Es war heiß im Städtchen am Fuße des Montblanc, als sich die Leadkletterer Anfang der Woche zum Weltcupauftakt trafen: In praller Sonne ging die Qualifikation am Montagmittag über die Bühne.

Angela Eiter in ChamonixSicherlich keine Optimalbedingungen für maximale Kletterleistung, aber schließlich hatten ja alle der 122 angereisten Teilnehmer mit den gleichen Verhältnissen zu kämpfen. Aus deutscher Sicht war natürlich besonders interessant, wie sich die Vertreter des DAV nach der langen Winterpause schlagen würden.Thomas Tauporn (Schwäbisch Gmünd), Jan Hojer (Frankfurt), Alexander Megos (Erlangen) und Luisa Deubzer (München-Oberland) hatten sich auf den Weg nach Frankreich gemacht um unter den Augen von Bundestrainer Christoph Finkel ihre Form zu präsentieren.

Vor allem einer konnte sich nach seinem starken Auftreten im Weltcup 2009, bei dem er mit einem hervorragenden 8. Platz im Gesamtranking abgeschnitten hatte, berechtigte Hoffnungen auf ein gute Platzierung machen: Thomas Tauporn hatte an gleicher Stelle ein Jahr zuvor seinen ersten Weltcup-Finaleinzug geschafft und stand trotz einer leichten Daumenverletzung nach eigenem Bekunden auch voll im Saft.

Aber leider fehlte ihm in diesem Jahr in der Qualifikation das Quäntchen Glück – in beiden Routen war für ihn leider schon jeweils kurz vor der Umlenkung Schluss ohne dass er wirklich platt wirkte. Am Ende verpasste Tauporn als 28. um zwei Plätze das Halbfinale, bei dem die Karten noch einmal komplett neu gemischt worden wären.

Kollege Jan Hojer erging es nicht besser: Der Frankfurter fiel in beiden Qualirouten jeweils einen Griff vor Tauporn und belegte im Gesamtklassement den 34. Platz. Dafür hatte zumindest der dritte DAV-Mann im Bunde einen hervorragenden Tag erwischt: Jugendeuropameister Alexander Megos ließ bei seinem zweiten Weltcupeinsatz die beiden Qualifikationen wie Aufwärmrouten aussehen und konnte sich mit zwei Topbegehungen locker in die Liste der 26 Halbfinalisten einreihen.

Außer ihm gelang dies noch 12 weiteren Startern – damit konnte Megos bereits seine internationale Klasse demonstrieren. Im Halbfinale kletterte der starke Franke dann locker bis ins Dach unter der Ausstiegsplatte, bevor er unerwartet beim Zug über die Dachkante abtropfte. Nur drei Züge trennten ihn damit vom Finale – so blieb der trotzdem hervorragende 15. Platz und die Erkenntnis, dass auch bei den Herren für Megos einiges drin ist in den nächsten Wettkämpfen.

Spanien auch im Klettern das Maß aller Dinge

Das Rennen bei den Herren machte am Ende vor 10.000 Zuschauern der Spanier Ramon Julian Puigblanque, der als einziger die Finalroute top klettern konnte und nach zwei Jahren wieder einmal ganz oben auf einem Weltcuppodium stand. Sein Landsmann Patxi Usobiaga machte als Zweiter den spanischen Triumph perfekt – die Spanier scheinen wohl gerade in allen Sportdisziplinen den besagten Lauf zu haben…Platz drei ging an den Niederländer Jorg Verhoeven.

Kleines deutsches Damenteam am Start

Nachdem sich Juliane Wurm in diesem Jahr komplett auf die Bouldersaison konzentriert, war bei den deutschen Damen als einzige Starterin Luisa Deubzer angetreten, die bei ihrem ersten Weltcupstart zuerst einmal Erfahrungen sammeln sollte. Die gab es dann auch gleich im Megapack, denn die viel zu leichten Qualifikationsrouten erforderten ein Doppeltop, um überhaupt eine Chance zu haben, die nächste Runde zu erreichen.

Dies gelang 28 Damen, und insgesamt 40 Damen der 57 angetretenen konnten zumindest noch die zweite Qualifikationsroute top klettern. Da hatten die Routenbauer wohl massiv das Können der Kletterinnen unterschätzt. Für Luisa Deubzer war jedoch in beiden Routen kein Top drin – am Ende landete sie auf dem 49. Platz. Sie dürfte nun wohl aber einen ersten Eindruck bekommen haben, wie der Hase bei den Damen international läuft.

Damenfinale zu leicht

Das Finale bei den Damen war dann ebenfalls eine zu leichte Angelegenheit: Gleich drei der neun Finalistinnen konnten top klettern und nur durch das klare Halbfinalranking wurde eine Wertung möglich. Ihren ersten Weltcupsieg holte sich die ehemalige Europameisterin Charlotte Durif (FRA) vor ihrer Landsmännin Helene Janicot und Maja Vidmar (SLO).

Beinahe hätte es noch ein Fiasko für die Routenbauer gegeben, denn auch die nächsten drei Damen im Ranking hatten das Top fast schon in den Händen: Die Schweizerin Alexandra Eyer konnte nur nicht mehr das Seil einhängen und Angela Eiter (AUT) und die Japanerin Momoka Oda scheiterten ein wenig an ihrer Länge und bekamen den Topgriff nicht mehr richtig zu fassen.

Für die Leadkletterer geht es am kommenden Wochenende bereits weiter mit dem Rockmaster in Arco (ITA) und auch auf deutschem Boden findet noch in dieser Woche ein internationaler Wettkampf statt: Mit dem European Speedcup auf der outdoor-Messe in Friedrichshafen, den viele Topkletterer als Testlauf auf dem Weg zum Rockmaster nutzen, steigt der erste offizielle europäische Speedcup und auch die europäischen Jugendkletterer erwartet eine Premiere: An gleicher Stelle findet auch die erste European Youth Series im Speed statt, für die sich etliche starke internationale Teams angemeldet haben.