Bei einem Klettertrip nach Madagaskar im September 2015 ließ sich Roland Hemetzberger durch ein neuseeländisches Paar von den Felsen ihrer Heimat begeistern. Gletscher, Regenwälder, Küstenlinien alles unmittelbar nebeneinander, zudem mit großartigen Klettermöglichkeiten.

Roland Hemetzberger in Neuseeland (c) Stefan Kühn
Roland Hemetzberger in Neuseeland (c) Stefan Kühn

Roland Hemetzberger berichtet:

Nach ausgiebiger Recherche war ich von dieser Insel begeistert und schon war ein Reisepartner gefunden und Flüge, die unser Budget sprengten gebucht.

Nach einer sehr intensiven Klettersaison 2015 mit dem Höhepunkt meiner bisher schwersten Tour am 25. Dezember „Outro“ 9a+ sollte das Klettern bei dieser Unternehmung eher im Hintergrund stehen. Eigentlich…. Nach zwei Wochen quer durch Neuseeland, juckte es mich als getriebener Kletterer, langsam aber sicher in den Fingern..

Nachdem wir in ein paar weitere Locals kennengelernt hatten, war die Antwort immer die gleiche: „Go the Milfordsound area you will find there awesome sportclimbing“. Auf der Südinsel Neuseelands, liegt der 15 Kilometer lange Fjord eines der wichtigsten Touristenattraktion, klettern an einem der schönsten Plätze der Welt, warum nicht?

Fotostrecke: Roland Hemetzbergerin Neuseeland

Die lokale Klettercommunity vor Ort war extrem nett und unterstützend und gaben mir freundlicherweise Topomaterial, etliche Empfehlungen und zeigten mir noch im Projektstatus schlummernde Traumlinien.

Ein offenes Projekt von Derek Thatcher das er auf den Namen „Nebuchanezzar“ taufte, zog mich in einen Bann. Goldener perfkter Gneiss, leicht überhängende fingerlastige Kletterei, perfekt! Einen Haken hat dieser Teil von Neuseeland: Der Milford Sound liegt in einer der regenreichsten Gegenden der Erde.

Alles drehte sich über dieses Projekt, zum Glück hatten war das Wetter auf unserer Seite, doch die Tage vergingen wie im Flug. Nun war klar das Wetter würde sich ändern, ich setzte alles auf eine Karte, nach einem Ruhetag fühlte ich mich sehr gut, wenn alles passt, könnte ich sie vielleicht heute schaffen.

12:00 Mittag nach einen sporadischen Aufwärmprogramm hatte ich bereits drei Versuche in das Projekt gesetzt, ohne Erfolg… Doch an aufgeben war nicht zu denken. So entschied ich mich zurück in unser Camp zu fahren und mich zu erholen.

Neue Runde, neues Glück, gleicher Tag!

Gegen 18:00 stand ich wieder am Einstieg, die Schlechtwetterfront kam immer näher, es begann bereits zu nieseln, der Wetterbericht sollte recht behalten, somit war mir klar das es heute meine letzte Chance ist. Wieder kletterte ich in zwei weniger guten Versuchen bis zur ersten Schlüsselstelle, doch wieder eine Mischung aus Unkonzentriertheit und Pech verhinderten das Weiterkommen.

Ziemlich ungeduldig und mit einem bereits durchnässten Sicherungspartner kletterte ich in meinem nächsten Versuch bis zum Stand, fast. Im 7er Gelände schenkte ich meine Begehung noch her… Unbegreiflich ärgerlich, das war`s nun, der Regen wurde immer stärker das Licht immer weniger und die Energie gleich Null.

Mein Freund Stefan wollte mich nochmals motivieren doch in aussichtslosen Lagen fällt es eben schwer an sich zu glauben. Trotzdem musste ich nun die Schlingen aus der Wand holen, ein letztes mal ans scharfe Ende vom Seil. 10 Minuten später clippte ich den Stand, sturzfrei… in meinem 7. Versuch.

Ich weiß nicht warum, Ich weiß nicht wie, es doch noch klappte. Das Projekt „Nebuchanezzar“ wurde besiegt! Zur Bewertung 8c+ oder 9a freue ich mich auf die Meinung von Wiederholer.

Am Ende reduziere ich nicht eine Reise auf irgendeine Begehung. Es ist das Gesamtpaket das es unvergesslich macht. Die Phrase passt halt doch immer „Der Weg ist das Ziel“.

www.roland-hemetzberger.de