Der traditionelle Jahresausklang der internationalen Wettkampfsaison am vergangenen Wochenende im slowenischen Kranj wurde mit zwei hervorragenden deutschen Platzierungen gekrönt: Juliane Wurm und Jan Hojer verpassten jeweils mit dem 9. Platz nur um einen Platz das Finale.

Juliane WurmDabei ließen die beiden DAV-Youngsters einige internationale Wettkampfgrößen hinter sich und verabschieden sich mit einem Resultat, das für die kommende Saison Hoffnungen weckt, in die Winterpause.

Komplexe Qualifikationsrouten
Bereits die 13. Auflage des Weltcups wickelten die lokalen Veranstalter in Kranj ab – dementsprechend routiniert lief der Wettkampf ab. Kleiner Wermutstropfen für die Zuschauer: Der US-Star Chris Sharma, der in jungen Jahren bereits schon einmal den Weltcup in Kranj gewinnen konnte, trat letzten Endes dann doch nicht zum Saisonfinale in Slowenien an.

Das Routenbauerteam wertete die stark überhängende Wettkampfwand, die eine Vielzahl an Neigungswinkeln aufweist, noch zusätzlich mit diversen Volumes auf. Der Routenverlauf war streckenweise verschlungen, viele Bewegungsprobleme aber auch bockharte Einzelstellen warteten auf die Starter. Das war nicht unbedingt die Sache von Mathias Conrad (Zweibrücken). In der Qualifikation am Samstagvormittag wurde der Weltcupneuling im ersten Wanddrittel am Wechsel in die stark überhängende Zone abgeworfen – eigentlich viel zu früh für sein Können, nur Platz 55 blieb am Ende für den starken Junior.

Mit ganz anderen Erwartungen stieg Thomas „Shorty“ Tauporn (Schwäbisch Gmünd) in die Qualifikation ein: Nach einem hervorragenden 10. Platz bei der EM in Paris wollte er zum Abschluss der Saison noch einmal zeigen, dass dieses Resultat keine Eintagsfliege gewesen ist. Nach einer langen und anstrengenden Wettkampfsaison hatte der Schwabe jedoch den Kopf nicht mehr völlig frei: Mit hohem Tempo überkletterte er den 5. Haken beinahe irreversibel. Er konnte gerade noch kräftezehrend korrigieren, platzte dann aber kurz darauf mangels Spannung aus der Wand. Die Stelle hätte er ohne den vorangegangenen Clipfehler normalerweise mit Leichtigkeit absolviert – der 39. Rang, der am Ende für  ihn in Kranj heraussprang, liegt meilenweit unter seinem tatsächlichen Niveau.

Jan Hojer und Juliane Wurm kommen ins Halbfinale
Ganz anders erging es Jan Hojer (Frankfurt). Er kam mit der Qualifikationsroute gut zurecht und zog mit Platz 19. in das Halbfinale ein. Genauso souverän gelang dies Juliane Wurm (Wuppertal): Sie schloß die Qualifikation sogar mit Platz 12 ab – nur ein einziger Zug felhte ihr zum Top. Für Jan Hojer war das Vorrundenergebnis nach seinen zwei ersten Worldcupstarts (Rang 22 und 38) bereits ein achtbarer Erfolg. Juliane hatte nach ihrem 11. Platz auf der EM in Paris damit erneut ihre Klasse unter Beweis gestellt. Nun galt es im Halbfinale die Stellung zu halten oder wenn möglich zu verbessern.

Klugheit, Glück und Schnelligkeit

Mit dem Dreigespann aus Klugheit, Glück und Schnelligkeit gelang es dem im Weltcupzirkus bislang noch relativ unbekannten Jan Hojer, zum Erstaunen der zahlreichen Zuschauer, sich im Halbfinale ins vorderste Feld  hochzuschrauben. In der Gesamtwertung kam er auf Rang 9 und war damit nur ganz knapp am Finaleinzug gescheitert. Mit Klugheit dechiffrierte er als einziger der 26 Halbfinalteilnehmer einen bequemen No-Hand-Rest abseits der Routenführung. Vermutlich hatten die Schrauber das so nicht eingeplant.

Mit entsprechenden Reserven kletterte er dann im Eiltempo bis weit ins obere Drittel der fordernden Route, die sonst keine relevanten Schüttelpositionen aufwies. Bei seinem treibenden Go kam ihm zuletzt noch das Glück seiner Körpergröße entgegen. Überrascht registrierte er, wie nach ihm einige „Kletterweltstars“, u.a. der favorisierte Spanier Ramon Puigblanque, an einem gemeinen Längenzug schon in Wandmitte scheiterten. In der Einzelwertung des Halbfinales lag Jan sogar auf dem 7. Platz.