Mountain Wilderness: Unsere Berge brauchen keine Geschmacksverstärker

Morgen Freitag findet im Skigebiet Glacier 3000 bei Les Diablerets die Einweihung der - gemäss Projektanten - weltweit ersten Hängebrücke zwischen zwei Gipfeln statt. Neben der Hängebrücke "zieren" auch eine übergrosse, glänzende Bergstation sowie ein "Alpine Coaster" die Gebirgslandschaft. mountain wilderness wehrt sich gegen diese unnötige Möblierung der Berggipfel und sieht darin einen Widerspruch zu grundlegenden Prinzipien der Raumplanung.

Mountain Wilderness: Unsere Berge brauchen keine Geschmacksverstärker (c) mountain wilderness Da steht sie nun, die weltweit erste Hängebrücke, welche zwei Gipfel verbindet – und vielleicht auch noch einen dritten Gipfel erreicht: Denjenigen der Dekadenz. Denn die Brücke hat keine Funktion, ausser derjenigen, einer gesättigten Spassgesellschaft auf knapp 3000 m zu einem weiteren Adrenalinkick zu verhelfen. Vom "zweiten Gipfel" des Scex Rouge auf 2971 m führt der Weg schnurstracks wieder zurück zum Ausgangspunkt auf 2965 m.

Und ist der Durst nach Spektakel und Sensation nach diesem Besuch noch nicht gestillt, wartet auf den Besucher nebst den kümmerlichen Resten des einst stolzen "Glacier du Scex Rouge" noch der "Alpine Coaster", die gemäss Betreibern höchstgelegene Rodelbahn der Welt, ein Helikopterflug oder eine Fahrt mit dem Snowbus, einem umfunktionierten Raupenfahrzeug.

Nun kann man geteilter Meinung darüber sein, welche Attraktionen es im heutigen Tourismus braucht. Und natürlich auch darüber, ob dem Gast ein echtes Naturerlebnis oder eine billige Kopie unserer alltäglichen Lebenswelt geboten werden soll. Doch es ist höchst bedenklich, dass hier, ausserhalb der Bauzonen (!), mit dem Segen von Behörden und Politik ein Alpines Disneyland aufgebaut wird.

Das widerspricht den Grundsätzen unseres Raumplanungsrechts und dem Gebot zur Schonung der Landschaft. Die Sicherstellung des Rechtsvollzugs ist grundsätzlich eine Aufgabe der Behörden, nicht diejenige der Umweltorganisationen.

Mit einem Transparent an der Brücke machte mountain wilderness Schweiz einmal mehr darauf aufmerksam, dass unsere Berge keine Geschmacksverstärker brauchen. Mit Bauwerken wie der neuen Hängebrücke werden zwar kurzfristige Attraktionen geschaffen.Doch im globalen Wettbewerb um die "geilste" Attraktion auf unseren Berggipfeln gibt es vor allem einen Verlierer: Die Landschaft, das eigentliche Kapital unseres Tourismus.