Am 18. September gelang der Alpinistin Ines Papert als erster Frau die Rotpunkt-Begehung der Route „Letzte Ausfahrt Titlis“ (8a+, 10-). Damit schaffte sie den insgesamt vierten Durchstieg der 13 Seillängen langen, noch jungen und extrem schwierigen Tour von Stefan Glowacs in der Titlis Ostwand. Eindrucksvoll beweist die amtierende Weltmeisterin im Eisklettern, dass auch ernsthafte alpine Felsklettereien keinesfalls vor ihr sicher sind.

Die Ostwand des Titlis in der Zentralschweiz mit ihrem markanten Pfeiler hatte Ines Papert schwer beeindruckt: „Für mich stellte „Die letzte Ausfahrt Titlis“ den großen Klettertraum für den Sommer 2004 dar. Ich wusste, die Tour würde für mich die bisher größte alpine Herausforderung bedeuten: 13 anspruchsvolle Seillängen und Bohrhakenabstände, in denen unkontrollierte Stürze in nicht immer kompaktem Fels eigentlich verboten sind.“

Ines Papert blieb ein etwas längerer Weg zu ihrem Ziel nicht erspart. Fünf mal fuhr sie zum Titlis und kletterte dort mit unterschiedlichen Seilpartnern. „Insgesamt 7000 Zustiegshöhenmeter aufs Grassenbiwak, immer wieder die Suche nach Kletterpartnern und Babysittern, eine Standleitung zum Innsbrucker Wettergott, sowie die lange Anreise von Bayern und einige Bußgelder für zu schnelles Fahren“, erzählt sie, „aber ich wollte mein Ziel nicht aufgeben.“

Schließlich drängte die Zeit immer mehr. Auf 3000 Meter Höhe stand der Wintereinbruch vor der Tür. Der fünfte Besuch am 18. September 2004 sollte dann doch die Entscheidung bringen. Nach acht Stunden harter Arbeit stand sie mit Thomas Steinbacher glücklich auf dem Gipfel. Davor lag noch ein zehn Meter tiefer Sturz wegen eines ausgebrochenen Griffs. Neben lädierten Nerven führte er zum Glück nur zu einer Prellung. Aber die 30-jährige Bergsteigerin aus Bad Reichenhall blieb cool: „Seil abziehen und eine kurze Pause, dann hatte ich die Situation wieder im Griff und konnte auch die verbleibenden Längen sturzfrei ­ wenn auch sehr verhalten ­ vorsteigen.“

Dank ihres Durchhaltevermögen ging Ines Paperts Sommertraum doch noch in Erfüllung. „Mein Dank und Respekt gilt den Erstbegehern. Sie haben eine sehr schöne Route am Titlis hinterlassen, die meine Psyche extrem auf die Probe gestellt hat. Jetzt kann ich mich bequem in meinem Bürostuhl zurück lehnen.“

Man darf gespannt sein, welche Winterpläne die von Black Diamond und Arc'Teryx gesponserte Athletin in ihrem Bürostuhl ausbrütet. Denn die Vergangenheit lehrt: Lange bleibt sie dort nicht still sitzen.

Weitere Informationen unter www.ines-papert.de

Siehe auch:
Letzte Ausfahrt Titlis: Erste Wiederholungen
Glowacz und Dorfleitner eröffnen Neutour in den Schweizer Alpen