Wildes Mazedonien: Bouldern in Prilep

Grundsätzlich ist Mazedonien ja tendenziell ein relativ unbekanntes Land, im Übrigen völlig zu Unrecht. Das kleine Land zwischen Griechenland, Serbien, Albanien und Bulgarien hat eine bewegte Geschichte und eine sensationelle Landschaft. Ein paar Eckpunkte zu Ersterem (den Rest sollte man sich mal auf Wikipedia anschauen):Alexander, der Grosse war beispielsweise Mazedonier, im Osmanischen Reich spielte Mazedonien eine Rolle, unter Tito und dem jugoslawischen Sozialismus war Mazedonien Haupturlaubsziel und Tabaklieferant und auch in der jüngeren Geschichte gab es noch unmittelbare Auswirkungen der Kosovokrise mit bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen den Kosovaren, die als Kriegsflüchtlinge ins Land gekommen waren, den Albanern und den Mazedoniern. Auch wurde — zumindest von den USA —  die "Republik Mazedonien" erst 2004 anerkannt, in Europa lautet die offizielle Bezeichnung nach wie vor FYROM (Former Yugoslaw Republic of Macedonia). Zur Landschaft kann man sagen, daß das Land unter Tito nicht ohne Grund zur Tourismushochburg ausgebaut wurde. Das Land besteht zu 80% aus Gebirge, davon durchaus auch hochalpines Gelände bis knapp 2800 Meter.

Soviel dazu, ein bisschen Allgemeinbildung schadet ja auch nicht. Also wir sind Freitag nachmittag losgefahren und haben schon mal zwei Tage für die Anfahrt eingeplant. Für die etwa 1600 Kilometer sicher keine schlechte Idee. Am ersten Tag haben sind wir bis Belgrad durchgefahren, was in etwa 2/3 der Wegstrecke ist, danach wird es auch mit der Qualität der Autobahnen schlechter und einen guten Teil bis nach Skopje fährt man Landstraße, da die Autobahn in Serbien noch nicht komplett fertig gestellt ist. Die anderen vier kamen am Sonntag per Flugzeug aus München nach. Auch das ist eine Option, allerdings sollte man sich genau erkundigen, ob man das Crashpad als Sportgepäck aufgeben kann, ansonsten wird es vor allem bei den Billig-Airlines schnell teuer.

Von Skopje kann man mit dem Taxi nach Prilep fahren (ca. 50 EUR), vor Ort kann man sich auch wunderbar mit dem Taxi bewegen. Übernachtet haben wir in einem Hotel mit etwas angekratzten sozialistischen Charme, das seine besten Tage hinter sich hatte, war aber für etwa 8 EUR die Nacht auch völlig in Ordnung. Allgemein sollte man sich darauf einstellen, dass Mazedonien ein relativ armes Land ist und man sich getrost von gängigen Qualitätsstandards verabschieden sollte. Nichts desto Trotz sind die Leute extrem gastfreundlich und hilfsbereit. Die junge Bevölkerung kann meistens Englisch und die etwas Älteren sprechen zum Teil auch ganz gut Deutsch.

In Prilep angekommen sind die Bouldersektoren unübersehbar an den umliegendes Bergkämmen gelegen und sehen völlig irre aus. Am besten kann man sich das wie eine Mischung aus Hueco Tanks (Höhe der Blöcke) und Hampi (völlig im Grünen gelegen) vorstellen, eine ziemlich einzigartige Mischung. Vor allem was die Panoramaausblicke oben angehen.Man kann nur schwärmen, wenn man das erste Mal in irgendeinen Sektor läuft: Diese Linien! Sensationell, wunderschön, logisch und ungeputzt… Das Potential dieses Gebiets ist unglaublich hoch. Was man dabei haben muss ist neben einer richtig dicken Matte (oder besser mehreren), ein gut sortiertes Set an Bürsten und Schrubbern. Denn selbst wenn Horden von Boulderern (was nicht passieren wird) die nächsten zwei Jahre nach Prilep fahren, wird es auch dann noch Platz für viele Erstbegehungen geben.Shorty hat die Tage im Einzelnen zusammengefasst: (1) Augen auf und ab nach Mazedonien

Nach meinem guten Abschneiden in Kitzbühel blieb nicht viel Zeit zum Feiern und schon gar nicht zum Schlafen. Bereits nach zwei Stunden ging der Wecker los und seit ein paar Jahren ist es wirklich unklug seinen Wecker (Wecker=Handy) gegen die Wand zu werfen. In diesem Moment war ich jedoch ganz knapp davor. Mitten in der Nacht fuhren wir nach München, wo mich meine Freundin am Flughafen abgesetzt hat und ich mich mit einem Teil unserer Reisegruppe getroffen hab. Vom Flug selber hab ich außer dem Stoffmuster meines Vordersitzes nicht viel mitbekommen. Aber so langsam meldete sich mein Muskelkater zu Wort, welchen ich nach jedem Boulderwettbewerb nur zu gut kenne. Das bedeutet konkret: Jacke anziehen, unmöglich. Aufstehen, nur unter Schmerzen. Etwas von Boden aufheben, ein Ding der Unmöglichkeit.

In Mazedonien (Skopje) angekommen lachten uns schon 30°C entgegen, und so konnten wir nach dem mäßigen Frühling in Deutschland auch erst einmal unsere Jacken verräumen. Von Skopje, der Hauptstadt aus, fuhren wir mit der kompletten Mannschaft zwei Stunden nach Süden, nach Prilep, von wo aus die Erkundungstour starten sollte.

Ich war wirklich sehr gespannt auf das Land nördlich von Griechenland, denn wirklich viel ist von den Bouldergebieten in diesem Land nicht bekannt. Aber genau das Unbekannte reizte uns alle!

Zwei Tage Boulderweltcup ist ja nicht genug und so machten wir uns schon direkt nach der Ankunft in Prilep ans Bouldern. Wie kleine Kinder rannten wir zwischen Blöcken umher und suchten nach schönen Linien. Wir wurden fündig, doch das sollte noch nicht alles sein.