Vom 29.01. bis 31.01.2016 konnten Silvan Schüpbach und Matteo Della Bordella die vierte Begehung by fair means - also ohne die nun entfernten Kompressor Bohrhaken - der Cerro Torre Südostrippe für sich verbuchen.

Cerro Torre Südostrippe by fair means (c) Silvan Schüpbach, Matteo Della Bordella
Cerro Torre Südostrippe by fair means (c) Silvan Schüpbach, Matteo Della Bordella

Nachfolgend der Bericht von Silvan Schüpbach:

Nur gerade 3 Tage musste ich in El Chalten (Argentinien) abwarten bis wir loslegen konnten. Mit meinem langjährigen Kletterpartner Matteo Della Bordella stiegen wir schwer beladen ins Torre Valley, dem vergletscherten Tal zwischen Cerro Torre und Fitz Roy.

Nachdem ich bereits letztes Jahr über die Westwand auf den Cerro Torre gestiegen war, sollte es dieses Mal noch herausfordernder werden. Die südost Rippe war für viele Jahre die einfachste Route auf den Torre, weil hunderte von Bohrhaken alle schwierigen Stellen in einen Klettersteig verwandelt hatten.

Der Höhepunkt der Polemik um diesen Umstand war die Entfernung dieser Bohrhaken durch zwei Nordamerikaner vor ein paar Jahren. In der Folge gelang es bislang nur drei Seilschaften, diese Route zu wiederholen, unter Ihnen David Lama und Peter Ortner mit der ersten freien Begehung. Alle Seilschaften, die dies geschafft hatten, mussten mehrmals über Jahre verteilt versuchen bis sie Erfolg hatten.

Fotostrecke: Silvan Schüpbach und Matteo Della Bordella am Cerro Torre

Nach einer kurzen Nacht im Biwak stiegen wir in der Nacht über den Gletscher und plattiges, kombiniertes Gelände zum Col de la Pacienca. Von dort ging es mit Kletterfinken weiter über 20 Seillängen bis zum Biwak bei den Ice Towers. Ein schmaler Absatz mit atemberaubender Aussicht liess uns geruhsam schlafen. Am nächten Morgen kletterten wir durch das Ice Chimney, ein 60 Meter langer Felsspalt, der nur ganz hinten, tief im Berg eine Eisspur aufweist, welche den Aufstieg ermöglicht – sofern man die entsprechenden Fertigkeiten mitbringt.

Nach dieser Seillänge standen wir endlich unter der Headwall, die letzten 200 Meter Fels, die von unten sehr steil und Grifflos aussehen. Wir stellten fest dass es nicht nur so aussieht sondern auch so ist. Optimistisch wie wir sind probierten wir doch weiterzuklettern und fanden doch genügend Griffe zum klettern, jedoch war das absichern teilweise nicht möglich weil der Fels keine Risse hat, sondern nur lose Schuppen, die durch einen Friend wahrscheinlich abplatzen würden.

Trotzdem schafften wir diese letzten Seillängen und konnten zügig den letzten Eispilz auf den Gipfel des Cerro Torre klettern. So richtig freuen konnten wir uns leider noch nicht, denn der Abstieg versprach mühsam zu werden. Neun Stunden Abseilen brauchten wir bis wir endlich zurück auf dem Boden waren.

Wir sind sehr stolz und glücklich als vierte Seilschaft überhaupt diese Linie ohne die Bohrhaken klettern zu können. Es handelt sich um eine der grosszügigsten und schönsten Routen im Gebiet und was für eine Ehre das sich bislang nur so wenige Kletterer daran gewagt haben – an Prominenz würde es vor Ort ja nicht mangeln.

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