„La Rambla oder Las Ramblas (katalanisch Les Rambles) ist eine 1.258,59 Meter lange Flaniermeile im Zentrum von Barcelona, die den Plaça de Catalunya mit dem Hafen verbindet.“

„Ramblas: Sie leiten das Wasser bei großem Regen ab, weil die dortigen Böden entweder steinig sind oder wegen der langandauernden Trockenheit kein Wasser aufnehmen können. Auch in Städten wie Cartagena findet man solche Flussbetten, die sich bei Regenfällen sehr schnell zu reißenden Bächen entwickeln.“ (Quelle: wikipedia)

La Rambla – eine der bekanntesten Routen der Welt. Und genauso eine der schwersten und längsten… Zusammen mit Realisation in Ceüse zählt sie zu den beiden einzigen bisher bestätigten Routen im aktuellen Schwierigkeitslimit 9a+, das weltweit bisher lediglich eine Handvoll Kletterer durchbrechen konnten.

Die 40m lange Linie mit durchzieht den gesamten zentralen Wandbereich des Sektors „El Pati“ im spanischen Siurana. Die Linie ist immer präsent: ob von der Zufahrtsstraße aus, von den umliegenden Sektoren oder vom darüber liegenden Ort Siurana.

Die von Alexander Huber erschlossene und 1994 bis ins obere Wandviertel durchstiegene Linie wartete lange Zeit auf ihre vollständige Befreiung. Eine ganze Dekade später war es der spanische Spitzenkletterer Ramon Julian Puigblanque, dem als Erstem das Kunststück gelang, alle der nahezu 100 Züge am Stück zu klettern.

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Viele namhafte Kletterer hatten sich in der Zeit danach an der Route versucht. Viele scheiterten an den speziellen Anforderungen, welche die Route hinsichtlich der erforderlichen Kombination von Ausdauer und Maximalkraft an potentielle Wiederholer stellte. Einzig der Spanier Edu Marin und der Amerikaner Chris Sharma sollten die Route in den Folgejahren wiederholen und die von Ramon angegebene Schwierigkeitsbewertung 9a+ bestätigen.

Nach dem abdrängenden und technisch sehr anspruchsvollen Einstiegsriss (etwa 8a+/8b) – die Schwierigkeit ist im Übrigen sehr abhängig von den Bedingungen – folgt eine etwa 20m lange, athletische Wandkletterei mit Einzelstellen, die volle Konzentration erfordern. Die zusammen etwa 30 m vom Einstieg aus ergeben damit eine solide 8c, bevor man den Ruhepunkt vor der Schlüsselpassage nach etwa ¾ der Wandhöhe erreicht.

Die anschließende, kleingriffige und extrem kraftraubende Platte fordert noch einmal alles: das dynamische Anklettern eines Untergriffes von einer sehr kleinen Seitleiste, den Zug von einer Mikrozange in ein Zweifingerloch. – Die Platte für sich dürfte mit den Schwierigkeiten eines 8a-Boulders vergleichbar sein. Danach geht es an einem Verteiler-Loch neben der alten Kette mittels eines Toehooks abwärts-kreuzend nach rechts, um über die folgende kleingriffige Platte noch 5 m gerade hoch zur Umlenkung zu gelangen.

La Rambla… – eine optisch wie auch sportlich unvergleichliche Herausforderung also…

Am 02.05.07 gelang Andreas Bindhammer die dritte Wiederholung der Route, am 06.05.07 dann der benachbarte Extremklassiker Broadway 8c+/9a (ehemals 9a) nach insgesamt nur drei Versuchen.

Interview mit Andreas Bindhammer

Was bedeutet für dich die Wiederholung von La Rambla?

„La Rambla“ ist – neben „Realization“ – die wohl weltweit bekannteste Route im obersten, derzeit bestätigten Schwierigkeitsgrad. Zudem ist es eine beeindruckende, natürliche Linie, die schon allein optisch reizt. Die Vielzahl an bekannten Namen unter den Wiederholern und Aspiranten, die an ihr schon gescheitert sind, bestätigt diesen Eindruck noch zusätzlich. Es hat mich schon stark motiviert, mich auch an der Route zu versuchen. Dass die Begehung trotz der widrigen Witterungsumstände – doch noch geklappt hat, freut mich mehr als alles andere. Wegen der unbeständigen, feuchten Witterung in Spanien fehlte mir kurz vor der erfolgreichen Begehung dann die Zeit und ich musste schließlich – unterstützt von meinem Sponsor EDELRID – noch meinen Rückflug umbuchen und den Aufenthalt um eine Woche verlängern. Zwei Tage nach dem geplanten Abflugtermin hat es dann geklappt – bei 14° C, am kältesten Tag unseres Aufenthaltes in Spanien, dem 2.Mai…

Bist du ganz gezielt, nur wegen der La Rambla nach Siurana gekommen?

Im März machte ich bereits eine Art „Sondierungsbesuch“ in Siurana. Ich wollte mich nach den winterlichen Kunstwand- und Campusboard-Einheiten wieder an den Fels gewöhnen. An einem Tag ging ich Bouldern ins nahegelegene Bouldergebiet El Cogul, am anderen versuchte ich mich in den Routen von Siurana. Natürlich kam ich dabei nicht umhin, auch die mir bis dahin völlig unbekannten Züge der „La Rambla“ zu checken. Ich hatte mir dabei vorgenommen, mich einen Tag lang ganz intensiv und ausgiebig nur damit zu beschäftigen.

Es war recht warm an dem Tag und der unangenehme, offene Riss am Einstieg machte mir gewaltige Probleme. Ich hatte keinerlei Vorwissen über eine Lösung und rieb mich bei der Suche nach der richtigen Abfolge fast auf. Um noch genügend Kraft für die restlichen 90% der Route zu haben, gab ich die Passage fürs erste auf und machte mich nach einer längeren Pause ans Ausbouldern der weiteren Züge. Der Mittelteil der Route bis zum Ruhepunkt vor der Ausstiegsplatte war zwar offensichtlich, brachte meine noch nicht vorhandene Ausdauer aber schnell an ihre Grenzen. Es folgte eine zweite längere Pause. In der dritten Etappe an diesem Tag checkte ich dann die Ausstiegsplatte, die Schlüsselpassage der Route. Mit der Erkenntnis, dass mir zwei Einzelzüge in der Ausstiegsplatte und die Einstiegspassage noch komplett schleierhaft waren, musste ich den harten Bouldertag beenden.

Jeder vernünftig denkende Mensch hätte unter diesen Umständen die Route wohl für immer aus seinem Gedächtnis gelöscht…

Nach einem Ruhetag bekam die Route eine zweite Chance. Als der Einstiegsriss nach kurzer Zeit eine recht gewagte, aber kletterbare Lösung preisgab – wenn auch ohne stabile Position zum Einhängen der Zwischensicherung – keimte etwas Hoffnung auf. Im oberen Teil fand ich für die erste Problemstelle schließlich auch eine Lösung: ein Handwechsel mit Hilfe eines Heelhooks brachte den Glauben an die Kletterbarkeit der Route zurück. Den fehlenden Zug in den bekannten Untergriff konnte ich zwar nicht klettern, aber so ansetzen, dass ich mir vorstellen konnte, ihn in entsprechend erholtem Zustand machen zu können. Platt und mit schmerzenden Fingern beendete ich die zweite Begegnung mit „La Rambla“.

Kurz vor Ende des ersten Aufenthaltes in Siurana gelang es mir bei guten Bedingungen, den unteren Teil der Route bis zu Beginn der Schlüsselpassage zu durchsteigen. Die Unterarme waren jedoch so dicht, dass an ein Weiterklettern nicht zu denken war. Mir war klar, dass ich völlig erholt an diesem Punkt ankommen musste, damit ich in der nächsten Passage eine Chance hätte…

Aber mein Entschluss stand fest – ich wollte zurück kommen. Und ich wusste auch, dass mir die Route alles abverlangen würde.

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Hast du dich danach speziell auf die Route vorbereitet?

Dazu blieb mir kaum Zeit. Nach meiner Rückkehr standen der Lehrgang zum internationalen Routensetzer und der damit verbundene Einsatz auf dem Boulderweltcup in Erlangen auf dem Programm. In der verbleibenden Zeit beschäftigte ich mich mit kleingriffigen Problemen an den Allgäuer Boulderblöcken, in der Hoffnung, den noch fehlenden Untergriffzug nach meiner Rückkehr hinzubekommen. Am Tag vor meiner Abreise nach Spanien gelangen mir noch zwei 8a+ fb Boulder – in etwa den Schwierigkeiten der Passage in La Rambla entsprechend. So gesehen habe ich mich dann die letzten Tage doch noch speziell vorbereitet.

War diese Art der Vorbereitung also erfolgreich?

Zum Teil schon. Ich hatte zwar keinerlei Ausdauer mehr, dafür konnte ich gleich am ersten Tag nach meiner Rückkehr alle Züge auf Anhieb klettern. Das gab mir enormen Auftrieb. Von den Passagen war ich aber noch weit entfernt…

Das größte Problem war es also, die nötige Ausdauer zu bekommen?

Naja, die reine Ausdauer zu bekommen, wäre nicht das Problem gewesen. Sie zu trainieren, ohne die Maximalkraft für die Ausstiegspassage – sicher vergleichbar mit einem 8a-Boulder – zu erhalten, das war die Schwierigkeit dabei. Ich denke, dass gerade diese Kombination aus Ausdauer und der enorm schweren Passage am Ende der Route die geringe Anzahl an Wiederholungen erklärt.

Wie hast du diesen Konflikt gelöst?

Ich habe versucht, möglichst wenige, dafür aber sehr intensive Versuche zu machen. Nach dem Aufwärmen wollte ich einen Versuch machen, soweit ich mit meiner Ausdauer kommen konnte. Nach dem ersten Hänger wollte ich dann jede der folgenden Passagen 3x versuchen, mit je 2-3 Minuten Pause. Nicht öfter, um die Haut zu schonen und Verletzungen zu vermeiden. Aber mindestens 3x, um einen Aufbau-Effekt zu erzielen.

Du hast also versucht, die Modalitäten der Trainingslehre am Fels umzusetzen?

Es war einen Versuch wert – ich sah keine andere Chance, mich in der verhältnismäßig kurzen Zeit für die speziellen Anforderungen der Route in Form zu bringen. Außerdem – warum sollte etwas, das an der Kunstwand funktioniert, nicht auch am Fels klappen…?

Du sagst, du „wolltest“ das „so machen…“ – was lief schief? Hat die Trainingslehre in dem Fall versagt?

Die ersten vier Tage lief alles wie geplant, ich machte einen Versuch, danach boulderte ich wie geplant die Passagen. Nach einer einstündigen Pause konzentrierte ich mich rein auf die Passagen, ohne dabei einen Versuch zu machen. Das Ganze wiederholte ich dann noch einmal – danach Ausklettern.

Es lief ganz nach Plan – doch dann kam der Regen und machte mir einen Strich durch die Rechnung. Eine Woche lang blieb der Ausstieg komplett nass, der untere Teil war extrem feucht, der Riss am Einstieg nicht mehr kletterbar. Entweder bei Regen die letzten noch verbleibenden trockenen Wandflächen nutzen oder in den Boulderraum – Letzteres erschien dann doch sinnvoller…

Jetzt wurde natürlich die Zeit knapp. Es verblieben noch etwas mehr 1 ½ Wochen. Bisher konnte ich noch keinen sinnvollen Versuch starten. Kaum war der letzte Wasserstreifen aus der Schlüsselpassage verschwunden, legte ich die Griffe trocken und markierte die entscheidenden Tritte. – Die Passagen gehen alle auf Anhieb.

Im darauf folgenden Versuch erreichte ich den Ruhepunkt recht entspannt. Beim Zug zum besten Griff der Schlüsselpassage falle ich knapp ab – der erste sinnvolle Versuch war gemacht… Bis auf den Zeitverlust hatte der Trainingsplan also geklappt.

Du musstest deinen Aufenthalt ja nochmals verlängern und deinen Rückflug umbuchen – am Ende waren es zwei Tage, die dir noch zum Erfolg gefehlt hatten. Wusstest du schon vorher, dass du die Route innerhalb von drei Wochen schaffst?

So etwas kann man nie vorhersagen. Bei optimalen Bedingungen hätten zwei Wochen wahrscheinlich ausgereicht. Ich hatte drei Wochen geplant, um einige Regentage in Kauf nehmen zu können oder kleinere Hautverletzungen auszukurieren. Dass das Wetter so extrem schlecht werden würde, hatte ich nicht für möglich gehalten. Bis zuletzt war jeden zweiten Tag der Ausstieg abgewaschen. Zieht man die Regentage ab, habe ich ziemlich genau zwei Wochen lang Versuche in der Route gemacht.

Was war das für ein Gefühl, als du nach der erfolgreichen Begehung die Kette eingehängt hast?

Es war irgendwie fast unwirklich… An dem Tag war es extrem kalt, etwa 14°C, die Luft fühlte sich sehr feucht an, bei Aussteigen aus dem Auto konnte man sogar den Atem sehen. Nachdem der erste Versuch an dem Tag ganz gut, aber nicht wirklich vielversprechend gewesen war, war ich wirklich überrascht, dass ich den Zug in den Untergriff noch machen konnte. Die Anfeuerungsrufe der vorbeilaufenden Kletterer spornten mich noch zusätzlich an – jetzt musste ich noch einmal alles geben. Den Zug in das Zweifingerloch hatte ich gerade zuvor noch einmal optimiert, ich durfte nicht so frontal stehen, sonst wurde die Drehung zu stark.

Als ich dann das Loch dann traf, das ich an den Tagen zuvor (bei besten Bedingungen) bereits zweimal verfehlt hatte, spulte ich den Ausstieg wie in Trance ab. Selbst die Kletterer auf der gegenüberliegenden Talseite hatten ihre Route unterbrochen, um auf den letzten Metern noch anzufeuern. Als ich die Kette eingehängt hatte war ich unglaublich erleichtert und befreit. Dass es gerade jetzt klappen würde, hätte ich nie gedacht…!

Nach deiner Wiederholung von Abysse im letzten Herbst hast du einen Bewertungsvorschlag von 9a/a+ abgegeben. Wie siehst du Abysse im aktuellen Vergleich zu La Rambla, einer bestätigten 9a+?

Die beiden Routen zu vergleichen, ist nur schwer möglich. Der Charakter ist extrem unterschiedlich. „Abysse“ ist sehr resistent, ohne wirklichen Ruhepunkt und einer Gesamtlänge von 40 Zügen. Die Belastungszeit liegt bei etwa 5-6 Minuten. Routen mit Zangengriffen kommen mir sehr entgegen.

„La Rambla“ hat sehr schwere Passagen mit extrem schweren Einzelzügen, dafür aber auch gute Ruhepunkte. Nach fast 80 Zügen beginnt die schwerste Passage, bei einer Gesamtlänge von etwa 95 Zügen. Die Belastungszeit liegt bei 25-30 Minuten. Routen mit schweren Einzelzügen kommen mir nicht sehr entgegen, zumal die Züge recht weit sind.

Mein Eindruck ist, dass beide Routen für mich persönlich etwa die gleiche Schwierigkeit haben, da sie mit einem ähnlichen Aufwand verbunden sind. Wobei die „La Rambla“ durch die Länge mental deutlich belastender ist, da man bis zur Schlüsselpassage 20 Minuten unterwegs ist und schon eine solide 8c hinter sich gebracht hat.

So unterschiedlich sie auch sind – ich halte beide Routen jedenfalls für die faszinierendsten Linien, die ich bisher geklettert bin.

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Fotos & Bildrechte:
Xandi Kreuzeder – www.xandikreuzeder.de