Reclimbing the Classics: "La Rose et le Vampire" (8b)

„Le Bout du Monde“ – das Ende der Welt – befindet sich am äußersten rechten Rand der Felsenwelt von Buoux, einem der berühmtesten Klettergebiete der Welt. In den 1980erJahren wurde hier Klettergeschichte geschrieben und das Sportkletterns maßgeblich geprägt.

Als „Le Gang des Parisiens“, eine Gruppe junger wilder Kletterer aus Paris, ab 1984 die Felsen von Buoux zu ihrem Spielplatz machte, begann dort das Zeitalter des X. Schwierigkeitsgrades, und als die Brüder Marc und Antoine le Menestrel, JeanBaptist Tribout und Laurent Jacob schließlich im äußerst rechten Wandteil eine gelbüberhängende Mauer ohne jegliche Kletterroute entdeckten, da gab es kein Halten mehr.

Antoine versuchte sich an einer Linie durch den abweisendsten Wandteil – und weil im unteren Teil auf einigen Metern keine Griffe vorhanden war, modellierte er eine der berühmtesten Kletterstellen der Welt – den „Kreuzzug“.Dieser wurde zum Inbegriff des Sportkletterns der späten 1980er Jahre; es war in jener Zeit üblich, zu kleine oder gar nicht vorhandene Griffe künstlich zu verändern. Viele Wochen verbrachte Antoine damit, die einzelnen Stellen seiner neuen Route zu optimieren bis ihm im September 1985 der Durchstieg gelang.

„La Rose et le Vampire“ zählt bis heute zu den berühmtesten Kletterrouten der Welt, nicht zuletzt wegen des einzigartigen Kreuzzugs. Es war die erste 8b in Südfrankreich, und Kletterer aus aller Welt kamen, um sich an ihr zu versuchen: Viele ließen sich vom Vampir aussaugen, die Rose fanden nur wenige – wie sagte doch Antoine: „Die Route ist der Vampir, und die Rose ist für den Sieger.“

Heute arbeitet Antoine als Choreograph und Tänzer bei der Tanzkompanie „Les Lézards Bleus“, deren Gründer er auch ist und mit denen er ein einzigartiges Ballett in der Vertikalen präsentiert: Tanztheater verkehrt!

Wie komplex die Choreographie von „La Rose“ angelegt ist und wie grenzwertig die Einzelzüge sind, zeigt die Tatsache, dass die Tirolerin Anna Stöhr, vierfache Gesamtweltcupsiegerin im Bouldern und Mitglied im Mammut Pro Team, fast 30 Jahre nach der Erstbegehung vier Tage für die Realisierung der Route benötigte, die ihr alles abverlangte. „Am schwersten fiel mir der Zug über die Dachkante, da er sehr weit für mich ist“, so die Spitzenkletterin.