Am vergangenen Freitag ist im fränkischen Pottenstein eine große, einmalige und zukunftsweisende Erfolgsgeschichte gefeiert worden. Eine Geschichte, die nicht nur für den Klettersport in Deutschland von existentieller Bedeutung ist, sondern den Weg aufzeigt, wie Sport und Naturschutz in Einklang zu bringen sind. Es ist die Geschichte der Kletterkonzepte im Nördlichen Frankenjura und im Fichtelgebirge, die vor 22 Jahren begonnen hat.

Klettern in der Fränkischen Schweiz (c) Bernhard Thum Zum Abschluss dieser Konzepte haben die Regierung von Oberfranken, der Deutsche Alpenverein, die Interessengemeinschaft Klettern und der Naturparkverein Fränkische Schweiz – Veldensteiner Forst zu einem Festakt nach Pottenstein geladen. Vor über 100 Gästen sagte DAV-Vizepräsident Dr. Guido Köstermeyer in seiner Rede: "Klettern ist nicht nur Sport, sondern bietet ein einmaliges Naturerlebnis. Das sollen auch unsere Kinder erleben können, um zu wissen, wie schützenswert die Natur ist."
 
Kletterkonzept – was ist das?

Der Nördliche Frankenjura ist eines der bedeutendsten Klettergebiete der Welt. Die rund 1000 bekletterten Felsen sind häufig auch ein sensibler Naturraum. Freiwillige Vereinbarungen, die 14 sogenannten Kletterkonzeptionen, lenken den Klettersport in naturverträgliche Bahnen. Das erste Kletterkonzept "Eibenwände und Weiße Wand" wurde 1992 als Reaktion auf den sich zuspitzenden Konflikt zwischen Kletterern und Naturschützern erstellt.

Zur Erstellung der Kletterkonzepte haben Vertreter der Höheren und Unteren Naturschutzbehörden, der Naturparkverwaltung, der Naturschutzorganisationen, des DAV und der IG Klettern weit über 1000 Felsen vor Ort begutachtet, notwendige Lenkungsmaßnahmen diskutiert und die Felsen in drei Zonen unterschiedlicher Nutzung eingeteilt.Das Ergebnis sind flächendeckende Vereinbarungen, die sowohl dem Naturschutz als auch dem Klettersport gerecht werden. Dort wo es zum Schutz der Felslebensräume nötig ist, wurden ein Kletterverzicht oder andere Maßnahmen vereinbart. Bei Vogelbrut schützenswerter Arten wie Uhu oder Wanderfalke werden die Felsen zeitlich befristet gesperrt.
 
Der zukunftsweisende Weg im Frankenjura

In der Vergangenheit sind in vielen deutschen Mittelgebirgen Naturschutz und Klettersport gegeneinander ausgespielt worden. Durchaus übliche Praxis war und ist es, Klettergebiete per Gesetz zu sperren oder das Klettern dort massiv einzuschränken. Im Nördlichen Frankenjura wurde bewusst ein anderer Weg gewählt. Ein Weg, der weitestgehend auf Freiwilligkeit, Akzeptanz und Konsens setzt.

Und darauf sind alle Beteiligten stolz. Das betonte nicht nur der Regierungspräsident von Oberfranken Wilhelm Wenning in seiner Rede beim Festakt. Das brachte auch der bayerische Staatsminister Dr. Marcel Huber mit seiner Schirmherrschaft über die Veranstaltung zum Ausdruck. Hans-Dieter Schuster überbrachte stellvertretend die Grüße aus dem Bayerischen Umweltministerium.
 
Uhu und Wanderfalke erholen sich

Dass die Kletterkonzepte erfolgreich sind, davon ist Bernd Raab vom Landesbund für Vogelschutz überzeugt. Naturschützer und Kletterer haben sich in den letzten 20 Jahren zusammen gefunden, alte Gräben wurden überwunden. Das Klettern ist so geregelt, dass die gefährdeten Tier- und Pflanzenarten geschützt werden.Eine besondere Erfolgsgeschichte ist die der Felsbrüter Uhu und Wanderfalke. Beide Arten waren wegen Pflanzenschutzmitteln und Verfolgung nahezu ausgestorben. Durch deren Schutz haben sich die Bestände erholt. Die Kletterer haben durch die Einhaltung von zeitlich befristeten Sperrungen während der Brutzeit und die Meldung von Beobachtungen an den Landesbund für Vogelschutz ihren Beitrag dazu geleistet.
 
Vorbild für In- und Ausland

Dr. Hermann Ulm, Vorsitzender des Naturparkvereins Fränkische Schweiz – Veldensteiner Forst dankte den Behörden und Verbänden für die großartige Arbeit. Auch wenn es in Einzelfällen noch Diskussionen gebe, sei der Klettersport dadurch wesentlich naturverträglicher geworden. Die Kletterkonzepte im Nördlichen Frankenjura seien ein Vorbild für viele andere Kletterregionen im In- und Ausland. Das sieht auch Prof. Dr. Friedwart Lender so.Der Sprecher des Bundesverbandes der Interessengemeinschaft Klettern machte in seiner Rede deutlich, dass es der Interessensgemeinschaft ein großes Anliegen sei, den Klettersport möglichst naturverträglich zu gestalten. Die Regelungen müssten jedoch transparent und nachvollziehbar sein, um bei den Kletterern auf Akzeptanz zu stoßen. Die Kletterkonzepte im Nördlichen Frankenjura sind für ihn ein hervorragendes Beispiel.
 
Kinder nicht aus der Natur hinausschützen!

"Wie sollen unsere Kinder die Natur erfahren können, wenn man Sie aus der Natur "hinausschützt"", fragte Dr. Guido Köstermeyer, Vizepräsident des Deutschen Alpenvereins, in seinem Redebeitrag. Für ihn ist das Klettern im Nördlichen Frankenjura ein wesentlicher Lebensinhalt. Er ist dankbar, dass der Klettersport nur dort eingeschränkt wird, wo es zum Schutz seltener Tier- und Pflanzenarten tatsächlich nötig ist. Denn das Klettern bietet die Chance eines einmaligen Naturerlebnisses. Er betont, dass der DAV große Anstrengungen unternimmt, die Mitglieder zu informieren und zu sensibilisieren. Dies reicht von der Ausbildung der Klettertrainer in Naturschutz, über die bundesweite, ehrenamtliche Felsbetreuung bis zum neuen Kletterschein Outdoor, der einen Schwerpunkt auf der Vermittlung eines naturverträglichen Kletterns hat.