Ein
ganz gewöhnlicher Herbst in New Hampshire. Von wegen. Sieben
Gringos hatten sich aufgemacht, die Felsen rund um Rumney zu
stürmen. Die Amerikanos liessen nicht lange auf sich warten.
Sieben Musketiere und Amerika gibt’s doch – Ein Duell zwischen
Ost und West.

Es hatte sich schnell herumgesprochen: Die
Mammut Youngsters David Lama, Cédric Lachat, Remo Sommer, Nina
Caprez, Christina, Daniel und Thomas Schmid würden im Oktober
für zwei Wochen in New Hampshire klettern. Das wollte sich die
amerikanische Szene nicht entgehen lassen und die Prominenz gab sich
ein Stelldichein im messerscharfen Granit von Rumney.

„Kurz
und boulderig!“ War der Routenbeschrieb, den Mammut Teamchef Pascal
Brönimann vor der Abreise an seine Cracks weiter gegeben hatte.
„Kräftige Boulderrouten im Granit entsprechen genau meinem Stil“,
freute sich der Bündner Remo Sommer schon im Voraus auf die
Rumney-Felsen. Das war noch vor den Komplikationen mit der dünnen
Haut und dem Flugticket.

Die dünne Haut
„Flug
viel zu früh!“ Schreibt Nina Caprez ins Rumney-Tagebuch. Um
fünf Uhr morgens fliegt das ganze Team ab Kloten nach Mailand und
weiter nach Boston. Dort wird der amerikanische Einreisemodus
kurzerhand zum Stolperstein. Fingerabdrücke sind gefragt. „Aber“,
so Nina, „wir Kletterer besitzen einfach zu wenig Haut!“ Der Herr am
Einreiseschalter versucht’s mit Fett – und scheitert. Daniel
stempelt alle fünf Finger ab – es bringt auch nichts. Zum Schluss
muss die Argumentation „we are climbers“ reichen. Mit drei
Geländemobilen geht’s erst Mal ins Hotel mit Jaccuzi. Die
Felsen und Häuschen im Wald von Tenney Mountain müssen noch
eine Nacht warten. „Baden, bis die Finger weich sind!“ Lautet das Motto
an diesem Abend.

Am Limit
„Klettern
bis die Finger schmerzen!“ Ist das Motto der folgenden zwei Wochen.
Nach zwei Tagen im Granit von Rumney steht fest: „Ein Ruhetag muss
her!“ Der Fels ist für die Europa- Crew
gewöhnungsbedürftig, die Routen ebenfalls. „Onsight oder
Flash geht hier fast nichts“, meint Fliegengewicht Christina Schmid.
Der extrem kompakte Fels und die vielen Leisten und Aufleger
würden den Kletterern alles abverlangen, bestätigt auch ihr
Bruder Thomas.

Cédric findet: „Die Felsen sind wie die
grossen Boulder im Tessin – sehr anspruchsvoll!“ Das hält die
Jungs jedoch nicht davon ab, ein paar der schwierigsten Routen Rumneys
zu klettern. Cédric Lachat checkt bereits am ersten Tag die
bekannte 8c+-Route „Livin Astro“ aus. Remo und Thomas klettern beide
eine 8b, David Lama sogar zwei. Überhaupt ist der erst
15-jährige Innsbrucker unermüdlich. Zehn Routen klettert er
täglich und alle im 8a bis 8c+-Bereich. „Er klettert permanent am
Limit und erholt sich superschnell“, meint Nina bewundernd auf ihren
Teamkameraden angesprochen.

Lauffeuer
Auch
die Amerikaner zeigen sich begeistert. „Die haben uns schon gratuliert,
wenn wir eine 7c geklettert sind oder eine 8a auschecken konnten“,
meint Nina lachend. Bis zu zwei Stunden würden sich die
Einheimischen zum Teil an einer Route probieren. „Ich glaube die haben
dort ihre Lebensprojekte“, schmunzelt Nina. Erfolge sprechen sich in
Rumney dementsprechend schnell herum. Die Europäer entfachen
gleich mehrer Lauffeuer. Sowohl Cédric wie auch David klettern
„Livin Astro“, Thomas mit „Feeding Frenzy“ eine 8a+/8b, Remo mit
„Riviera“ eine 8b. Daniel flasht „Predator“ (8a), Christina „Butt Bongo
Fiesta“ (7c+), die Nina später wiederholt und mit „Muscle Beach“
und „Technosurfing“ zwei weitere Routen im 7c+-Bereich anfügt.

Fiesta, fiesta?
Mit
Daniel Woods und Vasa Vorotnikov stossen bald zwei amerikanische
Rumney-Experten zum Team und geben sinnvolle Tipps zur Routenwahl. Das
Gebiet erstreckt sich über mehrere Quadratkilometer, die richtigen
Routen zu finden ist trotz Topo nicht immer einfach. Mehr „kopflos
drauflos“ als „bequem mit System“ ging’s am ersten Tag noch auf
Routensuche. Der enorme Klettereifer kommt der Gruppe nicht immer
zugute. „Nachdem wir den ganzen Wald gesehen haben, finden wir zum
Schluss tatsächlich auch noch eine Felswand“, scherzt
Cédric über Thomas’ Topo-Lesequalitäten. Der
Teamgeist ist trotzdem gut.

Fürs leibliche Wohl sorgen
Davids Eltern Rinzi und Claudia Lama. Das Häuschen im Wald ist
zwar etwas ab vom Schuss aber sonst ganz ok. „Unsere Eltern mussten
sich jedenfalls keine Sorgen machen. Da war weit und breit nichts als
Wald und Fels!“ Findet Thomas lachend. „Eine superschöne
Herbstlandschaft. Lauter Bäume und so“, schickt Christina nach.
Wie das Bild von Ninas „no hander“, der Sprung von der 20 Meter
Brücke und die Gamblers-Night in diese Idylle passen und wie Remo
doch noch nach Hause kam ist in dann wohl eine andere Geschichte.

Siehe auch:
www.mammut.ch