„Es ist nach wie vor einfach großartig, wie am Ende alles zusammengespielt hat. Nachdem der Bewerb überhaupt nicht gut begonnen hatte, war das ‚Happy End‘ umso schöner. Es ging alles so schnell, ich muss es nach wie vor verarbeiten und brauche noch, bis ich es richtig realisiere“, sagt der frischgebackene Medaillengewinner nach einer kurzen Nacht.

Im olympischen Kombinationsbewerb lief so ziemlich alles gegen den Innsbrucker, was gegen ihn laufen konnte. Im Speed-Bewerb erhielt mit Adam Ondra (CZE) ausgerechnet ein Medaillenfavorit, der in dieser Disziplin auf dem Papier der schlechteste Athlet ist, in der ersten Runde ein Freilos. Möglich machte dies die Verletzung des französischen Quali-Siegers Bassa Mawem, der nicht antreten konnte.

„Nicht einfach, das auszublenden“

Adam Ondra (c) Dimitris Tosidis/IFSC
Adam Ondra (c) Dimitris Tosidis/IFSC

„Es war sicher nicht optimal gelöst, dass der langsamste Athlet aus der Quali das Freilos bekommen hat. Dass es ausgerechnet Adam war, hat es nicht leichter gemacht. Es war auch nicht ganz einfach, das auszublenden“, so Schubert.

Im Bouldern stimmten ihn die drei Probleme nachdenklich. Den ersten Boulder lösten fast alle acht Finalisten relativ schnell, Schubert sogar mit Flash. Im zweiten Boulder benötigte er einige Versuche – die sich später als zu viele herausstellen sollten. Denn im dritten Boulder-Problem erreichte das ganze Feld die Zone, keiner das Top.

„Damit waren der erste und letzte Boulder quasi unwichtig, es kam alles auf den zweiten an. Und dort habe ich mit dem Sprung einfach zu viele Anläufe gebraucht“, erklärt der Innsbrucker. „Es war sicher etwas unglücklich geschraubt. Kein Vorwurf an die Routensetzer, denn das ist ein extrem harter Job.“

Eine Medaille mit Ansage

Am Ende des Bewerbs bewies Schubert, dass er einer der besten Kletterer der Welt ist. Mit einer beeindruckenden Performance im Vorstieg sicherte er sich die langersehnte Olympia-Medaille: „Seit Klettern ins olympische Programm aufgenommen wurde, habe ich mir diese Medaille zum Ziel gesetzt. Eigentlich unglaublich, wie viel Schweiß und Arbeit hineingeflossen sind.“

Ein gewisser Druck war vorhanden, die Erwartungshaltung groß

Immer wieder wurde der dreifache Weltmeister als Medaillen-Bank tituliert. „Den Druck macht man sich selbst. Ich habe die Medaille klar kommuniziert. Ich habe in meiner Karriere schon viel erreicht – ein anders Ziel hätte dann wohl blöd ausgeschaut. In meinem Alter bekommt man nicht mehr so viele Chancen an Olympischen Spielen teilzunehmen. Von daher musste so schnell als möglich, etwas Zählbares herausschauen. Es macht mich richtig stolz, dass ich dem Druck von außen standhalten konnte und abgeliefert habe.“

Nach dem Bewerb wurde es intensiv: Dopingkontrolle, Interview-Marathon, ORF-Studio. Erst gegen 1 Uhr Ortszeit kam Schubert im Olympischen Dorf an – und wurde von einem großen Aufgebot des Olympic Team Austria in Empfang genommen. „Das war echt eine tolle Überraschung! Einfach cool, dass so viele Leute wach geblieben sind und mir gratuliert haben.“

Jakob Schubert (c) Dimitris Tosidis/IFSC
Jakob Schubert (c) Dimitris Tosidis/IFSC

1.000 Nachrichten und kurze Nacht

Apropos Gratulationen: Über 100 Whatsapp-Nachrichten und an die 1.000 über Instagram zeigen, auf welch großer Bühne sich Schubert präsentierte. Und wieder einmal ablieferte. Nach den Terminen blieb noch Zeit, um mit dem Team anzustoßen. Schubert: „Die Nacht war relativ kurz, das gehört nach so einem Erfolg aber auch einmal dazu. Heute wird man mich eher mit Sonnenbrille sehen.“

Jakob Schubert wäre nicht Jakob Schubert, wenn er nicht unmittelbar nach dem Wettkampf alle Szenen analysieren würde. Edelmetall hin oder her. So gab er nach der Medaillen-Überreichung bereits einen Ausblick – denn die ersten sollen nicht letzten Olympischen Spiele bleiben:

„Paris 2024 ist für mich ein großes Ziel. Das ist aber nicht von der Medaille abhängig. Es macht mega Spaß und ich trainiere gerne hart für die Wettkämpfe. So lange es so gut läuft, warum sollte ich dann aufhören. Das Gute ist, dass die Disziplin, die meine Schwachstelle ist, in Paris wegfällt – dann bleiben nur noch Bouldern und Lead übrig. Vielleicht kann ich die Farbe der Medaille ja dann sogar noch ein bisschen aufhellen…“