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Steve House im Gespräch über sein Projekt “Alpine Mentors”

Steve House gehört zu den besten Bergsteigern und Kletterern der Welt. Erfolge wie die Besteigungen der Slowakischen Direkte am Denali, des Nanga Parbat über die Rupalwand oder des Westgipfels am K7 füllen sein Tourenbuch. Vor drei Jahren erschütterte ein lebensgefährlicher Kletterunfall seine persönliche Sicht auf seine Leidenschaft - das Besteigen der Berge.

DAV: Bergführer, die für das deutsche Expedkader-Programm arbeiten, berichten, dass es ihnen nicht leicht fällt, ein Gleichgewicht in der Ausbildung zu finden, das ihnen ermöglicht, die Nachwuchsalpinisten "von der Leine zulassen", um ihre Grenzen auszutesten, gleichzeitig aber dafür zu sorgen, dass das Klettern sicher bleibt. Das ist etwas Neues für sie: für sie tritt in der Kader-Ausbildung ein viel stärkeres Gefühl von Verantwortung zu Tage als im Bergführer-Alltag. Haben Sie das in Ihren Teams auch beobachtet?

Ja, natürlich.

DAV: Und wie gehen Sie mit diesem Aspekt in Ihrer Arbeit um?

Ich möchte, dass die jungen Kletterer Fehler machen, einen Preis für ihre Fehler bezahlen, aber ohne sich dabei zu verletzen. Ein Beispiel: Im Oktober 2013 waren wir in den Alpen klettern und die Gruppe entschied sich dafür, die Überschreitung des Rochefortgrates von der Pointe Helbronner zu den Grandes Jorasses zu versuchen.Die Gruppe hatte keinen Orientierungsplan ausgearbeitet, verlor die Strecke und konnte die Hütte nicht finden. Ich wusste gegen 15:00 Uhr, dass wir die Hütte nicht erreichen. Aber ich ließ sie bis 21:00 Uhr gehen, lange nachdem es dunkel wurde. Dann übernahm ich und führte uns zu einer Gletscherspalte, wo wir bis zum Morgen bivakierten. Niemand wurde verletzt.

Wir litten, aber weil wir zusammen waren, war es fast schon Spaß. Nach dieser Erfahrung werden sie auf keinen Fall vergessen, wie wichtig ein guter Navigationsplan und eine gute Zeitplanung sind. Sie zahlten einen hohen Preis, eine Nacht in einer Gletscherspalte. Das ist eine Lektion, die keiner von ihnen je vergessen wird.Als Mentor will ich, dass sie bis an die Grenze gehen, aber das müssen wir alle tun, um lernen zu können. Aber sie müssen ihre Fehler überleben. Es ist eine schwierige Aufgabe. Aber sie ist notwendig, damit der Alpinismus weiter wachsen und sich entwickeln kann.

DAV: Wie profitieren die Mentoren von dieser Art der Arbeit? Welche Erfahrungen haben Sie bisher gemacht?

Es ist wirklich inspirierend, die Berge durch die Augen der jungen Kletterer zu betrachten. Nach so vielen Jahren Bergsteigen in der ganzen Welt, verlor ich etwas von dem "wow"-Gefühl, das ich vor 15, 20 Jahren hatte. Ich denke, das könnte etwas von der unterbewussten Motivation für mich gewesen sein, Alpine Mentors zu gründen.Nach meinem Unfall und nach so vielen Schmerzen, habe ich mir wirklich die Frage nach dem Wert des Kletterns gestellt und war kurz davor, meine Motivation fürs Klettern zu verlieren. Und damit war ich dabei, mein eigenes Ruder zu verlieren, den Nordstern, den ich nutze, um mein Leben zu führen. Die Arbeit mit den jungen Kletterern hat mir diese beiden Dinge zurückgegeben: die Motivation für meine eigenes Klettern und ein größeres Verständnis für den Wert, den das Klettern für mich hat (und hatte).

DAV: Sie sprechen und schreiben viel über Werte und das Teilen miteinander. Warum ist das wichtig im Bergsteigen?

Warum nur übers Bergsteigen sprechen? Zu verstehen, warum wir eine gute und starke Auswahl von Werten haben und in der Lage sein sollten, mit anderen in einer ehrlichen, klaren Art und Weise zu kommunizieren, das sind zwei der schwierigsten und wichtigsten Aspekte im Leben.

DAV: Was ist Ihr persönlicher Wunsch für die Teilnehmer, nachdem sie 2014 die Ausbildung beendet haben?

Ich hoffe, dass sie verstanden haben werden, wie man Alpinismus ausübt, und das als eine lebenslange Aufgabe. Ich hoffe, dass sie am Ende wissen, wie man überlebt, und wie man zu schätzen und genießen lernt, auf Berge zu steigen.

Über Alpine Mentors

Das Motto des Programms: Helping to train the next generation of alpinists. Im 2-Jahresrhythmus können sich junge Bergsteiger aus aller Welt auf das Programm von Steve House bewerben. Die Trainer, die auf unterschiedlichen Trainingscamps dabei sind, arbeiten alle ehrenamtlich für das Projekt. Die Teilnehmer müssen ihre Unkosten bisher zum Großteil eigenfinanzieren. Da sich das Programm aber im Aufbau befindet und es bereits immer mehr Sponsoren und Spendengelder gibt, kann es in diesem dynamischen Prozess noch Veränderungen geben.

Alpine Mentors wird unterstützt von: Polartec, Grivel, Outdoor Research, Patagonia, La Sportiva, Asolo, MSR sowie durch zahlreiche private Spendengelder.

Aktuelle Infos finden Sie auf der Alpine Mentors-Webseite: http://www.alpinementors.org

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