„The
lost World“ entdeckten Robert Jasper und  Stefan Glowacz  vor
einem Jahr: Auf diesen Namen tauften sie ihre Erstbegehung durch den
1000 Meter hohen Nordpfeiler des Murallòn. Für die beiden
Spitzenkletterer war diese Route jedoch nur der erste Schritt in die
Welt am Ende der Welt. Denn die Berge dort, die mächtigen
Wände, die Weiten des patagonischen Inlandeises, sind noch lange
nicht erschlossen. Weshalb Stefan Glowacz und Robert Jasper noch einmal
zum Murallòn aufbrechen werden: Mit dem Ziel, einer weiteren
Erstbegehung, diesmal über die mächtige Nordwand.

Diese Linie, sagt Stefan Glowacz, „ist ein Juwel. Hinsichtlich
Ästhetik und Kühnheit eine der schönsten Wände, die
ich je gesehen habe.“ Für ihn ist sie es wert, all die Strapazen
und Widrigkeiten wieder in Kauf zu nehmen.“ Robert Jasper umschreibt
den Plan, die Nordwand – die in zwei langen, überhängenden
Wellen zum Gipfel zieht – möglichst frei zu klettern, als „eines
meiner größten Abenteuer“. Trotz aller klettertechnischen
Schwierigkeiten müssen sie auch noch schnell sein: Nur so
können sie die kurzen Schönwetterperioden nützen.
Stürme mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 200 Stundenkilometern
gehören zum patagonischen Alltag. Erschwerend kommt hinzu, dass
Aufgrund der hohen Luftfeuchtigkeit der Fels sehr oft vereist ist.

Robert Jasper  und Stefan Glowacz  wollen auch bei ihrer
diesjährigen Expedition auf jede Art der Unterstützung von
außen verzichten. Keinen Helikopter für den Transport 
und im Notfall kaum Aussicht auf Hilfe. Was das bedeutet, daran
können sich Stefan Glowacz und Robert Jasper noch gut erinnern:
2003 schleppten sie, zusammen mit Fotograf Klaus Fengler und Kameramann
Sebastian Tischler, über 300 Kilogramm Ausrüstung und
Trockennahrung zum Murallòn. Schlechtes Wetter und Stürme
warfen das kleine Team immer wieder zurück. Erst nach drei Wochen
erreichten die Kletterer den Wandfuß. Anschließend mussten
sie wochenlang im Biwak ausharren, bis das Wetter ihnen wenige Stunden
„sturmfrei“ gab. Die widrigen Bedingungen machen die Granitnadeln- und
Wände Patagoniens zu den schwierigsten Bergen der Welt. 26 Stunden
benötigten Robert Jasper,  Stefan Glowacz und Klaus Fengler,
um den Gipfel zu erreichen und noch in der Nacht im Schneesturm
über die Route wieder abzuseilen. Einen ersten Blick in „The lost
World“ hatten sie damit geworfen. Und es wurde ihnen klar, dass die
Welt am Ende der Welt sie noch lange nicht loslassen würde…

Das Team

Stefan Glowacz

Vor knapp 20 Jahren machte er seine Leidenschaft zum Beruf und wurde
Kletterprofi. 1985 gewann er den ersten Kletterwettkampf „Sport
Roccia“, der im italienischen Bardonecchia ausgetragen wurde. Dreimal
holte er sich den renommierten Titel des »Rock Masters« in
Arco am Gardasee. Er gewann den olympischen Demonstrationswettkampf in
Albertville und beendete als Vizeweltmeister seine Wettkampfkarriere.
Nach wie vor ist Glowacz der erfolgreichste Wettkampfkletterer
Deutschlands. Heute bezeichnet sich der dreifache Vater als
„Hochleistungsabenteurer“. Er sucht die Herausforderung schwieriger
Wände in den entlegendsten Gebieten der Erde. Seine Expeditionen
brachten ihn nach Kanada, Grönland, Kenia, Patagonien und in die
Antarktis. Erfahrung vor der Kamera sammelte Glowacz als
Hauptdarsteller in Werner Herzogs »Schrei aus Stein«. Zur
Zeit schreibt er an einem neuen Buch „On the rocks“, das im
Frühjahr 2005 im Piper Verlag erscheinen wird.


Robert Jasper

Ist seit 14 Jahren Profibergsteiger und in allen Disziplinen des
Alpinismus zu Hause. Seine Vorliebe gilt jedoch seit langem der Materie
Eis. Immer auf der Suche nach neuen Herausforderungen  verbuchte
der Schwarzwälder schon in den Anfangsjahren seiner Karriere die
großen klassischen Nordwände von Eiger, Matterhorn und
Grandes Jorasses im Alleingang. In jüngerer Vergangenheit gelangen
ihm an diesen Bergen spektakuläre Erstbegehungen. Heute zählt
Jasper zu den besten Eiskletterern weltweit: Seine Kreationen sind die
schwierigsten Routen dieser Extremsportart. Expeditionen führten
den Vater zweier Kinder unter anderem in das Himalaya, Alaska und
Patagonien.


Sebastian Tischler und Klaus Fengler
Kameramann Sebastian Tischler und Fotograf Klaus Fengler sind dank
ihres bergsteigerischen Könnens in der Lage, die beiden Kletterer
auch in Extremsituationen zu begleiten. Beide waren bereits im
vergangenen Jahr am Murallòn mit dabei.

Die Organisation
Die Expedition von Stefan Glowacz und Robert Jasper zum Murallòn
findet von Oktober bis Dezember 2004 statt. Kameramann Sebastian
Tischler und der Fotograf Klaus Fengler werden die beiden begleiten und
das Unternehmen dokumentieren.

Siehe auch:

www.robert-jasper.de


www.glowacz.de

Der Murallon ist erreicht – Glowacz und Jasper
erfolgreich