Nach Zahlen- und Pistenalpinismus scheint sich das "Abenteuer Berg" noch einmal zu wandeln. Alpinisten wie Touristen wollen heute Sicherheit und Abenteuer zugleich. All-inclusive. Auch die Show dazu!

Und weil das Image den "Extremen" wichtiger zu werden scheint als ihre Grenzgänge, Scheitern und Kreativität, ist Show-Time. Auch Guinness-Time. Ist es nicht so: Wer sich besser darstellt, hat Konjunktur? Wirken heißt das Zauberwort verunsicherter Perfektionisten, die immer und überall sicherstellen wollen, dass andere sie genau so sehen, wie sie selbst gern gesehen werden möchten.

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Man lässt sich beraten, damit alles passt: An welchen Orten, wann und wie Urlaub "Abenteuer" wird, entscheidet schließlich eine Jury. Undarstellbare Selbsterfahrung zählt zuletzt weniger als das in Bits und Bytes abgespeicherte TV-Produkt oder die Onlinepräsenz. Der Event ist in. Als Fiktion und mit hoher Pixelzahl wird er vielen Top-Athleten wichtiger als die Tiefe der Erinnerung.

Imageberater erklären den heutigen Stars, was wie auszusehen hat, wenn glatt geschliffene Wände von unten geklettert und von oben gefilmt werden – für Festivals in aller Welt. Wer für die Öffentlichkeit klettert, eckt nicht an, bezieht nie eindeutig Position, hat immer eine Hintertür offen. Wie die Sache ankommt, nicht was sie in uns auslöst steht im Focus. Wie bei der Produktion eines Spielfilms wird eine neue Route gebastelt. Genauso wie das "Abenteuer" für die Leinwand. Das Unkonventionelle, das einst unabdingbar zum extremen Bergsteigen gehörte, ist passee.

Um Klarheit zu schaffen zwischen Abenteuer und Show gelte es, zwischen Spielszenen und Dokumentation zu trennen. Wie auch Werbung (bzw. Info zum Produkt) von der Spitzenleistung zu trennen ist. Wenn aber Testimonials mit Hilfe von Sponsoren in die Öffentlichkeit gehoben werden und nicht dank Ihrer Leistung, ist PR angesagt. Die Abfallprodukte des Abenteuers waren und sind Teil des Marktes, das Abenteuer selbst aber darf Selbstzweck bleiben. Alternativen zum marktgetriebenen Show-Alpinismus gibt es viele, keine aber verspricht zurzeit mehr Erfolg in der Szene als diese Art Show, die notgedrungen mit Netz und doppeltem Boden stattfindet. Umso spektakulärer wirkt sie.

Die Folge: Nach dem Pisten-Alpinismus drängt der Show-Alpinismus in die Medien und damit ins Bewusstsein der Massen.