Kletterseilschaft aus Österreich feiert mit der Durchsteigung der "Supercanaleta" Teilerfolg im Fitz Roy-Massiv

Ungewohnt warme Temperaturen vereiteln Nordwand-Projekt über die berüchtigte „Maestri-Egger“-Route in der Cerro Torre-Nordwand
 
Mit einem Teilerfolg im Gepäck ist der Kärntner Allroundbergsteiger Markus Pucher vorzeitig von seiner Patagonien-Expedition Ende letzter Woche zurückgekehrt. Der 31-jährige Bergführer aus Baldramsdorf bei Spittal an der Drau konnte zusammen mit seinem Osttiroler Kletterpartner, dem Cerro-Torre- Veteranen Toni Ponholzer aus Debant bei Lienz, mit der Durchsteigung der „Supercanaleta“ am 3.406 Meter hohen Fitz Roy einen Teilerfolg feiern.
 
Der Versuch einer Realisierung des eigentlichen Ziels, der Besteigung des Cerro Torre über die berühmt-berüchtigte „Maestri-Egger“-Route, machte das für die Jahreszeit untypisch warme Wetter Patagoniens zunichte. Zu gefährlich waren die Verhältnisse in der Nordwand der Granitnadel im Inlandeis an der argentinisch-chilenischen Grenze.
 
„Zunächst sahen die Wettervorhersagen sehr gut aus. Schon nach wenigen Tagen standen Toni und ich gemeinsam auf dem Fitz Roy. Zudem gelang uns mit der Supercanaleta-Route ein großartiges und extrem anspruchsvolles Projekt“, so Markus Pucher über seine zweite Besteigung des höchsten Gipfels des gleichnamigen Massivs. „Leider hatten wir nicht den Hauch einer Chance, unser Nordwand-Projekt anzugehen. Es war einfach viel zu warm! Eis- und Steinschlag haben uns von einem Versuch in der Maestri-Egger-Route abgehalten.“
 
Stattdessen wagten sich Ponholzer und Pucher über die Kompressorroute an dem Südostgrad des Cerro Torre. Doch auch hier bremste Eisschlag wenige Seillängen unter dem Gipfel die Ambitionen des Kletterduos. „Während wir in der Vergangenheit meist im schlechten Wetter festsaßen und auf Perioden mit Sonnenschein warteten, lief diesmal alles umgekehrt“, so der gebürtige Maltataler. „Als dann das patagonische Wetter mit Wind und Kälte Anfang letzter Woche wieder zurückkehrte, entschieden wir uns zur Heimreise.“
 
Doch vorher erlebten die beiden Bergführer noch ein außergewöhnliches Abenteuer. Was ursprünglich als Besteigungsversuch des Cerro Torre über die Ferrari-Route von der Seite des Inlandeises her geplant war, endete in einem Gewaltmarsch über den Viedma-Gletscher.
 
„Als wir auf der anderen Seite des Cerro Torres standen, mussten wir einsehen, dass die Besteigung unseres Traumbergers auch von der Westseite nicht machbar war. Eine Umkehr über den Hinweg war ebenfalls aufgrund der Verhältnisse ausgeschlossen. Folglich blieb uns nur der lange Fußmarsch über das Inlandeis“, so Markus Pucher.
 
Insgesamt vier Tage dauerte die Odyssee bis die beiden Freunde endlich ihr Zelt um Mitternacht in El Chalten erreichten. Der unendliche Weg führte sie durch ein Labyrinth aus Gletscherspalten bis zum Lago Viedma und von dort durch unwegsames Gelände zurück zum Stützpunk in dem patagonischen Bergsteigerdorf.