Franken und Klettern, das ist miteinander verbunden wie Chalk mit Bag, und auch die Unterfranken, die von den eigentlichen Felsen ein wenig weiter entfernt wohnen, sind durchaus kletterbegeistert.

Deutscher Sportklettercup 2010: Thomas Tauporn und Juliane Wurm siegen in Würzburg

Davon konnte man sich am vergangenen Wochenende im DAV Kletterzentrum Würzburg überzeugen, als die deutsche Kletterelite zum Finale des Sportklettercups 2010 antrat. Hierzu hatten sich 26 Damen und 41 Herren eingefunden – zum Jugendcup am Sonntag noch einmal weitere 89 Jugendliche.

Fotostrecke: Deutscher Sportklettercup 2010 in Würzburg

Fotos: © Sebastian Lindemeyer, Norbert Lau

Während für die Youngsters noch ein weiterer Wettkampf aussteht, bis die besten 8 jeder Altersklasse für die Deutsche Meisterschaft Ende November feststehen, ging es für die Damen und Herren in Unterfranken bereits um die sprichwörtliche Wurst.

Neue und alte Gesichter überzeugen bei den Damen

Bei den Damen wartete die erste Überraschung in der Qualifikation: Die zuvor Führende im Sportklettercup, Luisa Neumärker (SBB), musste sich unerwarteterweise mit dem neunten Platz und damit der Zuschauerrolle im Finale zufrieden geben. Dafür lief es für einige neue und alte Namen umso besser: Marion Mannheim (Koblenz) sorgte bei ihrem ersten nationalen Lead-Wettkampf gleich für Aufsehen und zog souverän ins Finale ein.

Ebenso die nach langer Wettkampfpause wieder ins Geschehen eingestiegene Natalie Sailer (Augsburg). Nur zwei Damen gelang es, beide Qualifikationsrouten zu toppen: Ines Dull (Allgäu-Kempten) und Juliane Wurm (Wuppertal) hatten erwartungsgemäß keine Probleme in den ersten beiden Runden. Die Finalistinnen wurden komplettiert durch Julia Winter (SBB), Saskia Schuster (Frankfurt), Luisa Deubzer (München-Oberland) und Denise Plück (Köln-Rheinland).

Knapp – aber wieder einmal: Wurm ganz oben!

Die acht Damen durften dann auch als erste im Finale an die Wand – die Halle war mittlerweile randvoll und die Stimmung absolut finalwürdig. Als erste Finalistin konnte Marion Mannheim gleich eine beeindruckende Höchstmarke setzen, die auch von den danach folgenden Damen nicht überklettert werden konnte. Sowohl Saskia Schuster, Denise Plück, Luisa Deubzer als auch Julia Winter konnten Mannheims Höhe nicht erreichen.

Erst Natalie Sailer übernahm schließlich mit der gleichen Höhe wie Mannheim, aber dem besseren Qualifikationsergebnis, den Platz auf der Leaderbank. So blieben nur noch die beiden zuvor top gekletterten Damen Dull und Wurm. Letztere musste ungewohnterweise als Vorletzte an die Wand und kam hier auch deutlich weiter als zuvor Sailer, schaffte es aber nicht, die Umlenkung einzuhängen.

So hatte es die quirlige Allgäuerin Dull in der Hand, ihren ersten Sportklettercup zu gewinnen: Zuerst lief alles nach Plan für Dull und sie schraubte sich Griff um Griff an die Höchstmarke von Wurm heran, bevor ihr aber einen halben Zug vor der Messlatte die Puste ausging. Damit gab es einen weiteren Sieg für Juliane Wurm – wenn auch so knapp wie schon lange nicht mehr. Platz drei sicherte sich Natalie Sailer vor Marion Mannheim und Julia Winter.

Routentechnische Vielfalt in der Herrenquali

Auch bei den Herren gab es bereits in der Qualifikation die eine oder andere Überraschung: Christian Bindhammer (Allgäu-Kempten) beispielsweise erwischte einen rabenschwarzen Tag und musste auf Rang 21 deutlich abgeschlagen nach der Quali in die Zuschauerränge. Sonst eigentlich immer für den Finaleinzug gut, kam er an diesem Tag einfach nicht in die Gänge.Ebenso erging es Markus Jung (Siegerland), für den ebenfalls mit Rang 18 nach der Qualifikation Schluss war. Die beiden Qualifikationsrouten der Schraubercrew Christoph Müller, Timo Preussler, Maxi Wörner und Peter Lelek fragten dabei alle relevanten Kletterskills ab: Auf die technische und bewegungslastige erste Quali folgte eine athletisches Boulderroute im zweiten Durchgang.

Am besten zu recht mit den Anforderungen kamen fast erwartungsgemäß Thomas Tauporn (Schwäbisch-Gmünd), Jan Hojer (Frankfurt) und Markus Hoppe (SBB), den auch ein immer noch lädierter Fuß nicht von zwei Topbegehungen in der Quali abhalten konnte. Außerdem hatten sich noch Alexander Megos (Erlangen) und Felix Neumärker (SBB) mit zwei fehlerfreien Durchgängen für das Finale der besten 8 qualifiziert.Für den Landshuter Stefan Danker – Gesamtsieger des Sportklettercups 2009 – wurde es hingegen noch spannend: Nachdem er in der zweiten Quali ein wenig geschwächelt hatte, erreichte er „nur“ als Sechster das Finale. Komplettiert wurde die Finalriege durch Youngster Sammy Adolph (München-Oberland) und Tobias Gartmann (Stuttgart).

Stromausfall und Superfinale

Zum finalen Showdown wartete dann eine lange vertikale Reise auf die Finalisten: Es ging im „Riesenslalom“ (O-Ton der Moderatoren) durch die Wettkampfwand, gewürzt mit Sprüngen und interessanten technischen Stellen an Volumen – die Routenbauer hatten hier ganze Arbeit geleistet und boten eine der spektakulärsten DSC-Finalrouten der letzten Jahre.Hier taten sich dann einige der zuvor fehlerfrei gekletterten Kandidaten sichtlich schwer: Sowohl für Felix Neumärker als auch für Alexander Megos war bereits nach gut der Hälfte der Route Schluss. Auch Stefan Danker schien nach seinen internationalen Boulder-Einsätzen noch nicht wieder ganz an seine alte Seilform herangekommen zu sein: Er musste sich am Ende mit Platz vier zufrieden geben.

Anders hingegen erging es dem gehandicappten Markus Hoppe, der sich trotz Schmerzen im Sprunggelenk deutlich vor Danker platzieren konnte und sich den dritten Rang sicherte. Gegen zwei war an diesem Tag allerdings kein Kraut gewachsen: Jan Hojer, zuvor bei den internationalen Wettkämpfen noch vom Pech verfolgt, hat anscheinend wieder zu einer Topform zurück gefunden.Diese hat immer noch Kollege Tauporn, für den die Weltcupsaison ja noch nicht beendet ist. Beide konnten mit der gleichen Wertung das Finale beenden – Tauporn kletterte davon noch eine Minute in Dunkelheit nach Stromausfall – so dass es schließlich hieß: Superfinale!

In der gleichen Route wie zuvor ließ Tauporn dann nichts mehr anbrennen und kletterte noch einmal 10 Züge weiter als zuvor, während Jan Hojer seinen persönlichen Stromausfall hatte und an seinem vorherigen Höchstpunkt erneut fiel. So holte sich „Shorty“ nicht nur einen weiteren Sportklettercup-Sieg sondern als erster deutscher Mann auch Siege bei nationalen Lead-/ Boulder- und Speedcups innerhalb eines Jahres. Das war zuvor nur Juliane Wurm 2007 bei den Damen gelungen!

Zur Siegerehrung auf dem wahrscheinlich stylishsten Siegerpodest der Welt – einem von hinten beleuchteten Plexiglaspodest mit DAV-Logo – gab es dann nicht nur die Tagessieger zu ehren, sondern auch die Gesamtwertung im Sportklettercup 2010. Hier holten sich bei den Herren Alexander Megos vor Jan Hojer und Markus Hoppe die Siegerschecks, bei den Damen konnte sich trotz knappem Final-Aus Luisa Neumärker über den Gesamtsieg freuen. Zweite wurde Luisa Deubzer vor Ines Dull.