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Jacopo Larcher wiederholt Trad-Route “Meltdown” (5.14c)

Am 22. November 2022, gelang dem italienischen Kletterer Jacopo Larcher die dritte Begehung der ikonischen Trad-Route "Meltdown" im Cascade Creek im Yosemite Valley in Kalifornien.

Jacopo Larcher in 'Meltdown' (5.14c) (c) Andrea Cossu/Onsen Productions
Jacopo Larcher in ‘Meltdown’ (5.14c) (c) Andrea Cossu/Onsen Productions

“Meltdown” wurde erstmals 2008 von der in Yosemite ansässigen Beth Rodden begangen und erlangte durch den Film “Dosage V” von Big Up Productions Berühmtheit. Beth stufte die Route mit 5.14c ein und kennzeichnete sie damit als eine der schwersten Trad-Routen nicht nur in Nordamerika, sondern weltweit.

Es sollte ganze zehn Jahre dauern, bis sich mit Carlo Traversi erneut jemand an die Wiederholung der Route machte. Jacopo hat den gesamten November im Yosemite Valley verbracht, um für seinen neuesten Dokumentarfilm “How Hard Is Hard” über die härtesten Trad-Routen der Welt zu filmen, den er 2023 veröffentlichen will.

Jacopo Larcher:
“Es gibt viele schwierige Trad-Routen auf der ganzen Welt, aber nur sehr wenige haben Kultstatus erreicht. Für mich ist ‚Meltdown‘ definitiv eine davon. Ich kann nicht genau sagen warum, aber die Routen umgibt eine geheimnisvolle Aura. Ich erinnere mich genau daran, wie ich 2008 den Film von Beths unglaublicher Erstbegehung gesehen habe.

Damals wusste ich noch nicht viel übers Trad-Klettern und konnte die Bedeutung der Route und Beths Leistung gar nicht richtig nachvollziehen. Die Route sah einfach so schön und gleich-zeitig völlig unmöglich an. Für mich schien es undenkbar, selbst jemals eine solche Route zu klettern.

Jacopo Larcher in ‘Meltdown’ (5.14c) (c) Andrea Cossu/Onsen Productions

Einige Jahre später, als ich mich mehr und mehr mit diesem Aspekt des Kletterns zu beschäftigen begann, erkannte ich, dass Beths Leistung ihrer Zeit weit voraus war. Seit der Erstbegehung hatte man nicht mehr viel über die Route gehört, was für eine bekannte Kletter-Route im Yosemite wirklich ungewöhnlich ist.

Es gab Gerüchte, dass sich einige der besten Kletterer der Welt im Laufe der Jahre an der Route versucht hatten, jedoch ohne Erfolg. Es entstand sogar der Mythos, die Jams seien so schmal, dass sie für Kletterer mit normal großen Fingern einfach unmöglich wären.

All das verlieh der Route ihre geheimnisvolle Aura, bis Carlo Traversi 2018 schließlich die zweite Begehung schaffte und damit Beths unglaubliche Leistung bestätigte. Außerdem bewies er, dass es sich bei allem Gerede vorher schlicht um Ausreden gehandelt hatte.

Ich habe ‚Meltdown‘ zum ersten Mal 2016 kennengelernt, als Babsi [Zangerl; Anm.] und ich die Route zwei Tage lang zwischen ein wenig ‚El Cap Action‘ erkundeten. Wir waren beide überrascht von der Schönheit der Route, aber auch von ihrer Schwierigkeit. Die lag definitiv nicht in den schmalen Jams, sondern im sehr kraftvollen Laybacking auf sehr glatten und schlechten Footholds.

Jacopo Larcher (c) Andrea Cossu/Onsen Productions

Nach diesen zwei Tagen war ich jedoch noch beeindruckter von Beths Erstbegehung! In den folgenden Jahren kehrten wir regelmäßig ins Yosemite Valley zurück, aber unser Fokus lag dabei stets auf den größeren Wänden. Doch ‚Meltdown‘ blieb mir all die Jahre im Hinterkopf und ließ mich nicht los.

Da ich aktuell an einem Dokumentarfilm über die verschiedenen Stile und die Ethik des Trad-Kletterns arbeite, habe ich mich entschlossen, ohne meine Big-Wall-Ausrüstung in das Tal zurückzukehren, um einige der klassischen Einzelseillängen zu klettern und mich auch an ‚Meltdown‘ zu machen. Glücklicherweise hatte ich dieses Mal sofort ein besseres Gefühl, als ich die Route kletterte.

Die Tritte waren immer noch schrecklich und die Route schwierig, aber ich fühlte mich irgendwie reifer. Ich war sehr überrascht, als ich sie an meinem dritten Tag sauber abseilen konnte, was mir zusätzliche Motivation verschaffte. Naiverweise ging ich davon aus, dass ich sie auch im Vorstieg schnell gehen könnte, aber das Anlegen der Ausrüstung verleiht der Route zusätzliche Würze und macht sie deutlich schwieriger.

Am vierten Tag meiner Vorstiegsversuche, musste ich einen immensen Kampf austragen und alles aus mir herausholen, um den Anker zu erreichen. Die leichteren oberen Segmente fühlten sich im Toproe immer gut an, aber vom Boden aus war es etwas ganz anderes.

Normalerweise fühlt sich das Headpointen auf schweren Trad-Routen smooth an, ein unglaublich schönes Gefühl, aber auf dieser Route musste ich unglaublich hart kämpfen und war im oberen Part kurz davor zu stürzen, was die Erfahrung irgendwie noch unvergesslicher macht. Es war ohne Zweifel einer meiner Lieblings-Momente in meiner Kletter-Karriere!”

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