Solar Eclipse: Eine neue, ernsthafte Route am Eiger

Solar Eclipse ist eine neue, rund 900 Meter hohe und 33 Seillängen umfassende Route am Eiger, die zwischen dem 27. Juli und dem 13. August 2026 von Fay Manners und Roger Schäli erstbegangen wurde. Unterstützt wurden sie dabei von Oskar Gertsch und Raphael Schmid.

Die Route folgt einer großen, natürlichen Linie durch die Eigerwand und besitzt einen ausgesprochen ernsten und alpinen Charakter.

Im Gegensatz zu klassischen Sportkletterrouten ist die Schwierigkeit von Solar Eclipse nicht allein anhand des maximalen Klettergrades zu beurteilen. Roger Schäli geht derzeit davon aus, dass die Route obligatorisch etwa im Bereich 7a und im Rotpunkt bei ungefähr 7c liegen wird. Diese Angaben sind allerdings noch vorläufig. Entscheidend ist, dass die Route neben den eigentlichen Kletterstellen zahlreiche alpine Anforderungen stellt.

Solar Eclipse: Eine neue, ernsthafte Route am Eiger (c) John Thornton

Solar Eclipse folgt konsequent den natürlichen Schwachstellen des Felsens. Dadurch ergeben sich auch Quergänge und Passagen wo ein Wiederholer die Wand sehr gut lesen kann und ein gutes Gespür dafür entwickeln, wo die natürliche Linie verläuft und wo die Route weiterführt.

Gerade diese Orientierung unterscheidet Solar Eclipse von direkteren modernen Kletterrouten.

Solar Eclipse: Eine neue, ernsthafte Route am Eiger (c) John Thornton

Auch die Absicherung spielt eine wichtige Rolle. Für eine Wiederholung werden voraussichtlich mehrere Totem Cams benötigt. Darüber hinaus sollte man mit Hammer, Haken und Peckern umgehen können und in der Lage sein, bei Bedarf selbst zusätzliche Sicherungen anzubringen. Die Route setzt somit ein hohes Maß an Selbstständigkeit voraus. Es reicht nicht, lediglich den angegebenen Klettergrad zu beherrschen.

Im Vergleich zu Odysse schätzt Schäli Solar Eclipse derzeit alpintechnisch etwas anspruchsvoller ein. Odyssee, welche aktuell als die schwerste Rotpunkt gekletterte Route am Eiger gilt, (Erstbegangen von Schäli, Jasper, Gietl) folgt stärker der direkten Linie zwischen La Via und Paciencia und dürfte deshalb hinsichtlich der reinen Kletterbewegungen anspruchsvoller sein. Solar Eclipse verlangt dagegen mehr Orientierung, alpine Erfahrung und die Fähigkeit, auch in weniger offensichtlichem Gelände sichere Entscheidungen zu treffen.

Solar Eclipse: Eine neue, ernsthafte Route am Eiger (c) John Thornton

Besonders wichtig ist daher die Unterscheidung zwischen Klettergrad und alpiner Schwierigkeit. Eine technisch schwierige, gut abgesicherte 8a-Mehrseillängenroute kann für einen erfahrenen Alpinkletterer deutlich entspannter sein als eine lange alpine Route im Bereich 7a. Bei Solar Eclipse sind nicht nur die schwierigsten Einzelstellen entscheidend, sondern die Kombination aus Länge, Orientierung, Absicherung, Felsqualität, Rückzugsmöglichkeiten und psychischer Belastung.

Meine Erstbegehung Magic Mushroom, welche ich mit Christoph Hainz eröffnete wird bei den warmen Tagen fast täglich wiederholt und hat eine Schwierigkeit von 7c+. Da die Route gut absichert ist, kaum mobile Zwischensicherungen braucht und mehrheitlich gerade hoch geht, ist dieser Route deutlich weniger ersthaft als Solar Eclipse!

Solar Eclipse: Eine neue, ernsthafte Route am Eiger (c) John Thornton

Roger Schäli betont deshalb, dass ein Wiederholer nicht zwingend ein besonders starker Sportkletterer sein muss. Viel wichtiger ist, dass er sich sicher und selbstständig in anspruchsvollem alpinem Gelände bewegen kann. Dazu gehören gutes Felslesen, der sichere Umgang mit mobiler Absicherung, Erfahrung mit alpinem Kalk sowie die Fähigkeit, auch in schwierigen Situationen ruhig zu bleiben und eigenständig Lösungen zu finden.

Solar Eclipse sollte daher keinesfalls mit klassischen Klettergebieten oder gut abgesicherten Mehrseillängenrouten verglichen werden. Länge, Ernsthaftigkeit und die eingeschränkten Möglichkeiten zum Rückzug schaffen eine völlig andere Dimension. Mehrere Seillängen haben bereits den Erstbegehern sehr viel abverlangt.

Solar Eclipse: Eine neue, ernsthafte Route am Eiger (c) John Thornton

Für die Zukunft planen Fay Manners und Roger Schäli, Solar Eclipse vollständig rotpunkt zu klettern und gleichzeitig die vorhandenen Fixseile zu entfernen. Außerdem soll die Route gereinigt und in einem möglichst guten Zustand für zukünftige Wiederholer hinterlassen werden. Sobald diese Arbeiten abgeschlossen sind, wollen die Erstbegeher ein detailliertes Topo veröffentlichen.

Damit dürfte Solar Eclipse nach ihrer Fertigstellung eine äußerst interessante, aber auch sehr anspruchsvolle moderne Eigerroute werden – nicht unbedingt wegen eines außergewöhnlich hohen einzelnen Klettergrades, sondern vor allem wegen der Kombination aus schwieriger Kletterei, alpiner Erfahrung, Orientierung, Selbstabsicherung und der enormen Länge der Route.

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