Das Glück liegt im Gebirge

Berginale PapertIm Gebirge geht es allen Menschen um dasselbe: Sie suchen nach dem Glück. Der eine findet es bei einer beschaulichen Wanderung auf gut präparierten Pfaden, der andere im steilen Eis gefrorener Wasserfälle. Ob Hobbybergsteiger oder Kletterprofi, ob Naturgenießer oder Abenteurer – die Berge bieten ausreichend Spielraum für alle. Die Faszination des Gebirges und seine vielfäl- tigen Möglichkeiten stehen auch bei der 9. BERGinale, zu der die Kinoinhaber Martina & Hans Klegraefe und die Alpenvereinssektion Berchtesgaden einladen, wieder im Mittelpunkt. Eine Woche lang geht es vom 22. bis 28. März im Kur- und Kongresshaus Berchtes- gaden bei zahlreichen Film- und Diavorträgen um Klettersteige und Höhlenforschung, um Eis- und Felsklettern, um Alpenschamanis- mus und Mountainbike, um Basejumps und Skibergsteigen – oder einfach nur um den Zauber der Natur.

Vielfalt ist also angesagt bei der 9. Auflage der BERGinale. Verschiede- ne Einheimische stellen sich wieder als Referenten zur Verfügung und unterstreichen die inzwischen enge Beziehung zwischen den Berchtesgadenern und ihrem Bergfilm- und Diafestival. So hat der Königsseer Bergführer und Hobbyfotograf Albert Steinbacher mit großem Engagement in seinem Diaarchiv gewühlt und dabei den Blick auf Klettersteigbilder fokussiert. „Faszination Klettersteige“ heißt sein Vortrag, in dem er eine ganze Reihe von wunderschönen und ausgesetzten Steigen im gesamten Alpenraum vorstellt. Logisch, dass auch der neue Berchtesgadener Hochthronsteig am Untersberg dazugehört, wenngleich der erst heuer eröffnet wird.

Weit über das Berchtesgadener Land und den Alpenraum hinaus blickt Ines Papert unter dem Titel „Dance on Ice“. Die vierfache Eiskletterweltmeisterin, die schon zum dritten Mal das BERGinale-Programm mitgestaltet, nimmt die Zuschauer mit in die schönsten und spektakulärsten Eis-, Mixed- und Felsrouten in Kanada, Norwegen, Italien, Deutschland und der Schweiz. Die Bayerisch Gmainerin ließ sich von Spitzenfotografen in bis zu 500 Meter hohe Wasserfälle, beim Klettern an teilweise sehr fragilen und zerbrechlichen Eiszapfen und in schwierigste Mixedrouten der Welt begleiten.

Mit Christian Schlesener ist ein weiterer Berchtesgadener Crack mit dabei. Der frisch gebackene Sportkletterweltmeister der Bergführer stellt unter dem Titel „Fasten your seat belt“ einige seiner Projekte in Patagonien vor. So stand er mit Hans-Martin Götz, einst Weggefährte des legendären Reinhard Karl, auf dem Gipfel des Cerro Torre, schwierigster Berg der Welt. Und sicher hat Schlesener von seinem jüngsten Patagonien-Trip zum Jahresbeginn weitere spektakuläre Bilder mitgebracht. Aufregend soll es auch im Film „Sklaven der Elemente“ zugehen. Der Streifen von Christian Graßl und Florian Kastner zeigt die „jungen Wilden“ aus Berchtesgaden beim Klettern, Kajakfahren und Gleitschirmfliegen. Außerdem spannen sie die Slackline über Erde, Wasser und reichlich Luft.

Noch luftiger geht es bei Thomas Huber zu, zum wiederholten Mal Gast auf der BERGinale. Spektakuläre Bilder und Filme zeigen den Oberauer bei seinen waghalsigen Aktionen „zwischen Himmel und Erde“. Neben seinen Kletterabenteuern geht es diesmal vor allem ums Basejumpen. Nach vollbrachter Kletterei stürzt sich Thomas Huber kopfüber ins Nichts, das an der Großen Zinne ein 500 Meter tiefer Abgrund markiert. Huber erzählt von Leidenschaft und Leiden eines Abenteurers, der seine Projekte auch als Weiterentwicklung seiner eigenen Persönlichkeit sieht. Sein Honorar lässt Thomas Huber heuer in vollem Umfang der Himalaya-Karakorum-Hilfe von Bärbel Hirschbichler zufließen.

Während seine Bilder beim Publikum einen Adrenalinstoß verursachen, ist bei Marika Hildebrandt und ihrem Tiroler Fotografen-Kollegen Reinhard Hölzl Entspannung angesagt. Die Berchtesgadenerin zeigt unter dem Titel „Zauber des Augenblicks“ den Nationalpark Berchtesgaden von seiner schönsten Seite, stellt Tiere, Pflanzen und Stimmungen aus bislang unbekannter Nähe vor. Eine emotionale Liebeserklärung an die Berchtesgadener Natur, die Nationalparkleiter Dr. Michael Vogel mit wenigen ergänzenden Worten noch einmal verstärkt. Und weil der Schriftsteller Heinrich Noe die Berchtesgadener Berglandschaft einst als „Yellowstonepark der Alpen“ bezeichnete, passen die Bilder von Reinhard Hölzl sehr gut dazu. Der nämlich begibt sich auf seiner Multivisionsshow „Yellowstone“ ins Land der Bisons und Geysire, folgt den Spuren der nordamerikanischen Ureinwohner bis mitten ins Herz der Rocky Mountains.

Noch einmal zurück ins Berchtesgadener Land kehrt man mit Dr. Rainer Hagenbeck. Sein Vortrag „Gipfel des Glücks“ ist mittlerweile ein Bestseller, den er nun in neu gestalteter Bildsequenz präsentiert. Vorgestellt werden alpine Impressionen und Bergtouren im Hagengebirge, Steinernen Meer und im Watzmannmassiv. Darüber hinaus beschreitet man einsame Pfade, genießt die Ausblicke vom Hanauerlabl, den Hohen Roßfeldern und der Rotspielscheibe. Nicht ganz so weit in die Ferne können die Höhlenforscher blicken. Dafür haben Thomas Matthalm, Marcus Preißner und seine Gefährten Felsstrukturen und Hohlräume entdeckt, die noch kein Mensch zuvor gesehen hat. „Das Riesending“ heißt ihr Dia- und Filmvortrag, in dem sie die Forschung in Deutschlands tiefster Höhle im Untersberg beschreiben. Fast 1000 Meter tief konnte man im Rahmen von mehrtägigen Expeditionen in den Berg vordringen, sich in grundlose Schachte abseilen und an stillen interirdischen Seen erfreuen.

Dem Phänomen des Alpenschamanismus und der (Heil-) Kraft der Berge widmet sich der Bad Reichenhaller Sozialpädagoge Rainer Limpöck. Da geht es um Sonnenlöcher, Keltenschanzen, Herzsteine, Baumwesenheiten und Heilquellen. Die Vortagsbesucher sollen auf alten Wegen das Berchtesgadener Land neu entdecken und eine neue Sichtweise auf den Alpenraum bekommen. Wer etwas von den Alpen sehen will, dem sei auch der Vortrag von Knut Jakubetz ans Herz gelegt. Der Laufener ist vom Königssee zum Markusplatz in Venedig gewandert und schildert mit Humor und viel Information von seinen persönlichen Erlebnissen und Eindrücken auf dem langen Weg bis an die Adria. Bei dem 13-tägigen Fußmarsch hat er zusammen mit drei Freunden 490 Kilometer zurückgelegt.

Ein Spezialist von Alpenüberquerungen ist auch Herbert Konnerth. Allerdings legt der Bergführer die Strecke in der Regel mit dem Mountainbike zurück – und das auf teilweise haarsträubenden Trails. Unter dem Titel „TransAlp – Mountainbike Dreams“ zeigt er die verschiedenen Möglichkeiten des Rollens zwischen Allgäu und Gardasee, zwischen Wallis und Mittelmeer. Weiter nördlich geradelt wird mit Michael Koller aus Straubing. Der hat alleine mit dem Mountainbike Island durchquert – unter anderem über die beiden legendären Hochlandrouten Kjölur und Sprengisandur.

Nicht weniger einsam geht es bei Wouter Dorigo zu. Der nimmt die Zuschauer in seinem Vortrag „Skitouren auf der Spur des Bären“ mit in die winterliche Türkei. Tatsächlich gibt es dort ein Dorado für Skibergsteiger, die die Berge in aller Stille und Ursprünglichkeit genießen möchten. Dass die Bergsteigerei überhaupt Zukunft hat, dafür sorgt der Nachwuchs. Und um den kümmert man sich bei der diesjährigen BERGinale ebenfalls. Reinhard Hölzl hat eigens einen Vortrag über die Wildnis Tirols für Kinder und Jugendliche kreiert. Darin zeigt der Tiroler anschaulich, wie Naturfotografie funktioniert, er erklärt die Funktion eines Tarnzeltes und die Lebensweise der heimischen Tiere.

Ab 22. März ist außerdem im Schwabenkino gegenüber dem Bahnhof täglich der Film „Am Limit“ über das Leben der Huberbuam zu sehen. Zur Vorpremiere am 13. März im Kurkino wird das gesamte Filmteam samt Thomas und Alexander Huber anwesend sein. Informationen zur BERGinale gibt es im Berchtesgadener Kurkino, Telefon 08652/95380, unter www.dav-berchtesgaden.de oder unter www.berginale.de.

Das BERGinale-Programm 2007

Donnerstag, 22. März:
20.15 Uhr „Faszination Klettersteige“ (Kino/Albert Steinbacher).

Freitag, 23. März:
18.15 Uhr „Das Riesending“ (Kleiner Saal/Thomas Matthalm und Marcus Preißner);
20.15 Uhr „Sklaven der Elemente“ (Kino/Christian Graßl und Florian Kastner).

Samstag, 24. März:
18.15 Uhr „Fasten your seat belts – Patagonien“ (Kleiner Saal/Christian Schlesener);
20.15 Uhr „Dance on Ice“ (Kino/Ines Papert).

Sonntag, 25. März:
16.00 Uhr Kindervortrag „Wildnis Tirol“ (Kino/ Reinhard Hölzl);
18.15 Uhr „Alpenüberquerung“ (Kleiner Saal/ Knut Jakubetz);
20.15 Uhr „Zauber des Augenblicks – Unterwegs im Nationalpark Berchtesgaden“ (Marika Hildebrandt) und im Anschluss „Yellowstone“ (Kino/Reinhard Hölzl).

Montag, 26. März:
18.15 Uhr „Alpenschamanismus – die (Heil-) Kraft der Berge“ (Kleiner Saal/Rainer Limpöck);
20.15 Uhr „Der Gipfel des Glücks – Unterwegs in den Berchtesgadener Alpen“ (Kleiner Saal/ Dr. Rainer Hagenbeck).

Dienstag, 27. März:
18.15 Uhr „TransAlp – Mountainbike Dreams“ (Kleiner Saal/Herbert Konnerth);
20.15 Uhr „Zwischen Himmel und Erde“ (Kino/Thomas Huber).

Mittwoch, 28. März:
18.15 Uhr „Mit dem Mountainbike durch Island“ (Kleiner Saal/Michael Koller);
20.15 Uhr „Skitouren auf den Spuren des Bären“ (Kino/Wouter Dorigo).

Der Film „Am Limit“ über das Leben der Huberbuam läuft außerdem am 13. März als Vorpremiere im Kurkino. Ab 22. März ist er täglich im Schwabenkino 1 zu sehen.

Siehe auch:
www.dav-berchtesgaden.de
www.berginale.de