Letzten Freitag und Samstag gingen in Saas-Fee zum
zweiten Mal die Eiskletterweltmeisterschaften über die Bühne.
Für die zweite Austragung der WM und die insgesamt 6. Auflage des
Weltcups in Saas-Fee waren die Bedingungen im Ice Dom von Saas-Fee
wiederum einmalig. Denn im Parkhaus von Saas-Fee finden weltweit die
einzigen Indoor-Wettkämpfe im Eisklettern statt.
Wetterunabhängig können hier die Zuschauer von der
spiralförmigen Auffahrtsrampe den Athleten noch in 30 Meter
Höhe genau auf die Finger schauen.

Difficulty: Die Königsdisziplin mit zwei Österreichern auf dem Stockerl und einer neuen Weltmeisterin

Beim
Difficulty (Schwierigkeitsklettern)  hat der Eisklettersport in
den letzten Jahren eine rasante Entwicklung durchgemacht. Vor 6 Jahren
war eine natürliche Wand aus Eis und Fels für die
Spitzensportler anspruchsvoll genug und nur ein Athlet konnte damals
die Wand in Saas-Fee bezwingen. Um den neuen Techniken und den damit
gewachsenen Ansprüchen der Kletterer zu genügen, sind heute
aufwendige Bauten nötig: überhangende Dächer aus Stahl,
frei schwingende Eisblöcke und dazwischen immer wieder pures Eis
oder Fels, so musste eine Route im Winter 2005 aussehen. Das
Schwierigkeitsklettern ist die Königsdisziplin unter den
Eiskletterern. Ein perfektes Zusammenspiel der stahlharten Muskeln, der
Koordination, der Technik und das bestimmte Quäntchen Glück
waren wiederum notwendig, um ganz vorne dabei zu sein. Die Bilder, die
dem Zuschauer dabei geboten wurden, waren schlichtweg einmalig: Die
Spitzenathleten hingen wie Spinnen an den Eiswänden. Sogar
Spiderman wäre bei diesem Anblick vor Neid erblasst.


Und ganz vorne dabei die österreichischen Topathleten. Hari
Berger, Albert Leichtfried und Markus Bendler zeigten schon in den
Vorrunden, dass sie im absoluten Spitzenfeld mitklettern können.
Das Finale war nervenzerreisend und der Puls stieg bei jedem der
über tausend Zuschauer. Albert konnte als erster der
Finalteilnehmer die exteme schwierige Stelle im Mittelteil meistern und
ging nach 3 Finalteilnehmern in Führung. Markus, der
grippegeschwächt an den Start ging, konnte ebenfalls eine
beeindruckende Kletterleistung vollbringen und setzte sich an die 2.
Position. Simon Anthamatten zeigte seinem Heimpublikum, wie stark er
ist und kletterte fast bis zum Top. Als letzter ging der Weltmeister an
die schwierige Finalroute und Hari Berger bewies wiedereinmal dass er
die Nummer 1 im Eisklettersport ist. Er konnte die Route Top klettern
und ist neuer Weltmeister.

Bei den Damen gab's eine Überraschung: Petra Müller aus der
Schweiz konnte mit einer beeindruckenden Kletterleistung die mehrfache
Weltmeisterin Ines Papert im Finale schlagen und wurde neue
Weltmeistern. Dritte wurde die Französin Stephanie Maureau.

Überraschender Schweizer beim Speed-Klettern
Bei der Disziplin Speed geht es, wie es auch schon der Name erahnen
lässt, darum, wer als erstes das Ziel an der 20 Meter hohen
Eiswand erreicht. Der diesjährige Rekord liegt bei 11.31 Sekunden
oder rund 1,5 Meter pro Sekunde. Senkrecht wohl bemerkt. Die
Qualifikationen wurden einzeln geklettert. Die besten 16 Athleten
qualifizierten sich für die Finalläufe. Unter riesigem
Beifall der Zuschauer erfolgten die Entscheidungen im Cup-System:
Jeweils 2 Athleten starteten zur gleichen Zeit. Sobald die Athleten
wieder unten auf dem festen Boden waren, wurden die Routen gewechselt.
Gegen den gleichen Gegner, aber auf der anderen Route, mussten die
Kletterer gleich wieder 20 Meter nach oben. Die kumulierte Zeit beider
Läufe entschied über Sieg oder Niederlage.

Anna Toretta im Speed auf dem dritten Rang
Bei den Damen dominierten hier vor allem die Russinen: Doppelsieg von
Koulikova Natalia und Oleinkova Joulia vor der Italienerin Anna
Toretta. Bei den Männern dominierte das Spektakel an der Eiswand
der 39-jährige Ukrainer Kryvosheytsev Evgeny. Als einer der
gesetzten Favoriten verwies er die Russen Fayzulin Igor und Chved
Nikolai auf die Plätze 2 und 3. Für eine
Riesenüberraschung sorgte der 25-jährige Schaffauser Lars
Hofer. Hofer, welcher seit diesem Jahr in Saas-Fee wohnhaft ist, wuchs
bei ohrenbetäubendem Beifall über sich selbst hinaus und
schaffte es sogar, den Zürcher-Altmeister Urs Odermatt im direkten
Duell zu schlagen. Erst im Halbfinale wurde er durch den späteren
Gewinner Kryvosheytsev gestoppt.

Ergebnisse Finale Herren Difficulty
1 Berger Hari Austria Top
2 Anthamatten Simon Switzerland 15+
3 Leichtfried Albert Austria 12+
4 Bendler Markus Austria 11.0
5 Anthamatten Samuel Switzerland 9+
6 Wandeler Simon Switzerland 7.2+
7 Kryvosheytsev Evgeny Ukraine 7.2+
8 Odermatt Urs Switzerland 7.2

Ergebnisse Finale Frauen Difficulty
1 Müller Petra Switzerland 11
2 Papert Ines Germany 8.1
3 Maureau Stéphanie France 8+
4 Buchmann Kirsten Germany 8+
5 Toretta Anna Italy 7.2+
6 Eyer Alexandra Switzerland 6.1
7 Filippova Maryam Russia 5.3
8 Shabalina Maria Russia 5.3

Ergebnisse Finale Herren Speed
1. Kryvosheytsev Ukraine
2. Fayzullin Igor Russia
3. Chyed Nikolai Russia
4. Hofer Lars Switzerland

Ergebnisse Finale Frauen Speed
1. Koulinkova Russia
2. Oleinikova Joulia Russia
3. Toretta Anna Italy


Siehe auch:
http://www.mountain-life.ch/iwc/