Fast 23.500 Menschen sind dem Österreichischen Alpenverein (ÖAV) im vergangenen Jahr neu beigetreten. Für die Bergsport- und Naturschutzorganisation bedeutet das den zweitgrößten Mitgliederzuwachs seit Anbeginn der Zählung - und eine starke Stimme für den Auftrag des Alpenvereins.

Ungebrochene Begeisterung für die Berge: Fast 23.500 Mitglieder sind dem Alpenverein 2017 neu beigetreten. (c) ÖAV
Ungebrochene Begeisterung für die Berge:
Fast 23.500 Mitglieder sind dem Alpenverein
2017 neu beigetreten. (c) ÖAV

Rund 7.000 Neuzugänge pro Jahr ergibt der langjährige Mittelwert aus der Mitgliederstatistik des Alpenvereins. Diese Zahl wurde 2017 um mehr als das Dreifache übertroffen. Inzwischen bilden die Mitglieder eine Gemeinschaft von über 545.000 Bergsport- und Naturbegeisterten in ganz Österreich. Anlass für den Alpenverein, die Entwicklung im Rahmen einer Pressekonferenz zu beleuchten.

Alpenvereinspräsident: Wachstum bedeutet große Verantwortung

„Dieser Mitgliederrekord weckt zum einen natürlich Begeisterung, zum anderen bedeutet er für die Vereinsführung auch eine große Verantwortung. Blindes Wachstum wäre kurzsichtig und riskant“, sagt Alpenvereinspräsident Andreas Ermacora.

„Unser Ziel ist es, dass sich die 545.000 Mitglieder mit dem Verein und seinen Werten identifizieren und ihn aus Überzeugung unterstützen. Wir möchten ihnen die Fähigkeiten mitgeben, um eigenverantwortlich und sicher in den Bergen unterwegs zu sein. Wir möchten ihnen ein Gespür für die Natur vermitteln, damit sie sich in unserer wunderschönen Bergwelt rücksichtsvoll und respektvoll verhalten. Und wir möchten ihre Wertschätzung für die alpinen Schutzhütten und Wege stärken, damit sie mit ihrer Mitgliedschaft auch den Erhalt dieses Netzes unterstützen“, so Ermacora.

Erschließungsspirale stoppen und Naturräume schützen

In seiner Satzung hat sich der Alpenverein dazu verpflichtet, die Schönheit und Ursprünglichkeit der Bergwelt zu bewahren. „In Anbetracht der rotierenden Erschließungsspirale in den Alpen ist das ein Auftrag, der ohne den Rückhalt unserer Mitglieder kaum zu stemmen wäre“, so Andreas Ermacora. Man müsse den Lobbys, die immer verbissener um Skigebietsverbindungen und die Erschließung unberührter Naturräume kämpfen, eine starke Stimme entgegensetzen. „Die Natur sollte nicht nur Wahlkampfthema sein, sondern ein dauerhaft schützenswertes Gut. Dafür werden wir uns auch weiterhin mit Vehemenz einsetzen“, betont Ermacora.

Erfolgsrezept: Spezialangebote und ehrenamtliches Engagement

Auf die Frage nach den Erfolgsfaktoren im letzten Jahr nennen die Funktionäre des Alpenvereins exemplarisch – neben den „Dauerbrennern“ Versicherung und Hüttenermäßigung – zwei überregional besonders erfolgreiche Veranstaltungen. So haben im letzten Jahr rund 5.500 Menschen am „Lawinen Update“ des Alpenvereins teilgenommen. Die Vortragsreihe, organisiert von den Alpenvereinssektionen, machte an 21 Orten in ganz Österreich Halt und bereitete die Wintersportler auf die Skitourensaison vor. Mit der „Sicher Klettern“-Tour besuchte das Ausbildungsteam des Alpenvereins zudem 37 Kletterhallen im ganzen Land und bot in kostenlosen Workshops ein spannendes Sicherungstraining inklusive Sturz-Dummy an.

'Unser Ziel ist es, dass sich die 545.000 Mitglieder mit dem Verein und seinen Werten identifizieren und ihn aus Überzeugung unterstützen', sagt Alpenvereinspräsident Dr. Andreas Ermacora (c) Alpenverein/Norbert Freudenthaler
‚Unser Ziel ist es, dass sich die 545.000 Mitglieder mit dem Verein und seinen Werten identifizieren und ihn aus Überzeugung unterstützen‘, sagt Alpenvereinspräsident Dr. Andreas Ermacora (c) Alpenverein/Norbert Freudenthaler

Ohne Ehrenamt ginge es nicht

Das größte Erfolgsgeheimnis aber liegt laut Alpenverein nach wie vor dort, wo das Vereinsleben floriert: In den 197 Alpenvereinssektionen, die allesamt ehrenamtlich geführt werden. Das bestätigt auch Gerald Aichner vom Landesverband Tirol, dessen Sektionen fast 110.400 Mitglieder betreuen: „Ohne den ehrenamtlichen Einsatz unserer Funktionärinnen und Funktionäre würde der Alpenverein nicht existieren. Das landesweite Kurs- und Tourenangebot, aber auch die liebevolle Pflege von Hütten und Wegen und das Engagement in der Jugendarbeit und im Naturschutz ist wirklich einzigartig.“

Nahezu 12.000 FunktionärInnen in ganz Österreich arbeiten ehrenamtlich für den Alpenverein. Dazu kommen noch mehr als 10.000 freiwillige MitarbeiterInnen, die bei Veranstaltungen und Projekten vor Ort im Einsatz sind. Über 3.000 Funktionäre sind im Vereinsvorstand tätig, fast 5.000 Ehrenamtliche sind Teil des Alpinteams und über 3.000 arbeiten für das Jugendteam im Alpenverein. Weitere 1.500 Funktionäre kümmern sich um die 232 Alpenvereinshütten und 26.000 Kilometer Wege, um Naturschutz und Verwaltungsaufgaben.

Der Alpenverein in der Großstadt?

Die meisten Alpenvereinsmitglieder sind in Wien und Tirol beheimatet, dort haben auch die größten Sektionen ihren Sitz. In Wien alleine zählt man fast 126.800 Mitglieder. „Auf den ersten Blick mag es vielleicht verwundern, dass so viele Alpenvereinsmitglieder aus der Großstadt kommen“, schmunzelt Friedrich Macher, erster Vorsitzender des Alpenverein Austria in Wien. „Doch beim näheren Hinsehen ist das kein Gegensatz. Gerade in der Stadt suchen immer mehr Menschen nach ihren individuellen ‚Wegen ins Freie‘ und wir bieten ihnen eine Möglichkeit, dort hinzukommen. Auch der urbane Raum selbst hat einiges zu bieten – seien es die Kletterhallen, die große Zahl an Naturbegeisterten oder das vielfältige Kursangebot, das natürlich auch abseits der Berge perfekt funktioniert.“