In diesem Jahr wurden in Paris die Weltmeister im berühmten Palais Omnisport in Bercy gekürt werden - eine bessere Arena hätten die Veranstalter wohl kaum finden können und so war die Weltmeisterschaft mit zwei ausverkauften Finaltagen und jeweils 7000 Zuschauern eine tolle Werbung für den Klettersport.

Thomas Tauporn Dies sahen hoffentlich auch die Beobachter des Internationalen Olympischen Komitees so, die sich die Weltmeisterschaft im Hinblick auf die Olympia-Bewerbung des Kletterns ganz genau angesehen haben dürften.

Auch aus deutscher Sicht gab es Erfreuliches zu vermelden: Mit Thomas Tauporn (Schwäbisch-Gmünd) holte sich ein DAV-Athlet den Titel des Vizeweltmeisters hinter Sean Mc Coll (CAN) – und das bereits zum zweiten Mal nach 2011! Für dieses Spitzenresultat hatte er zuvor einen 20. Rang im Lead, einen 11. Rang im Bouldern sowie Rang 38 bei den absoluten Speed-Spezialisten erreicht.

Mit seinem Abschneiden in seiner Spezialdisziplin Lead war Tauporn zwar nicht ganz zufrieden, allerdings merkte man auch allen Overall-Starten die Mehrfachbelastung aller Disziplinen, die jeweils auch noch an den gleichen Tagen geklettert werden mussten, an. Den Leadtitel bei den Herren holte sich in spektakulärer Manier Jakob Schubert (AUT), der Sean Mc Coll (CAN) und Adam Ondra (CZE) auf die Plätze verwies. Auch der Damentitel ging an eine Österreicherin: Angela Eiter sicherte sich ihren vierten WM-Titel nach 2005,07 und 2011 vor Jain Kim (KOR) und Johanna Ernst (AUT).

Für das zweite WM-Highlight aus deutscher Sicht sorgte Jan Hojer (Frankfurt) im Bouldern: In einem harten Halbfinale ließ er alle etablierten Bouldergrößen hinter sich und zog sensationell als Führender ins Finale ein. Hier waren nun alle Augen der 7000 Zuschauer auf ihn gerichtet. Hojer, dieses Jahr bereits Dritter beim Weltcup in Vail (USA) und im Sommer durch eine aufsehenerregende Ticklist an Felsbouldern aufgefallen, zeigte sich zuerst unbeeindruckt und flashte das erste Problem, verpasste an Boulder 2 dann aber das Top knapp und schaffte es auch nicht, das Bewegungsproblem an Boulder 3 zu knacken.

Nach einem weiteren Flash an Boulder 4 landete Hojer am Ende auf dem fünften Rang – ein hervorragendes Ergebnis für jemanden, der erst eine Handvoll Boulderweltcups absolviert hat. Der Weltmeistertitel ging einmal mehr an den Russen Dmitrii Sharafutdinov, der wieder einmal punktgenau topfit zur WM aufgelaufen war. Kilian Fischhuber (AUT), dem nur noch der WM-Titel in seiner Titelsammlung fehlt, musste sich mit dem Vizeweltmeistertitel vor Rustam Gelmanov (RUS) zufrieden geben.

Die weiteren deutschen Boulder-Herren hatten das Halbfinale leider verpasst: Jonas Baumann (Wuppertal) landete knapp abgeschlagen auf Platz 23, Mathias Conrad (Zweibrücken) wurde 45.Overall Siegerehrung

Bei den Damen schaffte zwar keine der deutschen Starterinnen den Einzug ins Boulderfinale, Rang 10 für Juliane Wurm (Wuppertal) und Platz 12 für Monika Retschy (München-Oberland) sind dennoch ein mehr als ordentliches Ergebnis für die deutschen Boulder-Damen. Am Ende fehlte beiden DAV-Damen jeweils ein weiterer Boulder zum Finaleinzug. Das Rennen machte schließlich eine echte Überraschungssiegerin: Mit Melanie Sandoz, die zuvor noch nie auf einem Weltcup-Podium gestanden hatte und überhaupt nur zweimal zuvor in einem Weltcup-Finale gestanden hatte, hatten die Franzosen bei der Heim-WM "ihre" Weltmeisterin.

Sandoz kam mit den Finalbouldern am besten zurecht und verwies eine weitere Überraschungskandidatin auf Rang 2: Olga Iakovleva (RUS) hatte nach einer 7-jährigen Wettkampfpause erst in diesem Jahr wieder angefangen, international zu starten und hatte zuletzt 2002 auf einem Weltcup-Podium gestanden. Rang drei indes ging an eine alte Bekannte. Anna Stöhr (AUT) komplettierte das Damen-Podium.

Nach der WM-Premiere 2011 in Arco brachte der DAV auch in Paris wieder ein Paraclimbing-Team an den Start. Bei der WM der Kletterer mit Handicap offenbarten sich jedoch einige organisatorische und praktische Defitzite – hier sah man leider deutlich, dass die Disziplin noch am Anfang ihrer Entwicklung steht. Nichtsdestotrotz wurden auch hier beeindruckende Leistungen gezeigt – das Klettern der Blinden durch Ansage eines Partners am Boden oder die Leistungen der Beinamputierten riss auch die Zuschauer zu Beifallsstürmen hin.Bester Deutscher aus dem Paraclimbing-Team war Thomas Meier (Sulzbach-Rosenberg) in der Klasse der Beinamputierten – der fränkische Altmeister holte sich hier nach einer leider etwas fraglichen Rankingentscheidung den 5. Platz obwohl er eigentlich das Finale der besten 4 hätte erreichen müssen.

Teamkollege Günther Grausam (Passau) errang in derselben Klasse den 9. Rang – für ihn war in der zweiten Qualifikation viel zu früh an einem Längenzug Schluss gewesen. Schade war auch, dass es keine eigene Klasse für querschnittsgelähmte Sportler gab, so dass die Rollifahrer, unter ihnen Sebastian Richter (München-Oberland), in der für sie viel zu harten Route der anderen Klassen antreten mussten und hier überhaupt nur mit Mühe vom Boden abhoben. Damit kam Richter leider nur auf den 22. Rang – eine hangelfreundlichere Route hätte den Rollifahrern wesentlich besser gelegen.

Die Speedtitel gingen in einem Wettkampf, der leider von einigen technischen Pannen gezeichnet war, an Qixin Zhong (CHN) vor Libor Hroza (CZE) und Dmitrii Timofeev (RUS). Schnellste Frau wurde Yulia Levochkina (RUS) in neuer Weltrekordzeit (8.37 sec) vor ihren Landsfrauen Iuliia Kaplina und Natalia Titova.

Als Fazit bleibt eine großartige WM in Paris, die eine echte Werbung für den Klettersport gewesen ist und die sicherlich auch das Bestreben des Kletterns, olympisch zu werden, noch einmal befeuert haben dürfte. Man munkelt auf jeden Fall, dass es den IOC-Beobachtern gefallen haben soll…