PRESSEMITTEILUNG
Naturschutz und Klettersport ziehen am selben Strang

Klettersport
und Naturschutz müssen keine grundsätzlichen Gegensätze
sein. Eine gemeinsame Erklärung des Naturschutzbundes NABU
Baden-Württemberg und des Landesverbandes des Deutschen
Alpenvereins (DAV) soll sicher stellen, dass Tiere und Pflanzen an
Felsen ungestört leben können und der Klettersport im Land
naturverträglich gestaltet wird. Nach teilweise heftigen
Kontroversen um Felsen, die in den 1990ern sowohl von Klettersportlern
als auch vom Naturschutz reklamiert wurden, sehen beide Verbände
heute in einer Zusammenarbeit den besseren Weg, um zu ausgewogenen und
funktionierenden Lösungen zu kommen.

„Das gemeinsame Kletterpapier legt den Grundstein für eine
vertrauensvolle und hoffentlich langfristige Kooperation“, erklärt
Stefan Rösler, NABU-Landesvorsitzender. Statt der rigorosen
Durchsetzung von Verfügungen, die nicht funktionierten, werde nun
eine neuer Weg beschritten. Jürgen Christ, Vorsitzender des
DAV-Landesverbandes, betont: „DAV und NABU haben gemeinsame Ziele: Eine
intakte und erlebbare Natur liegt im beiderseitigen Interesse.“

Die Verbände haben sich auf eine Reihe von Grundsätzen
geeinigt, die für eine konfliktfreie Umsetzung von
Kletterregelungen sorgen sollen. An besonders wertvollen und sensiblen
Felspartien mit Brutplätzen oder gefährdeten Pflanzen, soll
ganz auf das Klettern verzichtet werden. Daneben werden flexible
Regelungen favorisiert. So sollen Felsen nur zur Brutzeit oder auch nur
teilweise gesperrt werden, wenn Wanderfalke, Kolkrabe, Uhu und Co.
dabei erfolgreich brüten. Ideal sind „win-win-Lösungen“. Das
heißt der Schutz der Natur am Fels soll profitieren und
gleichzeitig werden dem Klettersport an unsensiblen Felsen optimale
Möglichkeiten eröffnet. „Dann werden Kletterer
Einschränkungen auch akzeptieren“, so Christ. Noch gibt es
Kletterfelsen, an denen die gültigen Regelungen nicht akzeptiert
werden, und dadurch weder die Klettersportler noch die
Naturschützer zufrieden sein können, wie etwa im oberen
Donautal. In diesen Fällen sollen die Kletterregelungen gemeinsam
hinterfragt und eventuell neu gestaltet werden, wie dies beispielsweise
2004 am Schaufelsen geschehen ist.

„Dem NABU geht es darum, im Geist der neuen Partnerschaft zu
vernünftigen Lösungen zu kommen“, so NABU-Chef Rösler.
Zusammenarbeit statt Konfrontation solle die Devise sein. Als
vertrauensbildende Maßnahme wollen beide Verbände
künftig auch Kooperationsprojekte durchführen, z. B.
gemeinsame Aktivitäten der Jugendorganisationen NAJU und JDAV, die
Einrichtung eines Felslehrpfads oder gemeinsame Exkursionen in
Klettergebiete.

Ein jahrelang schwelender Konflikt zwischen Naturschutz und
Klettersport soll dadurch dauerhaft entschärft und im Idealfall
gelöst werden. Das Biotopschutzgesetz von 1992 gab den Startschuss
für einen mancherorts erbittert geführten Streit um die
Felsen im Land. Laut Rechtslage waren die Felsen im Land per se
geschützt, ihre Nutzung bedurfte einer Ausnahmeregelung. Die
Kletterverbände fürchteten durch die neue Rechtslage um den
Zugang zu Felsen und verwiesen auf eine teilweise hundertjährige
Tradition des Kletterns. Auf der anderen Seite sahen sich die
Naturschutzvertreter in ihrem Ringen um den Schutz der Felsen durch den
Gesetzgeber bestätigt und pochten auf das neue Recht. Der Konflikt
war vorprogrammiert: Der Naturschutz hielt den Kletterern
überzogenes Anspruchsdenken, die Kletterer dem Naturschutz
unbegründetes Käseglockendenken vor. Langsam aber sicher ist
die Eiszeit, die zwischen Naturschützern und Kletterern geherrscht
hat, nun einer konstruktiven und Ergebnis orientierten Zusammenarbeit
gewichen.

Mehr zum Thema sowie das pdf der Vereinbarung finden Sie ab etwa 14 Uhr unter www.nabu-bw.de