Die ersten Kletterversuche

Michael Füchsle (c) Archiv Füchsle
Michael Füchsle (c) Archiv Füchsle

Nachdem ich mir wieder Kletterschuhe und Klettergurt besorgt habe ging es ab in die Kletterhalle. Doch schnell musste ich erkennen, dass die Kraft in den Fingern und Armen komplett weg war; kein Wunder nach so einer langen Kletterpause.

Im August 2012 verbrachten wir unseren Urlaub in den Dolomiten, genau dort, wo ich damals meinen ersten Haken geschlagen habe. Wir wanderten und ich ging ein bisschen Bouldern. Genau dort überredete ich meine Freundin doch auch mal das Klettern zu versuchen. Ihr machte es Spaß und so fuhren wir gleich zwei Monate später an den Gardasee.

Durch konsequentes Training wurde ich wieder besser und mein Gedanke war, warum nicht Profikletterer mit Handicap zu werden. So ging ich, wie schon am Anfang meiner Kletterkarriere, auf Sponsorensuche. Viele meiner alten Sponsoren fanden es so Klasse, dass sie mir prompt wieder eine Unterstützung zusagten. Mein Weg stand also wieder auf Erfolg. Wir besuchten 2013 viele Klettergebiete in Frankreich – Italien – Österreich – Kroatien.

2014
In diesem Jahr hörte ich, dass es Kletterwettkämpfe für Kletterer mit Handicap geben soll. Einen Internationalen Kletterwettkampf nochmals bestreiten, das wäre was, dachte ich mir. Doch mein Kletterkönnen war noch nicht gut genug. So verbrachte ich dann, zusammen mit meinem Schatz, meine Zeit in einigen Klettergebieten und steigerte mein Training wieder auf 4 bis 5 Mal die Woche. Auch das Klettern und Trainieren mit Zusatzgewicht stand wieder auf dem Programm

2015

Michael Füchsle (c) Archiv Füchsle
Michael Füchsle (c) Archiv Füchsle

Es folgte der erste internationale Wettkampf in Imst:
Ich meldete mich beim DAV an, da man auf diesen Wettkämpfen nur mit einer Internationalen Lizenz starten darf. Er gab mir diese Lizenz und meldete mich an. So fuhr ich im Juni 2015, nach fast 15 Jahren Wettkampfpause, nach Imst. Einige Gedanken gingen mir durch den Kopf. War ich wirklich schon wieder gut genug, um einen Wettkampf zu bestreiten? Die Aufregung war groß, als ich an den Start ging. Nach Qualifikation und Finale war das Endergebnis ein 5. Platz. Nicht schlecht für den Anfang, dachte ich mir und entschloss mich doch noch einen weiteren, in England stattfindenden Wettkampf, teilzunehmen, der im September durchgeführt sollte.

Schnell war der Flug gebucht und ich reiste nach Sheffield, wo ich wieder einen guten 5 Platz belegen konnte. Ich überlegte, was ich weitermachen wollte, denn eigentlich wollte nur noch einmal einen Wettkampf mitmachen. Aber daraus waren nun schon zwei geworden und ich fühlte mich auf jeden Fall noch steigerungsfähig. Als ich hörte, dass 2016 eine Weltmeisterschaft in Paris stattfinden sollte, war es für mich keine Frage. Ich wollte dran teilnehmen! Eine Weltmeisterschaft fehlte mir ja noch in meiner kompletten Karriere. Im Winter 2015/ 16 tüftelte ich mir einen Trainingsplan zusammen. Auch von Seiten des DAV bekamen wir Paraclimber einen Nationaltrainer zur Seite gestellt, als eine Nationalmannschaft für Kletterer mit Handicap gegründet wurde.

2016
Im dem Jahr folgten nun weitere Wettkämpfe. Diese endeten mit dem 3. Platz in Campitello und den 4.Platz in Imst, bevor es dann im September zur Weltmeisterschaft nach Paris ging. Ich war gut vorbereitet und fühlte mich fit und beendete die Weltmeisterschaft mit einem sehr guten 5. Platz.

2017
Über den Winter verschärfte ich mein Training nochmals. Mein Trainingsplan sah vor, nun 5 bis 6 Trainingseinheiten in der Woche zu absolvieren. Ich besorgte mir eine 25kg schwere Bleiweste und einen Schlingentrainer. Die ersten Erfolge ließen sich dann auch nicht lange auf sich warten.

Beim ersten Wettkampf in Ehrwald belegte ich gleich den 3. Platz.

Es folgten die Wettkämpfe in Imst (3. Platz), in München (3. Platz), in Briancon (3. Platz), in Edinburgh (5. Platz) und in Sheffield 2. Platz. Durch die konstant gute Leistung sicherte ich mir im Gesamtweltcup den 2. Platz.

Michael Füchsle (c) Archiv Füchsle
Michael Füchsle (c) Archiv Füchsle

2018
In diesem Jahr wollte ich nach meinem Erfolgen in den letzten Jahren, alles Toppen. Es sollte ja vielleicht mein letztes Wettkampfjahr werden. Doch das das Jahr dann mit Pleiten Pech und Pannen enden sollte, ahnte ich nicht. Ich arrangierte einen Privattrainer, um mich für die im September stattfindenden Weltmeisterschaft optimal vorzubereiten. Im März wurde ich von der Stadt Ingolstadt für meine sportlichen Leistungen geehrt. Das Training lief bis zu einer Kletterreise nach Tschechien auf Hochtouren. Dort fing ich mir eine Zecke ein, deren Biss sich entzündete. Das war der erste Rückschlag. Ich bekam Antibiotika und musste drei Wochen pausieren. Danach steigerte ich wieder mein Training. Im Juni folgte der erste Wettkampf in Karlsruhe, bei dem ich einen guten 3. Platz belegen konnte. Ich fühlte mich wieder fit für die bevorstehenden Wettkämpfe im Juli in Imst und Briancon.

Die Zeit rückte näher und ich fuhr gut vorbereitet nach Imst. Dort belegte ich den 5. Platz. Direkt im Anschluss und eine Woche vor dem Weltcup in Briancon hatten wir vom Deutschen Nationalkader ein Trainingslager in Innsbruck. Dort verletzte ich mich genau drei Tage vor dem Weltcup in Briancon. Bei einer leichten Route machte ich eine komische Bewegung und es stach mir in die linke Bauchseite. Daraufhin wurde ich gleich ins Krankenhaus Innsbruck eingeliefert. Die Diagnose: Ein Muskel hatte sich zwischen die Rippen geschoben und wurde abgequetscht. Trotz starker Schmerzen fuhr ich nach Briancon und ging an den Start. Aber mehr als ein 8. Platz war einfach nicht drin. Zuhause ging ich nochmals zum Orthopäden. Dieser riet mir auf jeden Fall für 5 bis 6 Wochen eine Kletterpause einzulegen.

Michael Füchsle (c) Archiv Füchsle
Michael Füchsle (c) Archiv Füchsle

Toll dachte ich mir und das genau vor der Weltmeisterschaft. Trotz allem fuhren meine Freundin und ich im August nach Lienz. Nach fast 6 Wochen Pause legte ich wieder Hand an den Felsen. Es blieb aber nicht mehr viel Zeit bis zur Weltmeisterschaft. Ich versuchte mein Trainingspensum so gut wie möglich zu steigern. Doch mir war schon klar, dass die kurze Vorbereitungszeit für einen guten Platz nicht reichen würde, als ich im September dann nach Innsbruck fuhr. Nach einem dummen Fehler, gleich in der ersten Route, war dann mein Ziel, wenigstens unter die Top 10 zu kommen auch dahin. Mit einem 15. Platz beendete ich schließlich die WM. War es jetzt mit dem Wettkampfklettern?

Ehrlich gesagt, weiß ich es noch nicht genau, vielleicht noch den einen oder anderen. Sicher ist: Im Jahr 2019 möchte ich mich wieder verstärkt dem Felsklettern und Bouldern widmen. Ich habe da noch einige offene Projekte, die ich durch das Wettkampfklettern etwas vernachlässigt habe. Auch Erstbegehungen stehen nach langer Zeit wieder auf dem Programm.

Fakten:

Michael Füchsle
geb.: 28.12.1966
Wohnort: Bobingen
Alter: 52 Jahre
Beruf: Profikletterer und Klettertrainer
Alpines:
Piz Bernina Bianco Grat
Piz Palü Überschreitung an einem Tag in 18 Stunden in meinem 13. Lebensjahr
Felsenklettern (Auswahl – Erstbegehungen):
„Sogni all Ombra“ (10)
„Winterzeit“ (10)
„5th Avenue“ (9+)
„Die Eingebung“ (9-)
„Brutalus Delictus“ (9 –)
„Fingerhut“ (9+)

Und mehrere Wiederholungen von Routen bis zum 10. Schwierigkeitsgrad.

Wettkämpfe:
2. Platz im Gesamtweltcup 2017