Von Stefan Tirtey erhielt ich die Info, dass derzeit die
Nordbayerischen Nachrichten zwei Artikel veröffentlicht haben, in denen
es um den Bergsport geht. In dem einen wird über Probleme beim Bouldern
berichtet – genauer über ein Drahtseil, das vor einem Boulder in der
Nähe von Pottenstein angebracht wurde, während in dem anderen Artikel
über den Unmut von Naturschützern in Bezug auf die Püttlacher Wand in
der Fränkischen Schweiz geschrieben wird.

Leider findet man die Artikel mit Hilde der Suchfunktion auf
www.nordbayern.de
nicht – daher bringe ich diese nachfolgend direkt.

Beide Artikel stammen von:

www.nordbayern.de

Pottensteiner Fels «Im Reich der Boulderzwerge» ist damit nicht mehr zu klettern

POTTENSTEIN – Die Freikletterer, besonders die Boulder-Freaks, sind
verschnupft. Im Internet schreiben sie, warum: Einige Kletterfelsen bei
Pottenstein sind mit Drahtseilen versperrt oder mit Teer beschmiert.

Betroffen sind die Partien «Im Reich der Boulderzwerge» und «X-Out» mit
dem hohen Schwierigkeitsgrad 8a + beziehungsweise 8b +. Die Kletterer
wenden sich mit ihrer Kritik an die Stadt. Aber Rathausleiter Gerhard
Thiem-Förster hätte sich gewünscht, sie würden kurz bei ihm
vorbeikommen. Dann könnte er ihnen die Gründe für das Drahtseil
erklären.

Was die Teerflecken angeht, ist er auch überfragt. Sie befinden sich an
Felsen hinter der evangelischen Kirche, und keiner weiß, wer sie
hingemacht hat.

Beim «Reich der Boulderzwerge» gegenüber von der CampingplatzZufahrt
(«Bärenschlucht) sicherte die Stadt den Leo-Jobst-Wanderweg mit einem
Halteseil. «Es ist doch nur diese eine Stelle, und wir konnten keine
andere Lösung finden. Dort war früher ein altes Holzgeländer. Machen
wir wieder Holz hin, wackelt es. Die Kletterer lehnen sich dran,
schauen schön hoch . . .» Könnten die Kletterer mit anpacken und für
ein Geländer sorgen? Heiner Plank von der Bergwacht ist aufgeschlossen:
«Okay, machen wir eine Gesprächsrunde! Warum bloß im Internet reden?
Ich schalte mich gerne ein.» Plank verweist aber auf die
Versicherungspflicht der Stadt und auf die Kosten für ein stabiles
Geländer: «Für uns ist es nicht machbar. Aber einfach meckern ist keine
Alternative.»

Aus den USA

«Bouldern» ist eine Variante des Sportkletterns, die in Amerika
entstand: Junge Leute machten sich ohne Seil an extreme Felsen,
erklommen aber nur ein paar Meter und sprangen wieder ab. Inzwischen
werden auch Matratzen auf den Boden gelegt. Bouldern ist oft sehr
akrobatisch und dient dem Training.

Die Kletterer Stefan Koch, Toni «Montana» und «Karsten», die im
Internet über das Verkabeln von «Im Reich der Boulderzwerge» und
«X-Out» klagen, mischen Sarkasmus in ihre Texte. Koch schreibt:
«Nachdem vergangenes Jahr bereits eine willkürliche und unzulässige
Sperrung der Mariengrotte für Verwirrung sorgte, ist die Verkabelung
der neueste Streich der Gemeinde. Dies widerspricht nicht nur den
Naturschutz-Gesichtspunkten (unnötiges Verbohren der Felsen, wo auch
ein Holzgeländer auf der anderen Wegseite gereicht hätte), sondern
zeigt klar die Haltung gegen das Klettern. In die gleiche Schneise haut
das Zuschmieren zweier weiterer Boulder mit Teer. Fazit: Bitte weiter
behutsam zum Bouldern gehen, ohne bei Einheimischen in irgendeiner Form
aufzufallen: Tarnkappe auf! Also kein Nachtbouldern, wildes Schreien
oder Vermüllen.»

Toni «Montana» dazu: «Als ich die Boulderzwerge anschauen wollte,
überkam mich das große Kotzen. Allerdings ist das Drahtseil so
schlampig installiert, dass man selbst mit der Hand die Verankerungen
herausbekommen würde. Wahrscheinlich wurde das Seil gespannt, um die
Teerfässer besser zu den Bouldern zu bekommen. . .»

«Karsten»: «Hab´s mir angeschaut. Das Seil ist echt der Hammer. Mit
einem kleinen Trick sollte es aber möglich sein, da zu bouldern: Mit
einem Schraubenschlüssel lässt es sich lösen. Nach dem Bouldern muss
alles wieder schön festgeschraubt werden. Wir wollen ja nicht noch mehr
Ärger! ! ! Wenn mal ein Wanderer vorbeikommen sollte, helft ihm doch,
heil am Abgrund vorbeizukommen. Nicht dass jemand von dem ,schmalen´
Band fällt . . .» tk



Kletterer störten brütendes Falkenpaar – Jäger erheben schwere Vorwürfe

POTTENSTEIN (tw) – Schwere Vorwürfe gegen Behörden und
Verbände sowie gegen Kletterer erheben Jagdaufseher Georg Herlitz
und Jäger Markus Bayer wegen eines brütenden Wanderfalken in
der «Püttlacher Wand» nahe der
«Bärenschlucht» an der B 470.

Behörden wie Verbände hätten zu spät reagiert, der
Vogel sei durch zwei bisher unbekannte Kletterer gestört worden,
und erst auf Initiative von Markus Bayer wurde das Felsmassiv am
letzten Wochenende von der Bergwacht Pottenstein gesperrt. In der
Zwischenzeit marschierten Behördenvertreter, Mitarbeiter des
Landesbund für Vogelschutz, Naturschützer und Vertreter der
IG-Klettern auf.

«Ich habe nichts gegen die Kletterer, schließlich leben in
der Fränkischen Schweiz viele vom Tourismus», sagt Markus
Bayer vom Campingplatz «Bärenschlucht». Ihn und
Jagdaufseher Georg Herlitz von der Haßlacher Jagd hat aber
maßlos geärgert, dass zehn Meter neben dem Falkenhorst
Kletterer in der Wand hingen, obwohl das Felsmassiv kurz vorher von der
Bergwacht Pottenstein wegen der Vogelbrut gesperrt worden war.

Letzteres bestätigte Bergwacht-Bereitschaftsführer Roland
Haber, der als «Schnelllösung» einen Hinweis
angebracht hatte, dass dort der Falke brütet. Wie Haber jedoch
erklärte, könne die Bergwacht keine offiziellen
Verbotsschilder aufstellen. Da von den Behörden am Wochenende
niemand zu erreichen war, hatten Herlitz und Bayer den
Gößweinsteiner Vogelschützer Reinhard Brendel
alarmiert, der dann auch mit dem Uhu-Beauftragten der Fränkischen
Schweiz, Alfons Förstel, vor Ort war und die beiden Kletterer zur
Rede stellte. Wie Brendel erklärte, seien die beiden dort
geklettert, obwohl bei seinem Eintreffen bereits das offizielle
Verbotsschild der Zone I angebracht war.

Bayer und Herlitz behaupten außerdem, dass Kletterverbotsschilder
manipuliert und entfernt wurden. So sei ein Aufkleber der Zone I
(absolutes Kletterverbot) von einem offiziellen Schild heruntergekratzt
worden. Auch sei Wolfgang Geißner vom Naturpark lange vorher
informiert worden, sagen Bayer und Herlitz, doch habe er nichts
unternommen. «Alle schauten nur untätig zu»,
ärgert sich Herlitz und betont, dass die Jäger beim Erstellen
des Pottensteiner Kletterkonzepts nicht gefragt wurden. So seien jetzt
Felsen gesperrt, in denen kein Vogel brütet, und Felsen, in denen
Uhus oder Wanderfalken Junge haben, zum Klettern freigegeben.

Ganz anderes sah dies gestern Sven König von der IG Klettern, der
jedoch einräumte, dass von den beiden Kletterern Fehler gemacht
wurden. «Schwarze Schafe gibt es überall», so
König. Allerdings sei kurz vor der Sperrung die Püttlacher
Wand als Zone III (Klettern erlaubt) ausgewiesen gewesen. Die
offiziellen Schilder seien aber von unautorisierten Naturschützern
mit Zone I überklebt worden. «Fehler wurden in diesem Fall
von allen Parteien gemacht, doch insgesamt ist man mit den
Kletterkonzepten auf einem konstruktiven Weg», zog König
Resümee, der nun die Pottensteiner Jäger mit einbeziehen will.

«An Haaren herbeigezogen»

Auch Geißner wies gestern Vorwürfe, er hätte sich nicht
darum gekümmert, entschieden zurück. Dass es bei der
Bärenschlucht ein Wanderfalkenpaar gibt, sei schon länger
bekannt, sagt Geißner. Deshalb sei umgehend die
gegenüberliegende «Ringler-Wand» für Kletterer
gesperrt worden, weil zunächst vermutet wurde, dass die Tiere dort
brüten. Dass das gesamte Pottensteiner Kletterkonzept nun aber
deswegen in Frage gestellt wird, hielt Geißner für «an
den Haaren herbeigezogen».

Aufgestellt wurde das Konzept noch, als Dieter Bauernschmitt
Pottensteiner Bürgermeister war. Offensichtlich habe es damals
Kommunikationsprobleme zwischen der Stadt und den Jägern gegeben,
meint Geißner. «Ich muss mich darauf verlassen können,
dass die jeweiligen Gemeinden zur Konzepterstellung alle Beteiligten
mit einbinden», sagte Geißner.

Wie der Beauftragte des Artenhilfsprogramms für Wanderfalken im
Landesbund für Vogelschutz (LBV), Edmund Abel aus Forchheim, zu
dem Vorfall erklärte, wusste er bis vergangenen Samstag noch
nicht, dass der Wanderfalke in der Püttlachwand brütet.
«Die Schuld nur auf die Kletterer zurückzuführen, ist
zu billig.»

Der Vorsitzende der IG Klettern, Dr. Jürgen Kollert, meinte
gestern via Handy aus Kroatien, dass in diesem speziellen Fall der
Informationsfluss wohl nicht richtig funktioniert hat. Er
bestätigte, dass offizielle Schilder «verbotenerweise
verändert wurden». Bereits vergangenen Sonntag sei die
Püttlachwand auch im Internet umgehend als gesperrt gemeldet
worden.