Die Hauptversammlung des Deutschen Alpenvereins (DAV) ist vorbei. Am 10. und 11. November 2017 haben rund 600 Delegierte aus 356 DAV-Sektionen engagiert debattiert und richtungsweisende Entscheidungen getroffen.

DAV-Hauptversammlung 2017 (c) DAV
DAV-Hauptversammlung 2017 (c) DAV

Zwei Themen standen dabei im Mittelpunkt und wurden besonders intensiv diskutiert: Die Digitalisierungsoffensive und die Schwächung des Alpenplans. Gastgeberin der Veranstaltung war die DAV-Sektion Siegerland.

Resolution für den Erhalt des Alpenplans

Einen Tag vor Beginn der DAV-Hauptversammlung hat der Bayerische Landtag beschlossen, den Alpenplan massiv zu schwächen. Den Delegierten war es sehr wichtig, hier noch einmal ein deutliches Zeichen zu setzen. Die folgende Resolution wurde daher einstimming beschlossen:

Der Deutsche Alpenverein protestiert gegen den Beschluss des Bayerischen Landtages vom 09.11.2017 zur Änderung des Alpenplans. Dieser schwächt den seit über 45 Jahren bewährten Alpenplan und schafft einen Präzedenzfall für weitere Erschließungsprojekte. Kurzfristige wirtschaftliche Interessen werden damit über den notwendigen nachhaltigen Schutz der Natur gestellt. Der Deutsche Alpenverein stellt die Rechtmäßigkeit dieser Entscheidung in Frage und wird für die Erhaltung des Alpenplans kämpfen.

Die DAV-Digitalisierungsoffensive kommt

Auf den ersten Blick scheint der DAV vom digitalen Wandel nicht sehr stark betroffen – Bergsport ist schließlich eine ziemlich analoge Beschäftigung. Bei genauerem Hinsehen entscheidet sich aber genau daran seine Zukunft: Der DAV besteht aus 356 eigenständigen Sektionen, die Mitgliederzahl steigt seit vielen Jahren kontinuierlich an.

Eine effektive und effiziente Kommunikation in diesem wachsenden Netzwerk sowohl nach innen als auch nach außen ist ohne Digitalisierung nicht zu schaffen. Das hat bereits die Hauptversammlung vor einem Jahr festgestellt und eine Arbeitsgruppe beauftragt, ein Konzept zur digitalen Fitness des DAV zu erarbeiten. Vorgelegt hat die Arbeitsgruppe eine „Digitalisierungsoffensive“, die die Hauptversammlung mit überwältigender Mehrheit beschlossen hat.

Das sind die Eckpunkte:

  • Aufbau einer gemeinsamen digitalen Plattform für die wichtigsten Verwaltungsaufgaben (Mitgliederverwaltung, Kursorganisation, Ausrüstungsverleih etc.)
  • Aufbau eines modularen Systems für Sektions-Websites

Einige große Projekte zur Digitalisierung des Alpenvereins laufen bereits. Über den Fortgang der beiden jüngsten Projekte „Alpenvereins-Wiki“ und „edelweissBOX“ wurden die Delegierten informiert. Beim einen handelt es sich um eine gemeinsame digitale Kommunikations- und Wissensplattform, die noch im Aufbau befindlich ist. Das andere ist ein Web-to-Print-Portal, das für die Sektionen ab sofort zur Verfügung steht.

Jugend bekommt mehr Mitbestimmung

Die DAV-Hauptversammlung hat mit großer Mehrheit eine neue Musterjugendsektionsordnung verabschiedet. Die Folgen dieses sehr abstrakt und trocken klingenden Vorgangs sind ausgesprochen konkret und wichtig, denn damit bekommen die jungen Menschen im DAV deutlich mehr Mitsprache. Wichtigster Baustein ist die Einführung von Jugendvollversammlungen auf Sektionsebene. Dort soll in allen Sektionen die Meinungsbildung der jungen Menschen im Verein und im Verband stattfinden.

Mitglieder der Jugend des Deutschen Alpenvereins (JDAV) sind alle DAV-Mitglieder bis zu 27 Jahren und alle Jugendleiter, Jugendrefererentinnen, Jugendausschussmitglieder.

Mehr Förderung für einfache Hütten und für Mittelgebirgshütten

Alpenvereinshütten sind zentrale Bestandteile der alpinen Infrastruktur; ihre Erhaltung, ihr Betrieb und ihre Sanierung stellen die Sektionen vor große Herausforderungen. Deshalb gibt es ein umfangreiches Fördersystem vom Bundesverband in Richtung Sektionen. Dieses System muss sich freilich geänderten Rahmenbedingungen immer wieder anpassen. Diese Anpassungen haben die Delegierten mit großer Mehrheit beschlossen:

  • Mehr Flexibilität: Die Ertragssituation der einzelnen Hütten wird stärker als bisher berücksichtigt.
  • Mehr Einfachheit: Winterräume und Biwakschachteln und damit wichtige Stützpunkte fürs klassische Bergsteigen werden stärker gefördert.
  • Mehr Mittelgebirge: Außeralpine Hütten sollen mehr als bislang von Förderungen profitieren.

Umweltgütesiegel für vier Alpenvereinshütten

Seit über 20 Jahren wird das Umweltgütesiegel des Deutschen Alpenvereins, des Österreichischen Alpenvereins und des Alpenvereins Südtirol verliehen. Dieses Jahr durften sich vier Alpenvereinshütten des DAV über diese Auszeichnung als Vorbild in Sachen Umweltschutz freuen: die Höllentalangerhütte (Sektion München), die Plauener Hütte (Sektion Plauen/Vogtland), die Rauhekopfhütte (Sektion Frankfurt am Main) und das Soiernhaus (Sektion Hochland). 124 von insgesamt 588 Alpenvereinshütten tragen nun dieses Siegel. Den Sektionen des Deutschen Alpenvereins gehören 323 öffentlich zugängliche Hütten, verteilt auf die Ostalpen und die Mittelgebirge in Deutschland.

DAV-Hauptversammlung 2017 (c) DAV
DAV-Hauptversammlung 2017 (c) DAV

Verleihung der DAV-Preise und des Grünen Kreuzes

Der DAV-Preis geht in diesem Jahr an zwei Preisträger. In der Kategorie „Ehrenamt“ wird Karl-Heinz „Kalle“ Kubaschka geehrt. Der Vorsitzende der DAV-Sektion Rheinland-Köln erhält die Auszeichnung für sein außergewöhnliches Engagement bei der Aufarbeitung der NS-Geschichte in seiner Sektion. Als Ergebnis des Projektes ist im Jahr 2016 eine 32 Seiten starke Publikation erschienen, wie es sie zuvor im Deutschen Alpenverein auf Sektionsebene nicht gegeben hat.

In der Kategorie „Sport“ wird David Göttler von de DAV-Sektion Bayerland für seine außergewöhnlichen Leistungen im Bereich des Höhenbergsteigens geehrt. Das ehemalige Mitglied im ersten DAV-Expeditionskader betreute seine Nachfolger später fünf Jahre lang als Trainer. Im Mai 2017 durchstieg er die extrem anspruchsvolle Südwand der Shisha Pangma. Dass er auf die letzten Meter zum Gipfel wegen gefährlicher Schneeverhältnisse vezichtete, zeichnet den Göttler als souveränen Spitzenalpinisten aus.

Das Ehrenzeichen „Grünes Kreuz“ für besondere Leistungen in der Bergrettung geht dieses Jahr an Ludwig Lacher von der Bergwacht Oberstdorf. Der Allgäuer ist seit 1974 bei der Bergwacht aktiv und kann mittlerweile auf 3.000 Rettungseinsätzen zurückblicken. Als Ausbilder, Einsatzleiter und Bereitschaftsleiter steht er mit seiner großen Erfahrung und seinem großen Engagement vorbildlich für das Bergrettungswesen im Allgäu.

Der Deutsche Alpenverein verleiht seit 2015 den DAV-Preis und seit 1922 das „Grüne Kreuz“.

Prominente Grußworte

Mit rund 1,2 Millionen Mitgliedern ist der DAV weltweit der größte Bergsportverband. In der Öffentlichkeit, und auch in der Politik ist er als große Organisation für Bergsport und Naturschutz bekannt. Seine Bedeutung spiegelt sich auch darin wieder, wer sich auf der Hauptversammlung mit Grußworten an die Delegierten gewendet hat.

Mit einer ganz persönlichen Erfahrung machte Bernhard Schwank, Leitender Ministerialrat der Staatskanzlei des Landes Nordrhein-Westfalen, deutlich, warum er sich über den Besuch der DAV-Hauptversammlung in Siegen freut: Er ist in diesem Jahr in zwei Tagen auf die Zugspitze gewandert und hat dort ganz unmittelbar erfahren, wie wichtig die Hütten und Wege des DAV sind.

Sehr begeistert zeigte sich auch Volkmar Klein, Mitglied des Bundestages, dass der DAV in seiner Heimatstadt tagt. Immerhin ist er selbst Mitglied, ebenso wie der Bürgermeister der Stadt Siegen Steffen Mues. In seiner Rede erwähnte er die überraschend vielen Möglichkeiten, die die Stadt Siegen für Bergsporlerinnen und Begsportler bereit hält – zum Beispiel den Rothaarsteig, die Kletterhalle, die Boulderhalle und den MTB-Flow-Trail.

Vom DOSB kam viel Lob für die solide aufgestellte Strategie des DAV. Mit Blick auf die doppelte Funktion als Sport- und Naturschutzverband attestierte Vizepräsident Walter Schneeloch richtige Weichenstellungen. In die gleiche Richtung argumentierte Jan Holze, Vorsitzender der Deutschen Sportjugend. Er rief die Delegierten und insbesondere die jungen Menschen im DAV vor dem Hintergrund des Klettersports in Tokyo 2020 dazu auf, ein kritischer Begleiter von Olympia zu sein.

Einen Gruß von den befreundeten alpinen Verbände überbrachte Georg Simeoni, Vorsitzender des Alpenvereins Südtirol. Für seinen Verband betonte er die gemeinsame Geschichte mit dem DAV und insbesondere den Umstand, dass 2019 ein gemeinsamer 150. Geburtstag zu feiern sein wird. Abschließend sprach Ludger Felbecker, Vorsitzender der gastgebenden Sektion Siegen. Er wünschte den Delegierten eine gelungene Veranstaltung und gab ihnen den Appell mit, über den gelungenen Umgang der Stadt Siegen mit einem Konflikt nachzudenken, den der Alpenverein auf seine Weise auch kennt: In Siegen gibt es viel Industrie, und doch ist sie eine der „grünsten“ Städte Deutschlands.

www.alpenverein.de