Gerhard Fiegl, Alexander Blümel und Hansjörg Auer am Nilgiri Süd (c) Archiv Auer
Gerhard Fiegl, Alexander Blümel und Hansjörg Auer am Nilgiri Süd (c) Archiv Auer

Ziel der Expedition war die Besteigung des 6.839 Meter hohen Nilgiri Süd (Erstbesteigung 1978) über die bisher noch unbezwungene Südwand.

Am 25. Oktober gegen 11 Uhr Vormittag erreichten die Profibergsteiger nach drei Tagen äußerst schwieriger und anspruchsvoller Kletterei durch die mehr als 1.500 Meter hohe Südwand erfolgreich den Gipfel.

Mit Sorge stellten Hansjörg Auer und Alexander Blümel bei ihrem Bergkameraden Gerhard Fiegl starke Erschöpfungserscheinungen fest.

Der Zustand von Gerhard Fiegl verschlechterte sich zunehmend, sodass bereits wenige hundert Meter unter dem Gipfel ein weiteres Vorankommen unmöglich erschien und deshalb ein ungeplantes Biwak eingerichtet werden musste. Elias Holzknecht, der in Funkkontakt mit dem Expeditionsteam stand, versuchte während dessen vom Lager aus eine Hubschrauber-Rettungsaktion zu initiieren, was jedoch aufgrund des starken Windes und der Höhenlage unmöglich war.

Fotostrecke: Gerhard Fiegl, Alexander Blümel und Hansjörg Auer am Nilgiri Süd

Hansjörg Auer:
„Am Gipfel lagen wir uns noch in den Armen und freuten uns gemeinsam über die erfolgreiche Besteigung der Südwand. Innerhalb kürzester Zeit war die Situation aufgrund Gerry’s Zustand extrem angespannt.“

Nach der Biwaknacht verbesserte sich der Zustand von Gerhard Fiegl leicht, sodass trotz großer Kälte und starkem Wind der schwierige Abstieg fortgesetzt werden konnte. Am 26. Oktober gegen 14 Uhr verlor Gerhard Fiegl am Südwestgrat des Nilgiri Süd das Gleichgewicht und stürzte vor den Augen seiner Freunde rund 800 Meter in die Tiefe.

Geschockt und schwer gezeichnet von dem Unglück und den Strapazen des schwierigen Abstiegs erreichten Hansjörg Auer und Alexander Blümel gegen 18 Uhr völlig erschöpft den Wandfuß.

Eine vom Expeditionsteam sofort eingeleitete Suchaktion wurde von schlechtem Wetter und starkem Schneefall behindert, sodass diese erst zwei Tage nach dem Unglück Suchflüge mit dem Helikopter durchgeführt werden konnten. Die Suche blieb leider erfolglos.

Am 01. November kehrten Hansjörg Auer, Alexander Blümel und Elias Holzknecht ohne ihren Freund und Bergkameraden Gerhard Fiegl nach Österreich zurück.

Hansjörg Auer:
„Wenn ein langjähriger Freund vor deinen Augen in den Tod stürzt, verliert in diesem Moment alles andere an Bedeutung. Unsere gemeinsame Expedition hätte kein schlimmeres Ende nehmen können. Wir sind alle sehr traurig.“

Alexander Blümel:
„Ich bin sehr sehr traurig über den Verlust unseres Freundes. Aber die Erinnerung an die intensive Zeit, die ich mit Gerry erleben durfte, kann mir niemand nehmen.“

Gerhard Fiegl aus Umhausen im Ötztal wurde 27 Jahre alt. Der Meteorologe und Bergführer war ein ausgezeichneter Alpinist, dem in den letzten Jahren unter anderem in den Westalpen, Patagonien und Alaska zahlreiche schwierige alpine Kletterrouten gelungen sind. Die Berge waren sein zweites zu Hause und seine große Leidenschaft.

Gerry, du fehlst uns!

Hansjörg Auer, Alexander Blümel und Elias Holzknecht

Ötztal, 04. November 2015