Beim
letzten EYC im slowenischen Kranj am vergangenen Wochenende konnte das
DAV-Jugendteam seine kontinuierlich angestiegene Form erneut unter
Beweis stellen und die internationale Saison mit einem hervorragenden
Mannschaftsergebnis – dem besten seit langem- und zwei
Podiumsplätzen in der EYC-Gesamtwertung krönen. Dabei
erreichten 8 von 12 mitgereisten Kaderianern das EYC-Finale; somit war
Deutschland nach Frankreich und Österreich die am
drittstärksten vertretene Nation in den Finals.

Dabei
hätten die Mitglieder des Jugendkaders beinahe ihre gesamten
Kräfte beim mehrmaligen Freilegen des Teambusses von den
Schneemassen gelassen – der überraschende Wintereinbruch hatte
Slowenien einen Meter Neuschnee innerhalb von 24 Stunden beschert und
der Weg vom Hotel zur Halle und zurück glich eher einer Rodelbahn
als einer Strasse…

Von diesen widrigen und kalten
äusseren Bedingungen ließen sich die DAVler aber nicht
abschrecken – an der Kletterwand ging es heiß her: Bei der
weiblichen Jugend B ließ Juliane Wurm (Dortmund) in beiden
Quali-Routen nichts anbrennen und kletterte sicher ins Finale und auch
Luisa Neumärker (SBB) kletterte mit einer tollen Leistung in die
Runde der besten 10. Etwas spannender machte es da Thomas „Shorty“
Tauporn (Schwäbisch-Gmünd) bei den B-Jungs, der nach einer
etwas unglücklichen ersten Quali mit einer souveränen
Topbegehung der zweiten ebenfalls das Finale erreichte. Die
diesjährige nationale Seriensiegerin Lisa Knoche (Freising) zeigte
bei der weiblichen Jugend A auch ihre internationale Klasse und zog
ebenfalls ins Finale ein.

Bei der männlichen Jugend A
sicherten sich sowohl der Vizeweltmeister Felix Neumärker (SBB)
als auch der stark kletternde Stefan Danker (Landshut) ihre
Finalteinahme. Bei ihrem letzten EYC war auch für Julia Winter
(SBB) bei den Juniorinnen der Finaleinzug quasi Pflicht – auch sie
qualifizierte sich für die Runde der besten 10. Für die
zweite deutsche Juniorin, Lisa Müller (IG Klettern) war leider in
der zweiten Quali an einem unangenehmen Seitzug verfrüht
Schluß – Platz 20 am Ende für sie.

Die mit vier
DAV-Kletterern am stärksten vertretene Altersklasse der Junioren
bot schließlich das gesamte Spektrum zwischen Freud und Leid:
für Friedemann Walter (SBB) hieß es am Ende „nur“ Platz 22,
dicht dahinter lag Thomas Knoche (Freising) auf Platz 24. Dagegen
konnte Jonas Baumann (Dortmund) mit seiner guten Leistung und dem 15.
Platz durchaus zufrieden sein und für Markus Jung (Siegen)
hieß es schließlich nach zwei hervorragenden
Quali-Durchgängen zum ersten Mal seit vier Jahren wieder: Finale!
So konnte er genau vier Jahre nach seinem letzten EYC-Finale an
gleicher Stelle seine derzeit hervorragende Form unter Beweis stellen –
sicherlich hatte ihn auch der deutsche Vizemeistertitel und ein
Hereinschnuppern in den Senioren-Weltcup an den Wochenenden zuvor
nochmals gepusht.

So konnte das deutsche Team am Abend des
Qualitages zufrieden in der Pizzeria die wagenradgroßen Teigwaren
vernichten, während die durchgeweichten Socken und Schuhe auf der
Heizung trockneten…

Am Finaltag hatte sich das Wetter
gottseidank beruhigt, so dass dem Team das morgendliche Ausgraben des
Busses erspart blieb und die Kräfte für den Wettkampf
geschont werden konnten. Hier mussten zuerst die B-Mädels ran:
Luisa Neumärker kletterte anfangs sehr sicher, bevor ihr an einem
weiten Zug schlagartig der Strom ausfiel – Platz 10 für sie.

Etwas
schade bei den Finalrouten war, dass sie tendenziell vom
Routenbauerteam um Tomo Cesen und Simon Wandeler zu leicht geschraubt
waren, so dass die Entscheidungen ausnahmslos über +/- -Wertungen
an den gleichen Stellen in der Ausstiegsplatte liefen. Juliane Wurm,
die bereits vor dem Wettkampf als Gesamtsiegerin des EYCs feststand,
legte eine souveräne Vorstellung hin, konnte aber in der
Ausstiegsplatte einen Hook nicht mehr setzen und musste nur ihrer
Dauerrivalin Charlotte Durif (FRA) wieder einmal den Vortritt lassen.

Allerdings
konnte Juliane diesmal den Abstand sehr gering halten und man darf auf
das nächste Jahr gespannt sein, wo sich die beiden in der Jugend A
wieder sehen werden – der Winter ist lang und es kann einiges getan
werden…

Bei der männlichen Jugend B hätte es Thomas
„Shorty“ Tauporn beinahe geschafft, top zu klettern – nur der slopige
Ausstiegsgriff, den man eben nicht anspringen konnte, wurde ihm zum
Verhängnis. Er zeigte, dass er auf jeden Fall das Zeug hat, ganz
vorne mitzuklettern und wurde schließlich wegen des schlechteren
Quali-Ergebnisses 6. Auch bei ihm darf man auf das nächste Jahr
gespannt sein, da alle seine Haupt-Konkurrenten in die Jugend A hinauf
wechseln.

Bei der weiblichen Jugend A legte Lisa Knoche eine
absolut fehlerfreie Vorstellung hin – sie wirkte bis zum letzten Dach
vor der Ausstiegsplatte noch sehr frisch, traf dann aber leider einen
schwer zu sehenden Griff nicht richtig und fiel unglücklich. An
diesem Tag hätte sie definitiv top klettern können – nach
eigener Aussage war sie noch nicht einmal richtig gepumpt.
Nichtsdestotrotz reichte es ihr für Rang 5 – somit konnte sie ihre
„Abo-Platzierung“ beim EYC von Platz 6 verbessern – ein gutes Zeichen
für das nächste Jahr! Stark vertreten war das DAV-Team bei
der männlichen Jugend A – Stefan Danker kletterte mit einer
soliden Leistung auf Platz 8 – aber er meinte selbst, dass hier
durchaus noch mehr drin gewesen wäre – auch bei ihm kann man auf
das nächste Jahr hoffen.

Felix Neumärker hingegen,
der am Wochenende zuvor bereits beim Weltcup der Herren an gleicher
Stelle das Halbfinale erreicht hatte, war nicht zu bremsen: Nur der
abschüssige Topgriff ließ ihn abtropfen – hätte er ihn
gehalten, hätte sich Felix den zweiten EYC-Sieg der Saison
gutschreiben können; so musste er sich seinem Dauerrivalen Magnus
Midboe (NOR) geschlagen geben, der zwar am gleichen Zug fiel, jedoch
aufgrund des besseren Vorrundenergebnisses gewann. Auch Felix konnte
diesmal den Abstand zu seinem Hauptkonkurrenten minimieren und wer ihn
kennt weiß, das den Winter über in Dresden die Griffe
glühen werden – im nächsten Jahr bei den Junioren will Felix
ganz vorne mit dabei sein.

Bei den Junioren konnte Markus Jung
im Finale seine Topform leider nicht ganz unter Beweis stellen: Er
überkletterte einen Rastpunkt und übersah einen
entscheidenden Hook, so dass er unter seinen Möglichkeiten blieb
und letztendlich Siebter wurde – trotzdem eine hervorragende Leistung
in einem sehr starken Starterfeld – auch Markus hat definitiv das Zeug,
ganz vorne mitzuklettern, wenn bei ihm der Kopf stimmt. Julia Winter
schließlich reichte im Juniorinnen-Finale am Abschlussdach der
Saft nicht mehr, um den Fuß zur Hand zu setzen – Platz 10
für sie; allerdings hätte sie ein „+“ noch 2 Plätze nach
vorne gebracht, da die allermeisten ihrer Konkurrentinnen an der
gleichen stelle fielen.

Aber es gab nicht nur hervorragende
Tagesergebnisse zu feiern – in Kranj wird alljährlich auch der
EYC-Gesamtsieger geehrt – so konnte Juliane Wurm die begehrte
Trophäe für den DAV nach Hause holen und für Felix
Neumärker reichte es für Platz 2. Auch für viele andere
DAV-Jugendkaderianer sprang am Ende ein Platz unter den Top 10 in
Europa heraus – Hut ab!

Mit diesem Wettkampf ging die
internationale Saison für den DAV-Jugendkader zu Ende: Die
DAV-Trainer Gunter Gäbel, Matthias Keller und Farid Touchi blicken
auf ein äußerst erfolgreiches nationales und internationales
Jahr zurück. Das vornehmliche Ziel, den Jugendkader in der Breite
an die europäische und internationale Spitze zu führen, wurde
voll erreicht – die regelmäßigen Finalteilnahmen,
Podiumsplätze und vor allem die Vizeweltmeister- und
Vize-Europacuptitel von Felix Neumärker sowie der EYC-Gewinn und
der 3.Platz bei der Jugend-WM von Juliane Wurm sprechen für sich.

Aber
auch national wird so langsam die „Alte Garde“ von den jungen Wilden
abgelöst- betrachtet man sich die Ergebnislisten von DSC und DM.
Dies ist insgesamt eine sehr erfreuliche Entwicklung, und die Trainer
hoffen, im nächsten Jahr nach intensiver Trainingsarbeit über
den Winter an diesem Punkt anknüpfen zu können und die
Leistungen noch weiter steigern zu können.

Dabei werden
sicherlich auch Jugendkader-Mitglieder bei entsprechender Leistung in
den Senioren-Weltcup hineinschnuppern – das Potential hierzu ist bei
vielen auf jeden Fall vorhanden. Neben der sportlichen Leistung ist es
sicherlich aber auch der sehr gute „Team Spirit“, der seinen Teil dazu
beiträgt, dass das Team Germany 2005 so gut „Schub“ geben konnte.

Eine
gute Arbeit ist nicht möglich ohne gute Partner: Zum einen hat der
DAV mehr in die Nachwuchsarbeit investiert, auch die Arbeit der
Landesverbände macht sich immer mehr bemerkbar, zum anderen dankt
der DAV-Jugendkader dem Teamsponsor Salewa für die
Unterstützung 2005 und hofft auf eine weiterhin gute
Zusammenarbeit für 2006.

Siehe auch:
www.alpenverein.de
www.digitalrock.de