Gurt, Seil & ein Plan B: Darum brauchen Höhenarbeiter zertifizierte Sicherheit

Gurt an, Karabiner zu und hoch geht’s: Was beim Klettern vertraut aussieht, folgt im Job plötzlich ganz anderen Regeln. Arbeiter auf Dächern, an Fassaden oder Industrieanlagen brauchen mehr als bloß Klettererfahrung. Die passende Absturzsicherung, klare Abläufe und einen Plan B, für den Fall, dass doch einmal etwas schiefgeht.

20 Meter bleiben 20 Meter. Ob darunter eine Kletterhalle, ein Felsfuß oder ein Hallendach liegt, macht für den Kopf erst keinen riesigen Unterschied, für die Sicherung aber schon. Ein erfahrener Kletterer bringt Bewegungsgefühl, Höhenroutine und den sicheren Umgang mit Gurt, Seil und Karabinern mit.

Auf einen Arbeitsplatz in der Höhe lässt sich das trotzdem nicht eins zu eins übertragen. Dort zählt nicht, wie kontrolliert ein Sturz aufgefangen wird oder wie sauber jemand eine schwierige Passage löst. Die Sicherung soll vielmehr verhindern, dass es überhaupt so weit kommt. Ab hier gehen Sportklettern und die professionelle Höhenarbeit getrennte Wege.

Am Fels vertraut, beim Job gelten andere Regeln

Ein Sportklettergurt und ein Auffanggurt haben Gurtschlaufen, Schnallen und Anseilpunkte. Damit endet die sinnvolle Gleichsetzung recht schnell.

Beim Arbeiten in der Höhe wird die persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz, kurz PSAgA, passend zur konkreten Tätigkeit zusammengestellt. Je nach Einsatz können Auffanggurt, Verbindungsmittel, Falldämpfer, mitlaufende Auffanggeräte oder Höhensicherungsgeräte dazugehören.

Entscheidend ist nicht, was gerade im Materialschrank liegt, sondern welches Sicherungssystem zur konkreten Arbeit und zur Bewegung am Einsatzort passt. Wer seit Jahren am Fels unterwegs ist, bringt viel Materialgefühl und Routine mit. Bei beruflicher Höhenarbeit reicht diese Erfahrung allein jedoch nicht aus, denn Sicherungssysteme und Abläufe richten sich nach dem jeweiligen Einsatz. Anbieter wie HÖHENPASS verbinden dafür Ausrüstung und Schulungen für Höhenarbeit und decken Bereiche wiePSAgA, Absturzsicherung und entsprechende Unterweisungen ab.

Der Sturz ist im Job kein Trainingsmoment

Beim Sportklettern gehört Stürzen je nach Disziplin dazu. Viele Kletterer üben sogar bewusst, um Vertrauen in Seil und Sicherung aufzubauen.

Am Arbeitsplatz sieht die Sache anders aus.

Hier beginnt Sicherheit schon bei der Frage, ob sich die Absturzgefahr technisch oder organisatorisch vermeiden lässt. Reichen solche Maßnahmen nicht aus, kommt persönliche Absturzschutzausrüstung ins Spiel. Die DGUV beschreibt PSAgA entsprechend als Maßnahme, wenn technische und organisatorische Schutzmöglichkeiten ausgeschöpft sind.

Ein Auffangsystem muss aber mehr können, als einen möglichen Sturz zu stoppen. Fallstrecke, Anschlagpunkt, mögliche Pendelbewegungen und Hindernisse unterhalb der Person spielen ebenfalls eine Rolle. Ein Gurt allein löst davon nichts.

Nach dem Auffangen ist die Sache noch nicht vorbei

Der unangenehmste Teil beginnt möglicherweise erst danach, denn wer nach einem Sturz im Auffanggurt hängt, muss zügig gerettet werden können. Die DGUV weist deshalb darauf hin, dass vor der Benutzung eines Auffangsystems ein Rettungskonzept festgelegt werden muss. Längeres bewegungsloses Hängen kann den Kreislauf gefährlich belasten.

Für Kletterer ist der Gedanke nicht völlig fremd. Selbstrettung, Partnerrettung und ein Plan für den Notfall gehören im alpinen Gelände ebenfalls zu den Dingen, die besser vor dem Problem geklärt werden. Im Arbeitsumfeld wird daraus ein fester Bestandteil des Sicherheitskonzepts.

Partnercheck bleibt stark, bekommt im Job aber Verstärkung

Ein guter Reflex aus dem Klettersport lässt sich direkt mitnehmen: nicht einfach einsteigen und los. Gurt, Knoten, Karabiner und Sicherungsgerät gehören vor dem Start kontrolliert. Der Partnercheck vor jedem Start zählt deshalb zu den grundlegenden Sicherheitsregeln beim Sportklettern.

Bei beruflicher Höhenarbeit reicht dieser Blick unter Kollegen allerdings nicht als einziges Sicherheitsnetz. Ausrüstung muss für den vorgesehenen Einsatz geeignet sein, richtig eingestellt werden und sich in einem einwandfreien Zustand befinden. Betriebliche Vorgaben, Unterweisungen und Prüfungen kommen noch obendrauf.

Materialgefühl ist gut, Prüfstatus ist besser

Kletterer kennen das: Das Seil wird pelzig, eine Schlinge sieht verdächtig aus oder ein Karabiner schließt plötzlich nicht mehr so satt wie früher. Wer häufig klettert, entwickelt einen Blick für Material. Im Job ist „sieht noch gut aus“ aber keine ausreichende Kategorie.

Persönliche Schutzausrüstung muss nach den dafür geltenden Vorgaben und Herstellerangaben kontrolliert und geprüft werden. Beschädigungen, Passform und frühere Belastungen können darüber entscheiden, ob ein Teil weiter eingesetzt werden kann. Die DGUV nennt bei Auffanggurten unter anderem Passform, erforderliche Ösen und Einstellmöglichkeiten als relevante Auswahlkriterien.

Das verändert sogar den Umgang mit liebgewonnenem Equipment. Beim Sport hängt am alten Gurt vielleicht eine gute Geschichte. Am Arbeitsplatz zählt, ob er für den Einsatz vorgesehen und sicher verwendbar ist. Sentimentalität passt schlecht ins Prüfprotokoll.

Kletterroutine wird erst mit Ausbildung zur Arbeitsroutine

Wer gut klettert, bringt Bewegungsgefühl, Höhengewöhnung und meistens einen respektvollen Umgang mit Sicherungsmaterial mit. Das ist eine ordentliche Grundlage.

Es ersetzt keine Qualifikation für berufliche Arbeiten in absturzgefährdeten Bereichen.

Dort geht es unter anderem um die Auswahl geeigneter Systeme, Anschlagmöglichkeiten, korrekte Verbindungen, Rettungsabläufe und die Besonderheiten des jeweiligen Arbeitsplatzes. Eine Windenergieanlage stellt andere Anforderungen als ein Flachdach, eine Steigleiter oder eine Wartungsplattform.

Hier trennen sich Freizeit und Beruf am deutlichsten. Der erfahrenste Kletterer in der Halle kann bei einer unbekannten Absturzsicherung genauso Fragen haben wie jemand, der erst seit Kurzem klettert.

Höhe bleibt Höhe, nur die Aufgabe darunter entscheidet, welches Wissen, welches Material und welcher Plan mit nach oben müssen.

Saisonal_NL_250x250

TOP ARTIKEL

PRODUKTE

PANORAMA