Große Ehre für den frischgebackenen Jugend A-Vizeweltmeister Thomas Tauporn: Kaum war er von der Jugend-WM aus Sydney zu Hause angekommen, wurde er als einziger deutscher Vertreter zum legendären Wettkampf nach Arco (I) eingeladen.


Maja Vidmar konzentriert sich
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© Torsten Wenzler

Hier messen sich traditionell die besten Kletterer um den begehrten Titel „Rockmaster“ in den Disziplinen Lead, Speed und Bouldern.

Für Shorty hieß es an zwei Tagen zuerst eine Onsight-Route zu absolvieren und anschließend noch im Workout seine Klasse zu zeigen. Neben Thomas war eigentlich auch noch seine Teamkollegin und Junioren-Vizeweltmeisterin Juliane Wurm (Wuppertal) kurzfristig eingeladen worden. Sie musste aber absagen, nachdem ihr Terminkalender mit WM und Weltcups  nun doch etwas zu Lasten ihres „Hauptberufes“ Schülerin ging. Dafür wurde zugesichert, sie im nächsten Jahr auf jeden Fall wieder einzuladen.

In der onsight-Runde am Samstag bei strahlendem Sonnenschein und vor Tausenden Zuschauern konnte Shorty eine gute Vorstellung abliefern: Mit seiner Höhe lag er zwar nach der ersten Runde auf dem 8. Rang, zeigte aber, dass er nicht weit von den Platzierungen 4-6 entfernt ist. Für ihn stehen auch mit den kommenden Weltcups und der EM in Paris gleich noch vier weitere Möglichkeiten an, seine onsight-Fähigkeiten unter Beweis zu stellen.

Am folgenden Sonntag stand dann das Workout-Klettern auf dem Programm: In der brettharten Route und bei zwischenzeitlich sintflutartigem Regen hatte Shorty allerdings sichtbar mit der Nervosität zu kämpfen, nachdem er mitbekommen hatte, wie weit der als erster gestartete und hinter ihm liegende Klemen Becan gekommen war. So kippte er letztlich etwas zu früh aus der Wand – allerdings hatte er zuvor auch noch nie einen Wettkampf mit Workout-Modus geklettert.

Damit blieb für ihn bei seinem ersten Arco-Start in der Endabrechnung der 8. Platz, aber das sollte für ihn kein Anlass zur Depression sein, denn zum einen musste er sich in einem extrem starken Starterfeld beweisen und zum anderen musste er quasi aus dem Flugzeug von Australien nach Arco reisen – sicherlich keine optimale Wettkampf-Vorbereitung. Auch die Stadionsprecherin traute dem jüngsten Starter im Herrenfeld noch eine große Zukunft zu und war sich sicher, dass er nicht zum letzten Mal beim Rockmaster angetreten war.

Den Wettkampf gewann schließlich der Spanier Patxi Usobiaga, der sich damit selbst ein Geburtstagsgeschenk machte, vor Ramon Julian Puigblanque (E) und Tomas Mrazek (CZE). Extrem beeindruckend wieder einmal der Auftritt der Österreicherin Johanna Ernst bei den Damen: Die 15-jährige siegte souverän mit zwei Topbegehungen im Onsight und Workout und hat damit alle Wettkämpfe, bei denen sie in diesem Jahr angetreten ist, gewonnen. Auch im abschließenden Duell-Wettkampf der besten 4 holte sie sich den Sieg. Zweite wurde die Slowenin Maja Vidmar vor ihrer Teamkollegin Mina Markovic. Vidmar hatte bereits Freitags zuvor den „Arco Rock Legend Award 2008“ für ihre Leistungen im Wettkampf- und Felsklettern gewonnen.

Die Bouldertitel gingen an Kilian Fischhuber und Katharina Saurwein (beide A), die Speedmaster wurden von Olena Ryepko (UKR) und Manuel Escobar (VEN) abgeräumt. Der „Arco Rock Legend Award 2008“ bei den Herren ging Freitags zuvor bereits völlig verdient an Adam Ondra (CZE) – er ist 2008 bereits wirklich mit seinen Leistungen auf dem Weg, zur „Rock Legend“ zu werden…

Neben den sportlichen Leistungen und der gewohnt tollen Stimmung im Stadion gab es in diesem Jahr auch einige kritische Stimmen zum organisatorischen Ablauf der Veranstaltung zu hören – einige sprachen von „chaotischen Verhältnissen hinter den Kulissen“ und für viele war auch die sehr kurzfristige Einladungspolitik des Veranstalters angesichts eines derzeit ohnehin sehr engen Wettkampfkalenders nicht nachvollziehbar. Es bleibt zu hoffen, dass im nächsten Jahr zumindest unsere beiden deutschen Starter rechtzeitig eingeladen werden…