Nach der langen Wettkampfsaison freut sich Jakob Schubert immer schon sehr darauf, im Winter einen längeren Felstrip zu machen. Auch dieses Jahr nahm sich Jakob vor eine Route zu besuchen, bei der er an seine Grenzen stößt, da er solche Herausforderungen liebt und dabei noch immer viel über sich selbst und sein Klettern lernen kann.

Jakob Schubert über seine Begehung von
Jakob Schubert über seine Begehung von "La Planta de Shiva" (9b) (c) Elias Holzknecht

Jakob Schubert berichtet:

Über die letzten Jahre ist es beinahe schon zur Tradition für mich geworden über Weihnachten nach Spanien zu fliegen. Bis jetzt war es jedoch immer Katalonien, diesen Winter entschied ich mich, dass es Zeit für etwas Neues ist und reiste zum ersten Mal nach Andalusien.

Schon vor der Abreise stand für mich mein Projekt fest: „La Plante de Shiva“, eine von Adam Ondra erstbegangene 9b in Villanueva del Rosario. Im Web ist ein Video von Adam in dieser Route zu finden und ich war gleich fasziniert von der tollen Linie und der speziellen Felsstruktur die diese Route bietet. Zudem wartete die Route immer noch auf eine zweite Begehung und ich wusste, dass dieser Ausdauerhammer die Herausforderung ist nach der suchte.

„Ich hatte den Eindruck, dass die Route für mich ein Level zu hoch sei.“

Gleich am ersten Klettertag in Andalusien versuchte ich mich an „La Plante de Shiva“ und war sogleich begeistert. Die Route ist ca. 50 Meter lang. Die ersten 20 Meter sind eine sehr kraftvolle 8c. Am Top der 8c kann man sich recht gut erholen und das ist auch nötig, denn der 9b Teil fängt sofort hart an.

Es gibt keinen richtigen Schlüsselzug, doch auch keinen leichten Zug. Vom Top der 8c bis ganz oben heisst es einfach nur Gas geben und versuchen gegen den Pump anzukämpfen. Die spezielle Felsstruktur der 9b macht das Ausbouldern sehr schwer. Da es viele Trittmöglichkeiten gibt und auch die Griffe auf viele verschiedene Weisen gehalten werden können, muss man viel Zeit investieren um die beste Lösung zu finden.

Video: Jakob Schubert in „La Planta de Shiva“ (9b)

„Bald darauf hatte ich den Fight meines Lebens.“

Ich hatte zu Beginn Probleme – einzelne Stellen fielen mir sehr schwer, das Einhängen der Schlingen fühlte sich unmöglich an und ich hatte den Eindruck, dass die Route für mich ein Level zu hoch sei. Frustriert entschloss ich mich die Route aufzugeben, da ich keinen Spass an der Sache hatte und merkte, dass es so keinen Sinn macht. Daraufhin kletterte ich einige Tage andere leichtere Routen, ich machte viele Meter und kletterte ein paar 8bs onsight sowie drei 8c+. Dies brachte mir wieder Spass und Motivation.

Schliesslich packte mich nochmals der Ehrgeiz und ich versuchte mich an „La Plante de Shiva“. Und siehe da, plötzlich machte ich grosse Fortschritte. Meine Einstellung war viel besser und ich glaubte wieder an einen möglichen Durchstieg.

Bald darauf hatte ich den Fight meines Lebens und konnte extrem erschöpft, doch überglücklich, das Top von „La Plante de Shiva“ einhängen – meine bisher schwerste Route! Der ganze Prozess vom ersten Versuch bis zum Durchstieg war wieder ein toller Lernprozess für mich, der mich lehrte niemals aufzugeben und wie viel die Psyche eine Rolle spielt, wenn man an seine Grenzen geht. Ich bin sehr stolz, die zweite Begehung von dieser Wahnsinnslinie zu haben und freue mich nun auf die nächste Herausforderung.

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