Eine abwechslungsreiche 120m lange Linie, die durch eine der wohl eindrucksvollsten Wandzonen im rechten Teil der "Catalunya wall" in der Mont-Rebei verläuft.

Mich Kemeter (c) Frank Kretschmann
Mich Kemeter (c) Frank Kretschmann

Mich Kemeter berichtet:

Inmitten dieser Kulisse vergisst man jedoch schnell, wie wenig Bohrhaken sich in der ersten Seillänge befinden und freut sich, dass ein die Friends am Gurt seinen Platz in den Rissen finden.

Der Ausblick ist atemberaubend. Die zweite Seillänge jedoch atem-raubend und bis zum Schluss anhaltend steil und technisch: Die Crux an den messerscharfen Mikroleisten war dem Erstbegeher Ignasi Miralpeix Llobet und Gil Furriols seit 2015 ein Rätsel.

Mont-Rebei (c) Frank Kretschmann
Mont-Rebei (c) Frank Kretschmann

Im Winter 2017 versuchten wir dieses Puzzle an abschüssigen Tritten und weit von einander entfernten Unebenheiten – manche sollen es als Griff bezeichnen – zusammenzusetzten. Vier Tage lang. Es gelang, doch reichte es nicht für eine erste vollständige Rotpunktbegehung.

Nun verging ein Jahr und voller Elan kehrten wir wider an dieses Stück Fels. Ignasis Motivation war hoch und endete jedoch leider mit großen Rückenschmerzen in diesem überhängenden Teil der Wand. Nichts desto trotz blieb er noch einen weiteren Tag und unterstützte mich in der Umsetzung.

Doch auch meine Kraftreserveren waren verbraucht. Tage später hing ich solo in der Wand und setzte ein Puzzlestück nach dem anderen zusammen, bis die Finger bluteten.

Mich Kemeter (c) Frank Kretschmann
Mich Kemeter (c) Frank Kretschmann

Am 3. Februar – nach zehn Tagen in der Route – kam der befreiende Moment, gemeinsam mit dem französischen Freund Rudy Cassan. Diese Tour gab mir einen enormen Lichtblick für weitere Projekte und somit passend auch der Routename „Mentre hi hagi llum“, welcher übersetzt „solange Licht ist“ bedeutet.

Muchas gracias Ignasi für den Support und das Einrichten dieser edlen Linie!

Facts:

  • 4 Seillängen, 120m, 8b+/c (7b, 8b+/c, 7b+/c, 6c+)
  • Erstbegehung: Frühling 2015 Ignasi Miralpeix Llobet und Gil Furriols (von unten ohne vorheriges Erkunden)
  • Erste Rotpunkt: Mich Kemeter
  • Zustieg: 35 Minuten
  • Material: 17 Expressen
  • Cams BD: 2, 1, 0.75, 0.5, 0.3, 0, 00, 000
  • Alien: gelb, grün
  • 80m Einfachseil oder 60m Halbseile

Zur Mont-Rebei

Mont-Rebei (c) Frank Kretschmann
Mont-Rebei (c) Frank Kretschmann

Die malerische Schlucht von Mont-Rebei Gorge in den spanischen Pyrenäen begrenzt Katalonien von dem spanischen Aragon und befindet sich im äußersten Osten Kataloniens.

Der Standard in den Mehrseillängentouren verspricht jedoch keine Bohrhaken: Wo es mit mobilen Sicherungsmitteln möglich ist, steckt auch kein Bolt. Auch an den Standplätzen ist die Kunst des selbstständigen Absicherns oft ein Muss! Daher wurden viele technische Touren erst um vieles später „frei“ geklettert und die Skala der Schwierigkeitsgrade wurde im unteren zehnten UIAA Grad gehalten.

Doch nun mit „Mentre hi hagi llum“ hat dieses gefürchtete Gebiet ihre schwerste Freikletterroute mit kühnen vier Seillängen.