigste und effektivste Weg, dem Risiko in den Bergen zu begegnen, läuft nicht über Gesetze. Sicherheit in den Bergen entsteht mit kompetenten Bergsportlern.

Die Alpenvereine AVS, CAI, DAV und OeAV haben insgesamt mehr als 1,5 Millionen Mitglieder, sie betreuen 70.000 Kilometer Wege und Steige und betreiben rund 1.250 Schutzhütten. Seit ihrem Bestehen arbeiten die Vereine in zahlreichen Projekten und Initiativen zusammen.Ganz aktuell fördern die deutschsprachigen Alpenvereine beispielsweise im Rahmen der Kampagne „So schmecken die Berge“ die regionale Wirtschaft und bergbäuerliche Betriebe in den Alpen.

Ein gemeinsames Projekt auf kultureller Ebene ist das historische Alpenarchiv. Dabei wurden in den vergangenen Jahren über 40.000 Objekte zu den Themen Alpen, Bergsport und Geschichte gesichtet, katalogisiert, in einer Datenbank erfasst und ins Internet gestellt.Von der internationalen Zusammenarbeit der Verbände profitieren die Mitglieder übrigens auch ganz unmittelbar – zum Beispiel durch das so genannte Gegenrecht: Es räumt jedem Mitglied das Recht ein, zu Mitgliedertarifen nicht nur in den Hütten des eigenen Vereins, sondern auch in den Hütten der anderen Vereine zu übernachten.

Detaillierte Informationen zu der Arbeit und den gemeinsamen Projekten der Alpenvereine finden Sie unter www.alpenverein.at, www.alpenverein.de, www.alpenverein.it sowie www.cai.it