An
der Kellerwand am Südhang von Hindelang hat man schon vor vielen
Jahren die ersten Kletterer gesehen. Doch die alten Haken und der
teilweise brüchige Fels gaben Ausschlag dafür, dass das
Gebiet nie richtig bekannt wurde.

Komplettsanierung und neue Bewertung
Der kurze, einfache Zugang und die ganzjährige Sonnenexposition
veranlassten mich nach einer Nachfrage bei Hindelanger Kletterern im
Herbst des Jahres 2003, den Klettergarten zu sanieren. Seit dieser Zeit
entstanden 19, mit Edelstahlhaken ausgerüstete und geputzte
Routen. Wegen brüchigen Passagen und ungünstigem
Routenverlauf wurden einige alte Kletterwege in ihrer Linie
verändert, neu eingerichtet und von losem Gestein gesäubert.
Aus diesem Grund gibt es zahlreiche neue Namen und
Bewertungsvorschläge.

Charakter
Die Wand ist in vier Sektoren unterteilt. Im unteren rechten Wandteil
ist es plattig und nur annähernd senkrecht. Links im Wald wird es
immer steiler, aber auch griffiger. In den oberen zwei Bereichen ist es
sehr steil und im Hinblick auf Felsqualität und Absicherung etwas
alpiner. Ein Helm, zumindest für den Sichernden, ist ratsam. Mit
einem 60 Meter-Seil kann man alle Routen bis auf „Himmelsleiter“ und
„Dolomitenmann“ in einem Zug klettern.
Die Routennamen und die Schwierigkeitsvorschläge (eher etwas härter bewertet) sind am Einstieg angeschrieben.

Begünstigtes Klettergebiet
Die Wand liegt das ganze Jahr über in der Sonne. Bei
Inversionswetterlage hat es im Winter oft herrliche Bedingungen und
beste Temperaturen zum Klettern.

Kleinkindgeeignet
Wir haben unseren kleinen Sohn schon mehrfach mit an die Kellerwand
genommen. Im unteren, rechten Wandsektor bei der Route
„Sonntagsspaziergang“ leitet der Wanderweg direkt an die Felsen. Dort
ist es einigermaßen eben, so dass Kinder unter Aufsicht spielen
können. Trotzdem sollte man beachten, dass sie immer der ein paar
Meter von der Wand entfernt sind. Denn im oberen Bereich des
Hirschberges gibt es Gemsen die immer wieder einen Stein lostreten
können. Auch die Sicherungsleute sollten sich relativ nah an der
Wand aufhalten. Es ist uns zwar noch nie passiert, dass Steine gefallen
sind, doch sicher ist sicher…

Die Routen der Kellerwand
Der untere rechte, graue Wandteil ist sehr fest und teilweise plattig.
Einige Routen überraschen mit schöner Lochkletterei. Zum
Einstieg empfehle ich die Route „Sonntagsspaziergang“ (6-) am rechten
Ende der Wand. Der „Plattentanz“ (7-) beginnt mit schönen
Löchern und wird nach oben hin immer plattiger. Dort befindet sich
auch die Schlüsselstelle. Die „Rutschbahn“ (6+) ist meist nass und
nicht sonderlich zu empfehlen. Umso schöner sind die daneben
liegenden Routen „Petra“ (6-) und „Nico“ (6). Überraschend gute
Löcher und Griffleisten weisen den Weg durch die steile Platte.

Links der „Petra“ folgt man dem Pfad zu den anderen Routen, die weiter
im Wald liegen. Die „Easy way“ (5) ist unten sehr leicht und hat ihre
Schlüsselstelle (Platte) in der Mitte. Der kleine „Casanova“ (5+)
liegt im steilen Sektor. Nach vier Metern muss man an Seitgriffen nach
rechts an die Kante hinaus.
Die „Gewußt wie“ (7+) wartet mit einer harten Einzelstelle am
Überhang. Eine Problemzone (6-) kann man schon von unten erkennen.
Die glatte Platte ist eine Hürde für kleine Kletterer. Etwas
weiter links geht es leichter.


Die alte Route „Hot Line“ (8+) stellt den Begeher schon am Einstieg auf
die Probe. Danach geht es senkrecht an guten Griffen, aber etwas
weiteren Hakenabständen, schön dahin. Kurz vor der Umlenkung
wird es nochmals steil und kleingriffig. „Catch my fall“ (9-) habe ich
noch nicht geklettert.
Der „Staubige Bruder“ (6+) ist lange nass und – wenn trocken – etwas
staubig; trotzdem nicht zu verachten. Im „Schwarzen Diamant“ (6) sind
überall dort Griffe, wo man sie auch braucht – vorausgesetzt, man
ist dem Schwierigkeitsgrad gewachsen. Der Fels ist herrlich fest.
Wenn man weiter nach links um die Wand geht, gelangt man über ein
steiles Grasstück zur Route „Sonne im Herzen“ (7-). An den Haken
der Fixseile kann man sich sichern. Die Route bietet steile und
griffige Dolomitfels-Kletterei, die Absicherung ist gut, der Fels
geputzt. Trotzdem sollte man in den oberen Wandsektoren die Griffe
prüfen. Ein Helm für den Sichernden würde ich empfehlen.
Ähnlich verhält es sich in der „Miss Allgäu“ (9-).

Wenn man die Fixseile weiter nach rechts oben verfolgt, gelangt man auf
eine große Terrasse. Von dort starten sehr lange Routen. Die
Absicherung ist top, jedoch etwas alpiner als unten. Der Fels ist so
gut wie möglich geputzt. Doch wie in den zwei zuvor beschriebenen
Routen sind einige Passagen zu prüfen. Alpinkletterer finden hier
sicherlich ihr Betätigungsfeld.

Zugang
Es besteht eine kostenlose Parkmöglichkeit am Busbahnhof von
Hindelang oder auf dem Parkstreifen der Hauptstraße
gegenüber des Kurhauses. Wenn man von dort in Richtung Hirschberg
blickt, erkennt man im unteren Teil die gelben und grauen Wandsektoren.
Zu Fuß geht es bergwärts und rechts haltend durch den Ort
zum Hotel Sonnbichel. Wer hier einen Parkplatz findet, kann sich etwa
zehn Gehminuten sparen. Kurz nach dem Hotel führt eine für
KFZ gesperrte Straße zum Cafe Polite, in dem man den Klettertag
mit Kaffee und Kuchen gemütlich ausklingen lassen kann. Dieser
Straße folgt man zu Fuß ungefähr 300 Meter bis zu
einem scharfen Rechtsknick. Von dort ist der Kellerwandweg nach links
ausgeschildert und leicht zu begehen. Er führt genau unter die
Wand. Gehzeit etwa 40 Minuten vom Busbahnhof zur Wand.

Im Spätherbst, Winter und Frühjahr geht es etwas schneller.
Doch die Strecke verläuft, vom Rechtsknick der Teerstraße
leicht nach links über Wiesen hinauf an den Waldrand, unwegsam.
Dort zieht an den linken Rand der Kellerwand eine baumfreie Schneise
hinauf. Über diese gelangt man direkt an die Wand. Im Sommer hat
es hier starken Bewuchs, so dass diese Abkürzung nicht zu
empfehlen ist. Gehzeit etwa 30 Minuten vom Busbahnhof.

Download:
Topo der Kellerwand bei Hindelang (PDF)

Siehe auch:
http://www.walter-hoelzler.de
http://www.expeditionsbergsteigen.de
http://www.mountains2b.com