Österreichs Ausnahmekletterer im Bouldern - Kilian Fischhuber und Anna Stöhr - zeigen beim Boulderweltcup in Vail starke Leistungen.

Boulderweltcup 2010: Fischhuber und Stöhr klettern in Vail (USA) aufs Podium

Fischhuber erkämpft im Herrenbewerb mit einer famosen Leistung trotz zweiter starker Handicaps (Fußverletzung und grippaler Infekt) einen starken dritten Platz und baut die Führung im Gesamtweltcup aus. Bei den Damen klettert Anna Stöhr mit dem zweiten Platz in Vail erstmals in der Saison 2010 aufs Siegerpodest und holt im Gesamtweltcup dadurch deutlich auf.

Fotostrecke: Boulderweltcup Vail 2010

Fotos: © Heiko Wilhelm

Nachdem das ÖWK-Boulderteam letzten Sonntag direkt vom Boulderweltcup in Wien zur nächsten Weltcupstation nach Vail/Colorado flog, konnten die ÖWK¬Athlet/innen rund um Teamcoach Heiko Wilhelm in Amerika die Zeitumstellung durch die lange Umstellungsphase optimal verkraften und noch ein paar sehr gute Trainingseinheiten zur Vorbereitung auf den Boulderweltcup in Vail durchführen.

Boulder-Weltcups in Amerika unterscheiden sich vom Charakter des Routenbaus immer wieder deutlich von denen der europäischen Bewerbe. Teamcoach Heiko Wilhelm dazu: „Die Boulder in Amerika haben einen anderen Charakter als bei den Bewerben in Europa. In Amerika werden die Boulder von den amerikanischen Routenbauern viel brachialer und "einfach zum Ziehen" geschraubt. Dies ist natürlich eine Umstellung für unsere Athleten.“

Die Qualifikation verlief aus Österreichischer Sicht trotzdem zufriedenstellend. Bis auf Lukas Ennemoser -der mit Platz 9 beim Weltcup in Wien vorige Woche sein Potenzial aufblitzen ließ ¬und Katharina Saurwein -die beim Weltcupauftakt in Greifensee (SUI) mit Platz 5 ein gelungenes Comeback feierte – schafften alle ÖWK-Athlet/innen den Einzug ins Halbfinale.

Zehenverletzung und grippaler Infekt schwächen Fischhuber bereits vor dem Bewerb
Kilian Fischhuber hat sich bereits am letzten Donnerstag, am rechten Fuß die Zehe im Teamhotel angeschlagen (Ringfinger-Zehe). Ein stark geschwollener, blauer Zeh war die Folge. Als wäre das nicht schon Handycap genug, kam in der Nacht vor der Qualifikation noch ein grippaler Infekt hinzu.

ÖWK-Physiotherapeut Isele Klaus zu Kilians Verletzung: „Wir können noch nicht definitiv sagen ob der Zeh gebrochen ist oder nicht. Dies werden die weiteren Untersuchungen ergeben. In der Zwischenzeit wurden physiotherapeutische Maßnahmen angewandt sowie Schmerzmittel zur Linderung der Schmerzen während des Wettkampfs verbreicht.Auf alle Fälle war Kilian enorm gehandycapped, er mit dem rechten Fuß kaum auftreten kann.“Trotz dieser starken Beeinträchtungen zeigte Fischhuber seine große Klasse beim Weltcup in Vail.

Mit Platz 8 in der Qualifikation schaffte er locker den Halbfinaleinzug. Im Halbfinale, das Samstagabend mitteleuropäischer Zeit stattfand, biss Kilian Fischhuber erneut die Zähne zusammen und schaffte als Vierter den Einzug ins Finale der besten sechs Herren.Im abschließenden Finale, das nach mitteleuropäischer Zeit in der Nacht von Samstag auf Sonntag stattfand, steigerte sich Fischhuber erneut und erkämpfte sich mit einer beeindruckenden kämpferischen Leistung den dritten Platz. Der Sieg im Herrenbewerb ging an den Amerikaner Daniel WOODS vor dem Japaner Tsukuri HORI.

Damenbewerb: Anna Stöhr starke Zweite
Im Damenbewerb zeigte Anna Stöhr beim Boulderweltcup in Vail, dass mit ihr wieder stark zu rechnen ist und sie mit den „amerikanischen“ Boulderproblemen bestens zurecht kommt. Stöhr ließ sowohl in der Qualifikation als auch im Halbfinale nichts anbrennen und zog als Erstplatzierte ins Finale der sechs besten Damen ein.

Im abschließenden Finale musste sich die 22-jährige Tirolerin nur der Belgierin GRAFTIAUX Chloé hauchdünn geschlagen geben. Die Belgierin konnte ebenfalls wie Anna Stöhr drei von vier Finalbouldern lösen, benötigte hierfür jedoch 1 Versuch weniger. Platz drei im Damenbewerb ging an Juliane WURM (GER). Sabine Bacher wurden im Halbfinale zwei kleine Fehler zum Verhängnis, womit sie sich schlussendlich mit Platz 16 begnügen musste.

Vorstiegsweltmeisterin Johanna Ernst verletzt
Der Damenbewerb wurde aus Österreichischer Sicht von der Verletzung der amtierenden Vorstiegsweltmeisterin Johanna Ernst getrübt. Johanna Ernst, die in der Qualifikation enorm stark unterwegs war, fiel beim letzten Qualifikations-Boulder vor dem Top heraus und knickte mit dem linken Fuß unglücklich um, sodass sie sich am Sprunggelenk verletzte.

Nach einer sofortigen Behandlung durch ÖWK-Physiotherapeut Klaus Isele und einem Röntgen im Krankenhaus in Vail, dürfte es sich bei der Verletzung vermutlich um eine Verletzung der Seitenbänder handeln. Genaue Untersuchungen folgen am Montag, wenn das Team vom Weltcup in Vail nach Österreich zurückkehrt. In der Zwischenzeit erfolgen bereits physiotherapeutische Maßnahmen um einen optimalen Heilungsprozess zu ermöglichen.

Resümee vom Teamcoach Heiko Wilhelm:
„Eine turbulente Woche liegt hinter uns. Die Verletzungen von Johanna Ernst und Kilian Fischhuber sind natürlich bitter und trüben die Stimmung. Wir hoffen jedoch dass beide glimpflich davon kommen und raschest möglich wieder einsatzfähig sind. Anna Stöhr konnte ihr Können beim Bewerb diesmal perfekt umsetzen. Kilians Leistung war unter den Umständen grandios. Vor allem wenn man bedenkt, dass der Bewerb auf einer Seehöhe von 2.500 Metern über die Bühne ging.

Ergebnis Herren:
1 Woods Daniel USA
2 Hori Tsukuru JPN
3 Fischhuber Kilian AUT
4 Kruder Jernej SLO
5 Kaiser Francois FRA
6 Jongeneelen Wouter NED

Weitere Österreicher:
36. Ennemoser Lukas AUT -(OeAV Innerötztal)

Ergebnis Damen:
1 Graftiaux Chloé BEL
2 Stöhr Anna AUT
3 Wurm Juliane GER
4 Puccio Alex USA
5 Johnson Alex USA
6 Ansade Maud FRA

Weitere Österreicherinnen:
16.Bacher Sabine AUT -(OeAV Innerötztal)
20. Ernst Johanna AUT -(OeAV Innsbruck)
24. Saurwein Katharina AUT -(OeAV Innsbruck)