Am 10. Mai 2007 gelang dem Schweizer Kletterer Matthias Trottmann die Begehung der Extrenklassiker Route „Enfant de Boehme“ (8c) am Chuenisberg im Basler Jura. Die 21 Jahre alte Route wurde von Wenzel Vodicka eingerichtet. Erstbegehen konnte sie vor 11 Jahren am 6. September 1996 Frederic Nicole.

Matthias Trottmann über seine Begehung:
TrottmannFür mich war es ziemlich überraschend, dass ich Enfant de Bohème schneller als erwartet klettern konnte. Über die letzten zwei Jahre verteilt, war ich je zwei Tage in der Tour. Für den Durchstieg hatte es jedoch noch nicht gereicht. Anstatt des gewohnten Klettertrainings über die Wintermonate, bauten ich und fünf weitere Kollegen mit viel Enthusiasmus die erste Boulderhalle in Zürich – das Minimum (www.klettern.ch). Somit verhiess mir mein Kletterniveau keinen schnellen Erfolg.

Vielmehr half ich fast jeden Tag und nach Feierabend, tatkräftig an der Realisation unseres Boulderhallenprojekts mit. Daher fand ich kaum Zeit zum klettern oder trainieren. Ende März war es aber endlich so weit, und die Halle konnte mit einem grossen Fest eröffnet werden. Zufrieden mit dem handwerklichen Resultat, konnte ich mich wieder etwas mehr dem Klettern widmen :-).

TrottmannIm April war das Wetter beängstigend perfekt. Selbst der häufig feuchte Chuenisberg im Basler Jura trocknete schnell ab. Ich startete die Klettersaison mit einer Ausbouldersession in Enfant de Bohème, nur um mich einmal vom Zustand der Route zu überzeugen. Sie war schon fast trocken. Die Züge konnte ich zu meiner Überraschung bereits am ersten Tag perfekt automatisieren. Was aber noch fehlte, war die für diese Art der Kletterei so notwendige Résistance (Maximalkraftausdauer). Ich gab mir drei weitere Tage im Chuenisberg und in Enfant. Die Ausdauer verbesserte sich merklich. Der dritte Tag sah mich dem Umlenker schon sehr nah. In den darauf folgenden Tagen keimte in mir eine altbekannte Nervosität, die mir bei schweren Projekten schon manches Mal fast einen Strich durch die Rechnung gemacht hätte

Noch drei weitere Tage am schönen Chuenisberg, dann beschloss ich aber die Taktik zu ändern. Nach einem kurzes Aufwärmen in einer der benachbarten 6b-Touren, bin ich einfach mal in Enfant losgeklettert. Die Rechnung ging auf! Nur schon eine halbe Stunde nach der Ankunft am Fels konnte ich den Umlenker klippen und ich war erlöst. Damit feiert Enfant de Bohème nach der letztjährigen Begehung durch Christian Bindhammer nun die elfte Begehung, und dies elf Jahre nach der Erstbegehung durch Frederic Nicole.

Fazit des Ganzen:

Boulderhallen bauen macht Spass! Und das Anheben und Hochstemmen von schweren Holzplatten ist mein neuer Geheimtip für ein optimales Wintertraining (mindestens zehn Übungen pro Abend über drei Monate verteilt). Wer noch immer an dieser Theorie zweifelt, dem sei durch meine Erfahrung versichert: Spätestens im Frühjar bis du so verrükt nach Fels, dass der Rest der Form sich von alleine ergibt…

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Siehe auch:
Neue Bestleistungen am Fels durch Christian Bindhammer
Neue High-End Alpinroute „6,4 Sekunden“ (8b+) in der Schweiz
Letzte Ausfahrt Titlis: Erste Wiederholungen