Hochspannung und Gänsehautfeeling bis zum letzten Boulder prägten das große EM–Finale Samstagabend am Innsbrucker Marktplatz: Vor einem frenetischen Publikum erweiterte Anna Stöhr ihre EM-Medaillensammlung um Silber und Katharina Saurwein holte ihre erste Medaille bei einem Großereignis.

Bronze für Katharina Saurwein in Innsbruck (c) ÖWK/Elias Holzknecht
Bronze für Katharina Saurwein in Innsbruck (c) ÖWK/Elias Holzknecht

Nur wenige Meter vom Goldenen Dachl entfernt stieg am Samstagabend die zweifellos größte Boulder-Party des Jahres: Rund 4.000 kletterinteressierte Besucher strömten bereits in den frühen Abendstunden in die EM-Arena und sorgten einmal mehr für die bereits berüchtigte „Hexenkesselatmosphäre“ am Innsbrucker Marktplatz!

Und die Erwartungen sollten nicht enttäuscht werden. Titelverteidigerin Anna Stöhr und Deutschlands regierende Weltmeisterin Juliane Wurm, die beiden Führenden nach dem Halbfinale, liefern sich von Beginn an ein heißes Match und gehen als einzige Athletinnen an den ersten beiden Finalbouldern top.

Die Entscheidung fällt schließlich erst am äußerst diffizilen Problem Nr. 4: Kein Top für Österreichs Boulder-Queen bedeutet gleichzeitig Gold für Juliane Wurm, die sich nach dem Weltmeistertitel im Vorjahr nun auch die europäische Boulder-Krone sichert.

Fotostrecke: Boulder-EM 2015 Finale

Erfolgslauf für die rot-weiß-roten Boulder-Damen

Hochspannend auch die Entscheidung um EM-Bronze: Katharina Saurwein, bärenstarke Dritte nach dem Semifinale, benötigt in ihrem letzten Finalauftritt des Abends einen bonus-Flash (Zone im ersten Versuch), um Monika Retschy (GER) noch vom Podium zu verdrängen. Die Lokalmatadorin beweist Balance sowie Nerven aus Stahl und sichert sich ihr erstes Edelmetall vor heimischem Publikum! Sensationsfinalistin Jessica Pilz liefert bei ihrer EM-Premiere in der allgemeinen Klasse mehr als nur eine Talentprobe ab und bouldert mit einem gelösten Top an Problem Nummer 3 auf den fünften EM-Gesamtrang.

Jakob Schubert: Knapp am Podium vorbei

Zu einem Wechselbad der Gefühle entwickelt sich das EM-Finale für Österreichs einzigen Vertreter im selektiven Herrenbewerb. Jakob Schubert, Führender nach dem Semifinale, beschließt die ersten drei Probleme mit insgesamt einem Top und zweimal Bonus. Boulderweltcup-Gesamtsieger Jan Hojer (zwei Topps in drei Versuchen) steht bereits als neuer Europameister fest, als der Innsbrucker in seinen letzten Boulder einsteigt und weiß: Ohne Top kein Podium!

Doch auch Schubert scheitert an der finalen Herausforderung der Routensetzer, erreicht kein Top und keinen Bonus, und beendet die Heim-EM in Innsbruck auf dem vierten Gesamtrang. Silber bei den Herren geht an Tschechiens Titelsammler Adam Ondra, Bronze an Überraschungsmann Stefan Scarperi aus Italien.

Anna Stöhr:
„Ich bin super zufrieden mit meinem Ergebnis. Es ist einfach immer wieder ein geniales Feeling hier in Innsbruck mit diesem Publikum im Rücken klettern zu dürfen, ein großes Dankeschön an dieser Stelle auch an das Organisationsteam! Jule war heute klar die Stärkere von uns beiden, nichtsdestotrotz ist es immer wieder cool, sich mit ihr zu duellieren!“

Katharina Saurwein:
„Ich bin überglücklich – mein großes Ziel war das Finale und jetzt mit dieser Medaille hier stehen zu dürfen ist einfach nur ein Traum! Es war ein ganz schönes Nervenspiel, da ich wusste, dass ich den letzen Bonus flashen muss – ich bin immer noch sprachlos, das mir das wirklich aufgegangen ist!“

Jessica Pilz:
„Bei diesem Finale hier am Marktplatz mit dabei zu sein war einfach nur megacool! Für mich ist es eine Ehre, vor so einem Publikum zu klettern. Und dann noch zu sehen, dass ich auch im EM-Finale einen Boulder knacken kann – ich bin einfach nur happy!“

Jakob Schubert:
„Die Routensetzung im Finale heute war echt extrem schwer. Grundsätzlich bin ich mit meiner Leistung zufrieden, der Knackpunkt war der erste Boulder, den ich einfach machen hätte müssen. Aber ich kann von diesem Auftakt viel Positives für die weitere Saison mitnehmen und gratuliere den Medaillengewinnern!“