Dezember 2009. Es schneit. Florian Riegler fährt mit dem Auto von Bozen Richtung Gampenpass, auf der Suche nach einem neuen gefrorenen Abenteuer...

Gratta e Vinci: 120 Meter Mixed Erstbegehung am Gampenpass

Einige Stunden lang laufe ich die ganze Gegend ab. Ich werde immer nasser, müder und zorniger, weil ich nur Bäume und Schnee sehen kann! Ich spiele bereit mit dem Gedanke wieder umzukehren und nach hause zu fahren, als ich plötzlich vor einer vereisten Wand stehe. Ich deponiere meinen Rucksack mit meinem Material untern der Wand und steige in der Dunkelheit wieder ab.

Fotostrecke: Erstbegehung von Gratta E Vinci (M10, WI 5)

Fotos: © Tamara Lunger

3 Tage später komme ich mit Hannes wieder. Wir steigen ein. Ein Mix aus Schnee, Fels und Eis verlangt uns einiges ab. Am Ende des Tages seilen wir müde und durchgefroren wieder ab. Doch der Anfang ist geschafft und diese ersten beiden Seillängen sind ein wahrer Genuss.

Beim nächsten Anlauf versuchen wir die folgenden schwierigen Meter zu meistern. Ich klettere gerade einige Meter oberhalb der letzten Sicherung, als mir plötzlich ein „friend“ ausbricht und ich ins Seil stürze. Ich schrei laut, Hannes fragt ob ich mich verletzt habe.“Alles okay“, antworte ich etwas schockiert klettere aber dann weiter. Ich bin froh, als ich endlich einen sicheren Standplatz bauen kann. Nun dürfte es nicht mehr weit sein, ein oder zwei Seillängen vielleicht. Für heute haben wir aber beide genug und wir seilen ab.

Nächster Versuch: Diesmal ist Tamara mit dabei. Es ist sehr kalt doch die Eisverhältnisse gut. Wir klettern bis zum letzen Standplatz hoch, um dort weiter zu klettern. Unser Ziel ist es heute den Ausstieg zu erreichen, noch ungefähr 50 Meter sind dabei zurückzulegen. Eine sehr schwierige Länge steht uns bevor.Es läuft gut, ich kann das Dach überwinden und klettere die heiklen Eispassagen weiter. Nach über 30 schweißtreibenden Metern erreiche eine kleine Nische und sichere Tamara nach. Nun folgen nur noch einige Meter Fels, dann stehen wir im Schnee und steigen aus. Geschafft!

2 Tage später. Die 5 Seillängen warten noch auf eine „rotpunkt – Begehung“. Ich steige mit meinem Bruder zum Einstieg hoch. Ich habe die meisten schwierigen Stellen gut in Erinnerung und hoffe diese möglichst fehlerlos zu klettern. Ich klettere langsam und sicher, was eher ungewöhnlich für meinen Stil ist. Es läuft gut und die ersten drei Seillängen schaffe ich problemlos. Jetzt kommt die Schlüsselseillänge.

Ich bin etwas nervös als ich unters Dach hinkomme, bin mir über die richtigen Griffkombinationen nicht sicher und muss improvisieren. Es kommt mir vor ich verliere das Gefühl für Zeit und Raum. Ich klettere einfach. Auf einmal stehe ich beim Standplatz. Ich hatte heute Glück, dass meine Eispickel nie vom Fels und dünnen Eis abrutschten.

Sehr zufrieden sichere ich Martin nach. Wenig später sind wir oben. Heute haben wir bei „Gratta e Vinci“ gewonnen!

Gratta e Vinci Info

  • Erstbegehung Florian Riegler mit Hannes Lehmyer und Tamara Lunger
  • Erste Rotpunktbegehung Florian mit Martin Riegler 21. Dezember 2009
  • Schwierigkeiten M10, WI 5
  • Zustieg vom Gasthaus „Gfrill“ auf halber Stecke Richtung Gampenpass in 30 min zum Wandfuss. Der Eisfall ist von der Strasse aus gut sichtbar.
  • Abstieg rechts haltend 15 min zurück zum Einstieg absteigen
  • Übersicht die Route wurde von unten mit Bohrhaken abgesichert. Alle Standplätze sind gut.
  • Kletterlänge 5 Seillängen, ca.120 Meter
  • Material 10 Express-Schlingen, 2-4 Eisschrauben, 2-3 mittelgroße Friends

Sponsoren Florian Riegler: Salewa, La Sportiva, Sportler, Grivel, Bio Südtirol