Warum eigentlich immer wieder Kochel? Und warum immer dieser kleine überhängende Sektor rechts an der grausigen Atlantiswand? Gibt es denn nichts anderes für die Münchner-Highend-Boulderszene?

Toni Lamprecht gelingt 8c+ Boulder in Kochel

Bokassa's Fridge – Assassin, Monkey and Man, Fb 8c+

Nein, denn das Wetter lässt oft über Wochen nichts anderes zu, als das Bouldern an dem vielleicht staubigsten Eck des Alpenvorlandes. Staubig deshalb, da immer trocken – und da wären wir auch schon wieder bei DEM Grund, warum immer wieder hier neue Kreationen entstehen.

Fotostrecke: Toni Lamprecht gelingt 8c+ Boulder in Kochel

Fotos: © B. Axhausen

 
Neue Kreation? Böse Zungen könnten jetzt behaupten, dass sie den bzw. die Namen aus der Überschrift bereits kennen oder im Zusammenhang mit Kochel bereits gehört haben. Also, was ist das jetzt wieder für ein Kombinationstrick da?
 
Das ganze fing für mich als Trainings-Spielchen an. Nachdem ich im letzten Jahr mit dem "Assassin, Monkey and Man" den für mich schwersten Boulder geknackt hatte, konnte ich mich endlich neuen Dingen zuwenden. Auf ein Projekt folgen bekanntlich immer andere Projekte – für diese war ich aber im Herbst zu schwach. Da entstand die Idee, im "Assassin" ein bißchen aufzutrainieren. Wer die abgefahrenen Power-Züge einmal probiert hat, der kann vielleicht nachvollziehen, dass es immer wieder Spaß macht, an dem 7m langen Schiffsbug herumzuturnen.

Leider war mein Ernährungsplan a bisserl zu Fett- und Proteinreich zur Weihnachtszeit und der Kochler Kalk ein wenig zu instabil, um der anhaltenden Gewichts-Inflation standzuhalten. Das Ergebnis war eine neue Griffsequenz unten, ein härterer Zug im Mittelteil und vor allem ein verschärftes Verbrennungs-Programm für meinen mittleren Körperbereich. Eine Kreuzbein-Verletzung vor Sylvester machte allerdings so manche Trainings-Einheit zu nichte. Einmal traf mich sogar eine Hexe mit gezieltem Rücken-Schuss.

Erst Mitte Februar konnte ich (10 kg leichter) wieder schmerzfrei anreissen und hatte plötzlich alle Projekte erledigt. Doch da gab' es ja noch das Trainingsprojekt, welches nach den "baulichen" Veränderungen schwerer als je zuvor erschien. Ich versuchte jetzt die direktere Linienführung vom Einstieg weg durchzuklettern und so entstand nach über 100 Versuchen, 30 Klettertagen bzw. 4 Monaten das neue Kochel-Highlight.