Es geht immer weiter bergauf für Deutschlands beste Wettkampfkletterin: Nachdem sie sich in dieser Saison kontinuierlich in den Ergebnislisten nach vorne gearbeitet hatte, schrammte Juliane Wurm am vergangenen Wochenende beim Weltcup in Eindhoven (NED) nur hauchdünn an ihrem ersten Weltcupsieg vorbei.

Boulder Weltcup Eindhoven: Platz 2 für Juliane Wurm

Mit dem zweiten Platz hinter der wieder zur alten Stärke auferstandenen Anna Stöhr (AUT) holte Juliane nichtsdestotrotz ihr bestes internationales Ergebnis bislang und kletterte über alle drei Runden beeindruckend souverän.

Fotostrecke: Boulder Weltcup Eindhoven: Platz 2 für Juliane Wurm

Fotos: © Jorg Kemner, Udo Neumann

Bereits in der Qualifikation standen für die Wuppertalerin alle Zeichen auf Erfolg: Zusammen mit Alex Johnson (USA) und Melissa Le Neve (FRA) war Juliane die einige Starterin, die alle 5 Qualifikationsboulder im ersten Versuch klettern konnte – damit konnte sie mit ordentlich Selbstvertrauen ins Halbfinale am nächsten Tag gehen.

Trainer Udo Neumann war sich schon zu Beginn der Saison sicher gewesen: „Juliane ist von der Physis eine der – wenn nicht die stärkste Wettkampfboulderin im Circuit – mit ein bisschen mehr Erfahrung und Abgebrühtheit ist bei ihr alles drin.“Wie abgebrüht die Abiturientin aus Wuppertal wirklich ist, zeigte sie dann im Halbfinale, in dem sie als Einzige alle 4 Boulder klettern konnte – damit gelang ihr nicht nur locker nach Vail (USA) ihr zweiter Weltcup-Finaleinzug in diesem Jahr, sondern sie musste auch als letzte der 6 Damen im Finale auf die Matte.

Udo Neumanns Kommentar zur Manier, in der Juliane diese 4 Halbfinaloulder kletterte: „Wahnsinn – absolute Weltklasse!“ Kleiner, aber verschmerzbarer Wermutstropfen: Durch den Finaleinzug verpasste sie ihren Abiball am Abend – ihre Klassenkollegen hatten aber zumindest die Gelegenheit, Juliane per Livestream in Eindhoven zuzuschauen.Neben Wurm hatten es auch noch die ebenfalls immer stärker werdenden Französin Melissa Le Neve, Anna Stöhr (AUT), Natalija Gros (SLO), Akiyo Noguchi (JPN) sowie die Italienerin Jenny Lavarda ins Finale geschafft. Als letzte Starterin durfte Juliane unter den Anfeuerungsrufen der komplett angereisten Familie an die Wand und zeigte hier erneut eine sehr  starke Performance.

Auf ihrer Website beschreibt sie ihre Finaleindrücke so: „Im Finale lief es dann noch einmal richtig gut: erster Boulder flash, im zweiten als einzige die Zone, den dritten Boulder im vierten Versuch und im letzten war ich dann leider ein bissl platt…“ So waren es am Ende dann leider nur die Versuche zu viel, die Juliane den Sieg kosteten – mit zwei Flashs holte sich Anna Stöhr gleich nach ihrem Sieg in Moskau erneut 100 Punkte für die Weltcup-Gesamtwertung.

Auf dem dritten Rang landete Melissa Le Neve, deren Formkurve in diesem Jahr ähnlich steil nach oben zeigt wie die Julianes. Sie benötigte noch einen Versuch mehr als Juliane für ihre zwei gekletterten Boulder. Auf Rang vier folgte mit weiteren drei Versuchen mehr die Japanerin Noguchi vor Natalja Gros und Jenny Lavarda.

Mit diesem sensationellen Ergebnis unterstrich Juliane nicht nur ihr absolutes Weltklasseniveau sondern sorgte auch noch für ein solides Punktepolster in der Weltcup-Gesamtwertung, in der sie aktuell den hervorragenden fünften Platz belegt. Mit ihrem Sieg führt nun Anna Stöhr vor Akiyo Noguchi und Chloe Graftiaux (BEL).In den zwei noch ausstehenden Weltcups der Saison ist nun für Juliane noch alles drin – rechnerisch kann es Juliane sogar noch auf das Weltcup-Gesamtwertungs-Podium schaffen. Wenn sich ihre Erfolgsserie so fortsetzt wie bisher, müsste  demnächst auch noch ein Sieg folgen – dafür würde sich doch perfekt der Heimweltcup zum Saisonabschluss in München anbieten…

Stefan Danker zeigt seine Klasse

Bei den Herren gab es ebenfalls ein hervorragendes Resultat für den DAV zu vermelden: Stefan Danker (Landshut) holte sich sein bestes Weltcup-Ergebnis bislang und verpasste als Achter nur um einen Versuch das Finale der besten sechs.Nach der Qualifikation hatte Danker schon mit dem zehnten Platz Erwartungen geweckt; im Halbfinale konnte er dann sogar noch einen Gang zulegen und sich zwei Plätze nach vorne schieben. Damit zeigte der Landshuter, dass auch er an einem guten Tag unter die weltbesten Boulderer klettern kann und konnte endlich ein verdientes Topresultat bei den Herren einfahren.

Weniger gut hingegen lief es leider wieder einmal für Jonas Baumann (Wuppertal): Während seine Freundin Juliane Wurm in Halbfinale und Finale glänzte, musste er leider zusehen. Mit einem 55. Platz und damit seinem schlechtesten Weltcup-Ergebnis überhaupt konnte er natürlich nicht zufrieden sein.Ein wenig scheint für ihn in dieser Saison der Wurm drin zu sein – mit Schulterverletzung und Platzierungen, die weit, weit unter seinen Fähigkeiten liegen, scheint er sich gerade in ein kleines Loch geklettert zu haben. Hier bleibt nur zu hoffen, dass sich zum einen die Verletzung wieder bessert und zum anderen vielleicht wieder über einen gezielten Neuaufbau zur EM wieder die alte Stärke zurückkommt.

Das Rennen in Eindhoven machte bei den Herren ein alter Bekannter, der aber seit zwei Jahren nicht mehr auf einem Weltcuppodium gestanden hatte: Dmitry Sharafutdinov (RUS) sicherte sich knapp vor dem stark kletternden Kanadier Sean Mc Coll und Kilian Fischhuber (AUT) den Sieg.Damit bleibt das Rennen um den Gesamtweltcupsieg weiterhin spannend: Adam Ondra (CZE), Gewinner des letzten Weltcups in Moskau, landete auf dem vierten Platz und bleibt Fischhuber auf den Fersen. Dritter im Rennen um die Weltcupkrone ist der Japaner Tsukuru Hori – die nächsten beiden Weltcups werden hier erst die endgültige Entscheidung bringen.
<br />Der dritte deutsche Herr im Bunde, Mathias Conrad (Zweibrücken) zeigte mit dem 27. Platz in Eindhoven eine solide, wenn auch weiter ausbaufähige  Leistung – er sammelt weiter Weltcup-Erfahrung und schafft es hoffentlich in dieser Saison auch noch einmal in die Runde der 20 Halbfinalisten.

Gelegenheit dazu gibt es für ihn sowie die anderen Mitglieder des Nationalteams bereits am kommenden Wochenende beim Weltcup in Sheffield (GBR). Danach gibt es für die Weltcupboulderer eine kleine Wettkampfpause, die nur vom Rock Master in Arco unterbrochen wird, bevor am letzten Juliwochenende in München die Gesamtweltcupsieger gekürt werden.