17 Jahre war das so genannte "Invalideneck" am Kleinen Barmstein beliebter Anlaufpunkt für Sportkletterer. Jetzt werden die rund 20 Routen auf der Südseite des Berges in Absprache mit der Alpenvereinssektion Berchtesgaden rückgebaut.

Der Anlass: Grundeigentümer und Nachbar Stefan Koch vom Oberbarmsteinlehen hatte immer wieder Probleme mit Kletterern, die am Barmstein ihren Sport ohne jede Rücksichtnahme ausübten.

„Wir haben alles versucht. Aber es gibt einfach zu viele schwarze Schafe, denen Rücksichtnahme ein Fremdwort ist“, sagt Berni Zauner von der Alpenvereinssektion Berchtesgaden. Zusammen mit dem Erschließer des Klettergebiets, Richard Koller, hat er immer wieder versucht, die Probleme, mit denen sich die Familie Koch konfrontiert sah, zu lösen. Vor allem lärmende Kletterer waren für die aufkommenden Dissonanzen verantwortlich. Mehrmals schleppten sie beispielsweise Aggregate zu den Felsen, um das Klettergelände für nächtliche Sportaktionen auszuleuchten.

Gleichzeitig war für die musikalische Beschallung der sportlichen Aktionen gesorgt, was die Urlaubsgäste im Oberbarmsteinlehen nicht unbedingt erfreute. „Tatsächlich hatten wir aufgrund der Ruhestörung einige Absagen von Gästen“, sagt Stefan Koch.

Häufiger kam es in den letzten Jahren zu Parkproblemen rund um das Kletter- und Wandergebiet. Nicht nur einmal war die Hofzufahrt blockiert, diente das angrenzende landwirtschaftlich genutzte Feld als Parkfläche. Sogar zu Sachbeschädigungen kam es beim Oberbarmsteinlehen. Versuche der DAV-Sektion, die Probleme zu lösen, brachten nur kurzfristig Verbesserung. So hatte man vor sechs Jahren in Absprache mit Stefan Koch direkt am Wander- und Kletterparkplatz eine Hinweistafel mit genauen Zugangsgeschreibungen und Verhaltensregeln errichtet. Fortschritte gab es dadurch aber nicht.

Mittlerweile fordert auch der lange Jahre geduldige Stefan Koch ein Ende der Kletteraktionen auf der Südseite des Kleinen Barmsteins. Ohnehin sperrte die Gemeinde erst kürzlich den auch von Wanderern genutzten Weg unterhalb der Wand, weil man Haftungsansprüche bei Unfällen befürchtet. Hier hat Orkan „Kyrill“ im letzten Winter mehrere Bäume umgerissen. Weil in diesem steilen Gelände ein Schutzwald von besonderer Bedeutung ist, will Koch jetzt den Bereich aufforsten.  Ein Schutzzaun gegen das Wild ist dafür unerlässlich – der soll auch den bisherigen Kletterbereich mit einschließen. Die Wanderer werden umgeleitet.

Beim Alpenverein hat man für all das Verständnis. „Einige Kletterer haben sich leider nicht an die Regeln gehalten. Sie haben es zu verantworten, dass das Invalideneck als Klettergebiet verloren geht“, sagt Berni Zauner. Sämtliche Bohrhaken sollen in den nächsten Wochen entfernt werden. Nun hofft man auf seiten des Alpenvereins, dass es an den anderen von Kletterern genutzten Wänden im Berchtesgadener Raum keine ähnlich negativen Entwicklungen gibt.