Wir, die Jugend des deutschen Alpenvereins (JDAV) Baden-Württemberg e.V. waren nicht direkt am Werdegang des Schaufelsprojektes beteiligt, haben aber das Modellprojekt mit der ausgewogenen Kletter- und Schutzregelung voll unterstützt und tatkräftig bei dessen Umsetzung in zahlreichen Einsätzen geholfen. Die aktuellen Entwicklungen in dieser Angelegenheit sind für uns nicht zu akzeptieren.

Die Jugend des Deutschen Alpenvereins repräsentiert alle Mitglieder bis zum 27. Lebensjahr des weltweit größten Bergsportverbandes, dem Deutschen Alpenverein (DAV). In Baden-Württemberg betrifft das 52 Sektionen und über 500 Jugendleiter als Multiplikatoren der Jugendarbeit und häufig auch des Hauptverbandes. Als eigenständiger Landesverband vermitteln wir jährlich in durchschnittlich 15 Aus- und Fortbildungen an über 800 Teilnehmertagen Kompetenzen für die alpine Jugendarbeit an unsere Jugendleiter. Das Thema „Klettern und Naturschutz“ ist integraler Bestandteil der Kerninhalte und wir bemühen uns den modernen Ansatz des Vertragsnaturschutzes zu pflegen und weiterzuentwickeln.

Beim Projekt Schaufelsen wurde versucht eine für den Naturschutz sowie für den Klettersport fachlich begründete und vermittelbare Neuregelung zu finden. Diesen Ansatz unterstützen wir seit Beginn und engagieren uns im Gebiet Obere Donau im Sinne des Projektes mit folgenden Aktivitäten:

  • Ausbildungskooperation mit der Naturschutzjugend (NAJU) Baden-Württemberg
  • Wegebaumaßnahmen im Gebiet Obere Donau
  • Aus- und Fortbildung mit Themenschwerpunkt „Klettern und Naturschutz“ im Gebiet

Unserer Meinung nach ist es durch den immensen Einsatz der Projektgruppe in enger Zusammenarbeit mit allen Verbänden und Betroffenen gelungen, die ursprünglich gegensätzlichen Ansichten zu einer von allen Seiten akzeptierten Regelung zu vereinen. Dieser Ansatz und der daraus resultierende Kompromiss wurde auch von den Behörden gelobt und zunächst auf Probe umgesetzt. Uns geht es darum, dieses bundesweit als erfolgreich geltende Modellprojekt in eine unbefristete, ausgewogene und konsensfähige Regelung zu überführen. Dabei akzeptieren wir keinen Rückschritt zu einer Sperrpolitik.
 
Die tatsächliche Schutzbedürftigkeit der betroffenen Dohlen ist stark umstritten und die Argumentationslinie unschlüssig. Die Art und der Umfang der anberaumten Sperrungen stehen in keinem Verhältnis zu der herausragenden klettersportlichen Bedeutung des Schaufels in historischer wie geographischer Hinsicht. Temporär, flexibel und kleinräumig gestaltete Sperrungen waren bereits in der Probephase vorhanden und müssen auch weiterhin Bestandteil der Kletterregelung am Schaufels sein. Eine wie vom Regierungspräsidium Tübingen vorgesehene faktisch mehrmonatige Sperrung der gesamten Hauptwand (außer 2 Routen) ist unserer Meinung nach inakzeptabel und stellt für uns ein Scheitern des Projektes dar.
 
Auf der einen Seite arbeiten wir als JDAV mit dem Kultusministerium für Lehrpläne für das Klettern als Schulsport zusammen und andererseits werden die Möglichkeiten an den wenigen noch für den Klettersport offenen Felsen der Schwäbischen Alb weiter eingeschränkt. Dies missfällt uns ebenso wie die erwarteten Verdrängungseffekte der Besucheraufkommen in vergleichbare Klettergebiete in den Alpen und die resultierenden Verkehrsaufkommen. Dies stellt nach unserer Auffassung keine nachhaltige Entwicklung dar. Im Gegenteil scheinen die zuständigen Entscheider die Berücksichtigung nachhaltiger Gesichtspunkte wie bspw. die Partizipation aller Interessensgruppen für eine nachhaltige Wahrung der getroffenen Entscheidungen gänzlich zu ignorieren.
 
Der Schaufels befindet sich in einem Naturpark, dessen Zweck neben der Sicherung der Biotope ebenso die Naturnutzung beinhaltet und verfolgt. Als baden-württembergischer Jugendverband des Bergsportes sehen wir die zukünftige Jugendarbeit in unseren traditionellen Heimatregionen wie dem oberen Donautal gefährdet und fürchten um die pädagogisch unumstrittenen wertvollen Naturerlebnisse.

Die anberaumten Sperrvorhaben stellen für uns einen Vertrauensbruch dar und zerstören das gewonnene Vertrauen der Beteiligten. Für unsere Ausbildungstätigkeit und Jugendarbeit bedeutet das, keine vermittelbare Regelung bieten zu können. Bereits jetzt erfahren wir große Empörung in unseren Kommunikationsplattformen wie Internetforen, Vereinsnachrichten und Gremiensitzungen.
 
Die JDAV setzt sich daher für eine uneingeschränkte Fortschreibung der ausgewogenen Regelung ein und kämpft dafür, dass die heutige Jugend auch in Zukunft durch Klettersport unsere heimatlichen Naturphänomene erleben kann. Wir rufen daher die Behörden auf umzudenken und gemeinsam mit allen Beteiligten nach einer konsensfähigen Lösung zu suchen.
 
Freiburg, 4. März 2008
 
Christian Katlein
Umweltreferent der Landesjugendleitung Baden-Württemberg
i. A. der Landesjugendleitung Baden-Württemberg