Bisher war das mitteldeutsche Flachland für die meisten ein blinder Fleck auf der Boulderlandkarte. Die neue Datenbank Free-Solo.de zeigt in ansprechendem Design, was rund um Halle/Saale so alles geht.

Free Solo Site - ScreenshotDass es in der Region Halle-Leipzig viele richtig gute Steinbrüche zum Klettern gibt, sollte sich mittlerweile herum gesprochen haben. Von einer aktiven Boulderszene weiß in der Regel keiner. Dabei sind mittlerweile an die 500 Probleme des rotgelben Felsenlandes erschlossen. Halle ist der Mittelpunkt dieser Welt, die bis Magdeburg im Norden, Naumburg im Süden, bis zum Kyffhäuser im Westen und zum Muldetal im Osten reicht. Harte Züge an kleinen Leisten im Porphyr, athletische Lochkletterei im Sandstein oder Highballs beim Buildering – in Mitteldeutschland geht einiges!

Mit viel Liebe zum Detail hat der Lokalmatador Tino Kluge die Datenbank Free-Solo.de zusammengestellt und dabei vor allem Wert auf Optik und Übersichtlichkeit gelegt. Neben vielen schönen Topos, wie man sie sonst nur aus gut gemachten Kletterführern kennt, ist jeder Boulder mit einem Foto und einer Kurzbeschreibung versehen. Eine Top30-Liste und die Möglichkeit, Kommentare abzugeben, runden die Sache ab. Langfristig soll das Projekt in einen Boulderführer münden.    

Das Bouldern in Mitteldeutschland weist einige Besonderheiten auf: In Halle gibt es zum Beispiel echten Fels mitten in der Stadt. Eine Viertelstunde vom Zentrum entfernt haben die Hallenser mit dem Galgenberg  einen parkähnlichen Steinbruch, der unter anderem mit dem schwersten Boulder der Region aufwartet.
Insgesamt reichen die Schwierigkeiten bisher bis sächs. Xc, was ungefähr einer FB 7a+/7b gleich kommt. Die sächsische Bewertung ist in Halle und Umgebung historisch gewachsen. Auswärtige finden auf der Seite eine Vergleichstabelle.

Für die Macher von Free-Solo.de ist Bouldern Klettern in seiner unbeschwertesten Form: Reine Bewegungsästhetik ohne jeglichen technischen "Ballast". In diesem Sinne begreifen sie auch Deep Water Solos als ausdauernde Boulder über einem riesigen, nassen Crashpad. Und mit den in der Datenbank aufgeführten Wassersteinbrüchen am Kautzenberg und dem Spielberg haben die Mitteldeutschen geeignete Spielplätze quasi vor der Haustür.

Die Erschließungswelle hält dank des großen Felsangebotes weiter an. Mit Nebra und dem Hobleau bei Wurzen sind in den letzen Jahren  sogar die ersten reinen Bouldergebiete entstanden. Nebra bietet dabei für die Region eher untypische, athletische Kletterei an Sandsteinüberhängen. Und im sogenannten Hobleau kann man an verwittertem Porphyr, der ein bisschen an Granit erinnert, Sloper und Leisten pressen. Free-Solo.de ist noch lange nicht vollständig, aber Woche für Woche wächst die Seite. In Zukunft soll sie die Plattform sein, auf der alle Fäden der mitteldeutschen Boulderwelt zusammen laufen.